Microsoft: Eine Arbeitswelt ohne Gehaltsverhandlungen

Microsoft: Eine Arbeitswelt ohne Gehaltsverhandlungen

Gehaltsverhandlungen können stressig sein. Denn die wenigsten Arbeitnehmer reißen die Tür zum Chefbüro auf, hauen auf den Tisch und fordern mehr Geld. Sollten Sie zu dieser Sorte gehören, dürfen Sie vielleicht stolz darauf sein, dass Sie kurzen Prozess zu machen verstehen – Erfolg werden Sie nach solchen Schnellschüssen selten haben.

Gehaltsverhandlungen sind Psychologie, Strategie und Nervenkrieg. Sie müssen die wirtschaftliche Entwicklung Ihres Unternehmens analysieren. Sie müssen Ihre eigenen Leistungen analysieren. Sie müssen das Stimmungsbarometer Ihres Chefs analysieren. Ganz schön viel Arbeit und nächtliche Sorgen.

Wenn Timing, Leistung und die Laune Ihres Vorgesetzten harmonieren und sie alle Argumente aus dem Gehaltsverhandlungs-Coaching im Gewehrlauf haben, schlagen Sie zu – Ausgang ungewiss. Nach Gehaltsverhandlungen kann man sich ziemlich alt fühlen.

Mitarbeiter von Behörden haben es besser. Sie gehen gemächlich die Karrierelaufbahn, die Ihnen vom Tarifsystem vorgezeichnet ist. Solche Systeme behandeln Angestellte wie der Sammler seine Rotweinflaschen – je älter, desto besser (und desto teurer). Der Nachteil starrer Tarifzwangsjacken: sie sind Konfektionsware, sie müssen jedem passen.

Das kann ganz schön zwicken, vor allem, wenn Sie zu jenen neugierigen, unternehmungslustigen Menschen gehören, die viel und kreativ arbeiten und ein besseres Vorankommen verdient hätten. Gibt es keine Alternative zwischen Gehaltszweikämpfen und Einheitstarif? Doch, es gibt sie. Nämlich da, wo die Innovation ist. In der IT-Branche, bei Microsoft.

Als ITler einen Posten bei Microsoft bekommen ist wie als Schauspieler den Oscar gewinnen. Die gut ausgebildeten Technikfreaks reißen sich um die Stellen der Deutschland-Dependance des Software-Riesen. Und das liegt nicht allein an dem technischen Renommee des Unternehmens. Es ist auch seinem sozialen Renommee zu verdanken. Microsoft gilt nämlich als vorbildlicher Arbeitgeber.

Die rigiden Modelle mit Vollzeitstelle, isolierten Abteilungen und 100 % Anwesenheitspflicht haben die Amerikaner seit Firmengründung über Bord geworfen. Die Zahlen geben dem Software-Konzern recht: 2 % Fluktuation und eine durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von 7 Jahren betonen das gute Betriebsklima.

Dies entsteht durch so schöne Dinge wie die Nicht-Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz, Vertrauensarbeitszeit, bezahlten Urlaub für Väter oder einen hohen Anteil von Frauen in Führungspositionen. Und durch die transparenten Gehaltsstrukturen. Bei Microsoft klopft kein Angestellter kalkweiß im Gesicht an die Tür zum Chefbüro, weil er mehr Geld braucht. Ebenso wenig sind die finanziellen Aufstiege nach dem Kalender geregelt.

Bei dem amerikanischen Computerriesen zählt für die bessere Bezahlung nur eine Währung: Leistung. Wer viel Verantwortung übernimmt, wer seinen Job kreativ und selbstständig ausübt, sich in Projektteams engagiert oder größere Kunden erfolgreich betreut, erwirbt das Recht auf einen höheren Joblevel. Bei der Erstansiedlung auf einem Level spielt selbstverständlich die Berufserfahrung eine Rolle, die ein Neueinsteiger mitbringt. Aber von hier ab gilt: bei Microsoft gibt es keinen Alters-, sondern einen Leistungsaufstieg. Das schafft unter den Mitarbeitern Motivation, denn Kreativität, Verantwortung und Selbstorganisation werden belohnt.

Kritiker könnten einräumen, dass damit der Willkür Tür und Tor geöffnet ist – Stichwort Nasenfaktor: wenn meinem Vorgesetzten die meinige nicht gefällt, wird er mich bis zum Sankt-Nimmerleinstag nicht für einen höheren Level vorschlagen. Und liegen sich Angestellte aller Abteilungen nicht dauerhaft darüber im Clinch, wer berechtigterweise auf einem höheren Level arbeitet und wer nicht? – Nein, sagt Microsoft und belegt die Ausgewogenheit des Systems durch positive Mitarbeiterzufriedenheitsmessungen zum Thema Nachvollziehbarkeit und Transparenz. Transparenz ist das Zaubermittel, mit dem Animositäten unter den Mitarbeitern im Keim erstickt werden.

Microsoft macht die Kriterien nachvollziehbar, die erfüllt sein müssen, um ein bestimmtes Joblevel und damit ein bestimmtes Gehalt zu erzielen. Hat ein Arbeitnehmer diesen Kriterien Genüge getan, kann er davon ausgehen, dass er auf dem Joblevel platziert wird. Er muss also nicht die Tour durch die Büros machen und an Geschichten feilen, die sich mit dem rätselhaften Aufstieg von Kollege X oder Kollegin Y beschäftigen.

Das gläserne Vergütungssystem schafft Durchsicht auf alle Gehaltsentscheidungen der Leitungsebene. Microsoft geht nicht so weit, das Gehalt seiner Angestellten intern publik zu machen; aber jeder kann und darf Einsicht nehmen, wer sich auf welchem Joblevel befindet und warum. Damit schafft Microsoft Offenheit. Und Offenheit ist – das weiß man von Familien, Freundschaften und Staaten – ein Nährboden für Kreativität und Entwicklung.

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