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Niedrigste-Arbeitslosenquote-seit-24-Jahren

Niedrigste Arbeitslosenquote seit 24 Jahren – schlechte Zeiten für Personaldienstleister?

Der Arbeitsmarkt boomt – viele Unternehmen rechnen mit wachsenden Schwierigkeiten, auch in Zukunft geeignetes Personal zu finden. Die aktuelle Arbeitsmarktstatistik scheint ihnen recht zu geben: Im Oktober 2015 ist die Arbeitslosenquote auf ein 24-Jahres-Tief gefallen.
 

Ebenso wie die Firmen selbst bekommen auch die Personaldienstleister den Trend zur Vollbeschäftigung zu spüren. Speziell die Zeitarbeitsfirmen können nicht mehr im gleichen Umfang wie in früheren Jahren darauf bauen, dass sie unter den Kunden der Bundesagentur für Arbeit problemlos Mitarbeiter finden und stehen vor der Aufgabe, neue Strategien für ihr Recruiting zu entwickeln.
 

Erfolgsmeldung aus Nürnberg: Nur noch sechs Prozent registrierte Arbeitslose

Noch vor wenigen Jahren stöhnte Deutschland wegen hoher Arbeitslosenzahlen, heute agiert es als konjunkturelles Zugpferd in Europa und baut seine Arbeitsmarktreserven ab. Die wirtschaftlichen Prognosen geben vorerst keinen Anlass zur Besorgnis. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft um 1,8 Prozent wachsen. Erwerbstätig sein werden voraussichtlich weiterhin rund 43 Millionen Menschen sein, was in der Geschichte der Bundesrepublik ein Rekordwert ist.

Die Bundesagentur für Arbeit meldete bereits im Oktober 2015 ein 24-Jahres-Tief: Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 6,0 Prozent. Arbeitslos gemeldet waren zum Monatsende 2.649.000 Menschen – 83.000 weniger als im Vorjahr. Die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse haben im Vergleich zum Oktober 2014 deutlich zugenommen.
 

Weniger Langzeitarbeitslosigkeit

Ebenso spannend ist ein Blick auf die Daten zur Langzeitarbeitslosigkeit. Zwar beläuft sich die Zahl derjenigen, die Arbeitslosengeld zwei beziehen, auf 4.311.000 Personen – als arbeitslos gemeldet und damit folglich zumindest laut Statistik aktiv auf Arbeitssuche waren jedoch nur 1.885.000 Millionen dieser Gruppe – 11.000 weniger als im Vorjahr. Der größere Teil der Arbeitslosengeld-II-Bezieher stockt entweder ein zum Leben nicht ausreichendes Arbeitseinkommen durch SGB-II-Bezüge auf oder steht dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung.
 

Fachkräftemangel – auch im mittleren und unteren Arbeitsmarktsegment

Die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit registrierten offenen Stellen belief sich im Oktober 2015 auf 612.000 Vakanzen – 95.000 mehr als noch vor einem Jahr. Der Stellenindex der Arbeitsagentur zeigt, in welchen Bereichen kurzfristig die meisten Arbeitskräfte fehlen. Er bestätigt einen Trend, den schon seit geraumer Zeit auch die Demografen und Wirtschaftsforscher sehen: Der Fachkräftemangel wirkt sich keineswegs nur im Hinblick auf Ingenieure, IT-Experten und andere Hochqualifizierte aus – vor allem in technischen Berufen sowie in den Bereichen Logistik und Verkehr wird derzeit dringend Personal ohne akademischen Hintergrund gesucht.
 

Kooperation von Arbeitsagentur und Personaldienstleistern

An dieser Stelle kommen die Perspektiven der Personaldienstleister ins Spiel, die in ihrem Recruiting vor den gleichen Problemen wie andere Unternehmen stehen. In mehr als einem Bereich ist der Arbeitsmarkt so gut wie leergefegt, eine Rolle spielen auch bei den nichtakademischen Berufen regionale Unterschiede und der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs. Für Zeitarbeitsfirmen gestaltete sich die Personalbeschaffung in der Vergangenheit recht einfach: Ihre Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit war zwar nie ganz unumstritten, für beide Seiten jedoch für beide Seiten vorteilhaft. Personaldienstleister, die im Kundenauftrag nach unmittelbar verfügbaren Arbeitskräften suchten, wurden im Arbeitskräfte-Pool der Agentur oft ohne größere Probleme fündig.
 

Eine wichtige Personalressource für die Zeitarbeitsbranche schmilzt

Die Arbeitsvermittler machen ihnen den Kontakt zu Arbeitsuchenden dabei denkbar einfach. Die großen Zeitarbeitsfirmen verfügen über einen eigenen Zugang zur Jobbörse der Agentur, um ihre Vakanzen zu übermitteln und Stellenanzeigen zu schalten. Ende 2014 kamen über 30 Prozent der von der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen aus dem Zeitarbeitsbereich, agenturinterne Jobmessen sollten diesen Vermittlungskanal optimieren. Der positive Nebeneffekt für die Arbeitsagentur: Die Kooperation im Zeitarbeitsbereich fokussiert sich auf Arbeitslose, die Arbeitslosengeld II beziehen und verpflichtet sind, Arbeitsangebote anzunehmen. Hinzu kommt, dass die Vermittelten im Zweifelsfall nur sieben Tage auf der neuen Stelle bleiben müssen, um in der Arbeitslosenstatistik vorerst nicht mehr aufzutauchen.
 

Zweifellos finden Personaldienstleister durch die Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur trotzdem zahlreiche qualifizierte Mitarbeiter, für die Zeitarbeit eine Chance bietet, wieder in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Aber: Diese Arbeitsmarktreserve schmilzt – und damit auch der Anteil der Personen, die realistische Arbeits- und Vermittlungschancen haben.
 

Zeitarbeit wird anspruchsvoller

Trotzdem müssen fähige Mitarbeiter in der Zeitarbeitsbranche in Zukunft nicht zur „Mangelware“ werden – die Frage ist, wie die Branche künftig ihr Profil gestalten will. Es geht auch in diesem Arbeitsmarktsegment schon lange nicht mehr darum, jeden einzustellen, der einigermaßen für einen Einsatz bei einem Auftraggeber passt. Zum einen werden die Aufgaben, die die temporären Mitarbeiter in den Unternehmen übernehmen sollen, kontinuierlich anspruchsvoller. Im Premium-Bereich der Zeitarbeit rekrutieren die Personaldienstleister heute hochqualifizierte Mitarbeiter für befristete Projektarbeit, auch in vielen anderen Arbeitsfeldern kommt es auf Qualifikation, Fähigkeiten sowie „Soft Skills“ an. Zum anderen erwarten die Unternehmen auch bei temporären Arbeitskräften zum Teil ein Recruiting, das ihnen die Option einer Übernahme bietet – de facto sourcen sie damit Teilbereiche ihres eigenen Recruitings an Personaldienstleister aus.
 

Die Herausforderungen: Arbeitgeberattraktivität und maßgeschneidertes Recruiting

Personaldienstleister stehen damit vor den gleichen Aufgaben wie alle anderen Firmen. Behaupten werden sich auf lange Sicht nur Anbieter, die es schaffen, ein eigenes spezifisches Markenprofil zu entwickeln, das für ihre Auftraggeber und potentielle Mitarbeiter gleichermaßen attraktiv ist. Branchengrößen wie Manpower und Adecco machen auf ihren Karriereseiten vor, dass ein solches Konzept – im Hinblick auf das Recruiting beispielsweise durch Weiterbildungsmaßnahmen, unterschiedliche „Jobwelten“ oder flexible Beschäftigungsmodelle – funktioniert. Für ihre Personalbeschaffung müssen Zeitarbeitsfirmen ebenso wie andere Unternehmen maßgeschneiderte Multichannel-Strategien nutzen, bei denen das Profil der ausgeschriebenen Stellen – und nicht die temporäre Beschäftigung – im Fokus steht. Personaldienstleister, die diese Herausforderungen meistern, sind für eine exponierte Position in einem permanent flexibler werdenden Arbeitsmarkt exzellent gerüstet und werden sehr wahrscheinlich in Zukunft eine deutlich größere Rolle spielen als bisher.

 

Friederike v. Hundelshausen

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