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Mitarbeiter anziehen, binden, motivieren – welche Rolle spielen Emotionen?

Personaler, Recruiter und die Manager der Fachabteilungen finden sich immer stärker in einer ungewohnten Rolle wieder: Der Arbeitgebermarkt – und damit die Macht der Personalentscheider – haben der Tendenz nach ausgedient. Der demografische Wandel führt dazu, dass junge, hochqualifizierte High Potentials zwischen verschiedenen Angeboten wählen können.
 

Unternehmen müssen also auch als attraktiver Arbeitgeber überzeugen, wenn sie ihre Wettbewerbsposition auf lange Sicht erhalten wollen. Dabei geht es einerseits darum, die geeigneten Kandidaten zu erreichen, jedoch auch um eine nachhaltige Mitarbeiterbindung und positive Motivation in alltäglichen Prozessen. Die Frage ist, wie sich Attraktivität in diesen Dimensionen realisieren lässt – Experten meinen: Ohne Emotionen geht es dabei nicht.
 

Emotionales Engagement – nur bei 15 Prozent der deutschen Arbeitnehmer

Seit 2001 veröffentlicht das US-amerikanische Meinungsforschungsinstitut Gallup einmal jährlich seinen globalen „Engagement Index“ – das Thema der Befragung ist der Grad der Mitarbeiterbindung. In den vergangenen Jahren sah es in deutschen Unternehmen, aber auch in vielen anderen Ländern in dieser Hinsicht eher traurig aus. Laut Gallup gaben im Jahr 2012 nur 15 Prozent der deutschen Arbeitnehmer an, dass sie sich ihrem Unternehmen emotional verbunden fühlten, 85 Prozent verfügten über eine geringe oder keine Bindung an den Arbeitgeber. Der Anteil der Mitarbeiter, der sich de facto bereits in der inneren Kündigung befand, hatte sich seit der Initialerhebung von 15 auf 24 Prozent vergrößert. In der aktuellen Ausgabe der Studie für das Jahr 2014 war zumindest dieser Wert wieder auf den Stand von 2001 zurückgegangen, allerdings hat sich der Anteil der emotional engagierten Mitarbeiter nicht vergrößert. [http://www.gallup.com/de-de/181871/engagement-index-deutschland.aspx] Die Erhebungen legen nahe, dass sich die Firmen nach wie vor als eine „emotionale Wüste“ präsentieren – und zunehmend die Erfahrung machen, dass die blanke Ratio für eine motivierende Unternehmenskultur nicht ausreicht.
 

Emotionale Mitarbeiterbindung beruht auf Transparenz und Werten

Wenn es um Emotionen geht, wissen vor allem Marketingexperten sofort, wovon die Rede ist. Zufriedene und loyale Kunden gewinnen Unternehmen vor allem dann, wenn sie in der Lage sind, auch auf der emotionalen Ebene zu überzeugen. Dieses Konzept muss spätestens in Zeiten des Fachkräftemangels auch auf die Personalarbeit übertragen werden. Der Personalexperte Gunther Wolf hat in diesem Kontext das sogenannte „PEA-Konzept“ [http://branding-employer.de/wp-content/uploads/2015/02/101190_14_06_19-Mitarbeiter-anziehen-motivieren-binden-Emotionen-entscheiden.pdf] entwickelt. Das Kürzel steht für das Potential des Personalmarketings/der Personalarbeit, die Erfolgssteigerung des Unternehmens und dessen Attraktivität als Arbeitgeber – letzteres ist dabei die entscheidende Komponente. Eine Firma, die ihre Mitarbeiter durch konkrete Angebote, transparente Prozesse und gelebte Werte überzeugt, positioniert sich in den Bereichen Employer Branding und Mitarbeiterbindung klar und deutlich.
 

Mitarbeiterbindung resultiert aus guter Führung

Eine hohe emotionale Bindung kann und sollte „begeisterte“ Mitarbeiter nach sich ziehen – auf die Entscheidung für den Arbeitgeber (und in einem lösbaren Konfliktfall auch gegen eine Kündigung) hat sie einen immensen Einfluss. Um einen „Kuschelkurs“ geht es dabei jedoch keinesfalls: Emotional beteiligte Mitarbeiter entwickeln in der Regel maximale Leistungsbereitschaft, entfalten ihr innovatives Potential und tragen so zum Erfolg des Unternehmens in entscheidender Art und Weise bei. Umgekehrt wirkt sich die Erfolgsstory einer Firma positiv auf die Motivation und die emotionale Bindung ihrer Mitarbeiter aus – wenn auch die internen Kollaborationsprozesse und das „Arbeitsklima“ stimmen. Die Grundvoraussetzung im Unternehmensalltag besteht in guter Führung: wertschätzend, auf Augenhöhe, durch Werte und Ziele, aber auch durch natürliche Autorität und Entscheidungsfähigkeit geprägt. Gunther Wolf schreibt, dass Mitarbeiterbindung zu großen Teilen „Vorgesetztenbindung“ ist.
 

Emotionen im Recruiting – Authentizität und Werte

Emotionale Faktoren kommen natürlich auch im Recruiting und bei der Bewerberansprache zum Tragen. Authentizität und Glaubwürdigkeit sind hier wesentliche Faktoren. Ein Recruiter tritt mit Bewerbern zunächst in einen offenen Dialog – die „Versprechungen“, die hier gemacht werden, müssen jedoch auch im Arbeitsalltag tragen und sich gegebenenfalls schon vor der Vertragsunterzeichnung verifizieren lassen. Gleichzeitig müssen Unternehmen Möglichkeiten finden, sich bereits in ihren Stellenanzeigen über eine reine Kosten-Nutzen-Relation (Sie bringen mit … Wir bieten …) hinaus zu positionieren. Es geht um Kommunikation – darum, potentielle Kandidaten in ihrer eigenen Tonlage anzusprechen und dabei nicht nur Informationen, sondern auch Werte zu kommunizieren, die für die Bewerber interessant sind. Vor allem im Online-Recruiting bieten sich dafür viele Möglichkeiten.
 

Dr. Janine El-Saghir

Dr. Janine El-Saghir studierte Kultur- und Literaturwissenschaft. Nach ihrer anschließenden Dissertation, vielen Auslandsaufenthalten und der Rückkehr nach Deutschland arbeitete Frau El-Saghir als Marktforscherin. Bald auf einer Management-Position in internationalen Teams. Seit 2011 arbeitet sie als freiberufliche Texterin und Autorin.

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