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Arbeiten-4.0

Arbeiten 4.0

In den Managementwissenschaften und auch den Medien gehört Industrie 4.0 – das „Internet der Dinge“ – zu den aktuellsten Trends. In den Unternehmen ist die neue technologische Revolution noch nicht in vollem Umfang angekommen. Sicher ist jedoch, dass sie die Wertschöpfungsprozesse damit auch die Arbeitswelt der Zukunft grundlegend verändern wird.
 

Die neue Art der Kooperation zwischen Menschen und Maschinen sowie die wachsende Vernetzung ändert nicht nur die Art und Weise, wie wir produzieren, sondern wird auch neue Produkte, Dienstleistungen und Kollaborationsbeziehungen schaffen. Perspektivisch resultiert daraus ein umfassender gesellschaftlicher und kultureller Wandel. Hieraus entstehen neue Ansprüche an Arbeit, auch die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen wird sich verändern. Welche Auswirkungen sich daraus im Hinblick auf die Organisation von Arbeit und die Gestaltung der sozialen Sicherungssysteme ergeben, ist bisher völlig offen. Ebenso wie in den früheren Phasen der technologischen Revolution sind diese Veränderungen jedoch durch Gesellschaft und Politik gestaltbar. Allerdings folgt daraus auch, dass Individuen, Sozialpartner und der Staat einen neuen Konsens finden müssen.
 

Das „Internet der Dinge“ – die Grundlage für Arbeiten 4.0

Den Begriff des „Internets der Dinge“ stammt aus einem Aufsatz des US-amerikanischen Informatikers und Kommunikationswissenschaftlers Mark Weiser, der ihn bereits im Jahr 1991 prägte, um die Perspektiven des „Computers im 21. Jahrhundert“ zu beschreiben. Im Kern ging es zunächst darum, dass die klassischen PCs in absehbarer Zeit aus dem Alltag und der Arbeitswelt verschwinden werden. Ihre Funktionen übernehmen „intelligente Gegenstände“, die digital vernetzt sind und weitgehend eigenständig miteinander kommunizieren. Dabei gewinnen die Produktionsmittel immer größere Autonomie. Entscheidend für die Entwicklung der Industrie 4.0 ist der Übergang von zentral gesteuerten zu dezentralen Produktionsprozessen, in denen die Initiative für Aktionen von einzelnen Produkten und den Maschinen ausgeht. Prozesse und Produkte werden hierdurch in immer größerem Ausmaß individualisiert, ohne dass das Prinzip der hohen Stückzahl aufgegeben werden muss. Arbeiten 4.0 ist in diese Prozesse eingeordnet und wirkt selbstverständlich auch auf sie zurück.
 

Der individuelle Mitarbeiter wird absolut im Fokus stehen

Der frühere SAP-Vorstand und habilitierte Physiker Henning Kagermann ist überzeugt, dass der individuelle Mitarbeiter, seine Leistung und vor allem seine Fähigkeiten in diesen neuen Strukturen absolut im Fokus stehen werden. Bisher bestanden die Optimierungsziele der Unternehmen vor allem in immer umfassender Standardisierung und der entsprechenden Optimierung von Produkten. In der Arbeitswelt 4.0 werden individuelle Produkte und damit auch die individuelle Gestaltungsfähigkeit der Mitarbeiter einen völlig neuen Stellenwert gewinnen. Arbeitnehmer gewinnen hierdurch mehr Autonomie, müssen allerdings auch größere Verantwortung für die Gestaltung der eigenen Erwerbsbiografie übernehmen. Ohne Flexibilität, lebenslanges Lernen und die permanente Weiterentwicklung der persönlichen Beschäftigungsfähigkeit sind die Vorteile der Arbeitswelt 4.0 nicht zu haben.
 

Neue Arbeitsformen und „Entgrenzung“ von Prozessen

Gleichzeitig gewinnen Teamarbeit und neue, virtuelle Arbeitsformen immer stärker an Bedeutung. Reziproke Kollaborationsprozesse gehen künftig nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen Menschen und Maschinen vor sich. Die Rolle der Mitarbeiter wird sich deutlich stärker als bisher in Richtung auf Innovationsaufgaben sowie die Organisation von Kollaboration entwickeln. Kommunikative und soziale Kompetenzen – die sogenannten „Soft Skills“ – gehören zwar auch heute zu den grundlegenden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt, in der Arbeitswelt 4.0 werden sie erfolgsentscheidende sein. Daneben führt Arbeiten 4.0 zu einer „Entgrenzung“ von Prozessen. Arbeitnehmer werden weitaus größere räumliche, inhaltliche und zeitliche Flexibilität genießen, als dies heute möglich ist. Solche Veränderungen so zu organisieren, dass die für die Unternehmen tatsächlich zum Produktivitätsfaktor werden und prekäre Beschäftigungsverhältnisse trotzdem nicht zur Regel werden, ist eine der großen Herausforderungen der neuen Arbeitswelt.
 

Eine Bedrohung von hochwertigen Arbeitsplätzen ist mit Arbeiten 4.0 nicht zwangsläufig verbunden. Zu den Verlierern auf dem Arbeitsmarkt werden gering qualifizierte Arbeitskräfte gehören – dieser Trend ist allerdings seit Jahren absehbar. Hinzu kommt, dass die Arbeitswelt 4.0 deutlich dynamischer sein wird als heute – auch in dieser Hinsicht stehen in den Unternehmen und für jeden einzelnen Arbeitnehmer Veränderungen an.
 

Viele offene Fragen und eine Brainstorming-Aktion

An dieser Stelle sind bereits heute die Sozialpartner und der Staat gefragt. Arbeiten 4.0 stellt für alle Beteiligten eine ganze Reihe offener Fragen in den Raum: Wie muss sich das Bildungssystem – und zwar von der Grundschule bis zu den Universitäten – verändern, damit seine Absolventen fit für den Arbeitsmarkt der Zukunft sind? Welchen Stellenwert hat Weiterbildung? Wie müssen die Unternehmen in dieser Hinsicht planen? Wie lassen sich virtuelle Kollaborationsprozesse organisieren? Was bedeutet Work-Life-Balance in einer „grenzenlosen“ Arbeitswelt? Welche Anforderungen müssen die sozialen Sicherungssysteme erfüllen, um den neue Anforderungen gerecht zu werden?
 

Die meisten Antworten darauf stehen bisher aus. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat in diesem Jahr eine Brainstorming-Webseite – das Grünbuch Arbeiten 4.0 [http://www.arbeitenviernull.de] – ins Internet gestellt, auf der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Experten ihre Ideen dazu präsentieren und entwickeln können.
 

Dr. Janine El-Saghir

Dr. Janine El-Saghir studierte Kultur- und Literaturwissenschaft. Nach ihrer anschließenden Dissertation, vielen Auslandsaufenthalten und der Rückkehr nach Deutschland arbeitete Frau El-Saghir als Marktforscherin. Bald auf einer Management-Position in internationalen Teams. Seit 2011 arbeitet sie als freiberufliche Texterin und Autorin.

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