AÜG-Reform: Meine Tipps für Personaldienstleister

AÜG-Reform: Meine Tipps für Personaldienstleister

So sichern Sie sich Ihren Wettbewerbsvorteil

Die AÜG-Reform wird in der Zeitarbeitsbranche einiges in Bewegung bringen. Was ändert sich? Die Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten, Equal-Pay nach neun Monaten und dazu haufenweise neue Dokumentationspflichten. Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit als Personaldienstleister aus? Der administrative Aufwand mit Informations- und Dokumentationspflichten steigt.

Diese Zeiten müssen Sie künftig investieren, um den neuen Anforderungen nachzukommen. Dadurch erhöhen sich die Kosten für die Erbringung Ihrer Dienstleistung. Zusätzlich wird sich vermutlich durch die Equal-Pay-Regelung die durchschnittliche Überlassungsdauer reduzieren, was eine höhere Umschlagshäufigkeit und somit einen höheren Recruiting-Aufwand bedeutet. Dies führt ebenfalls dazu, dass Ihre Kosten durch die AÜG-Reform steigen werden.

Für Sie als Zeitarbeitsunternehmen gibt es nun zwei Möglichkeiten darauf zu reagieren. Entweder: Sie reichen die Preissteigerung 1:1 an Ihre Kunden weiter, denn die Erbringung der Dienstleistung Arbeitnehmerüberlassung wird definitiv kostenintensiver. Oder: Sie ergreifen jetzt die Chance und etablieren sich trotz der gestiegenen Anforderungen als Kostenführer. Das bedeutet, dass Sie durch geringe Kosten einen Wettbewerbsvorteil haben. Meine Empfehlung an Sie ist deshalb:

Streben Sie diese Kostenführerschaft an! Durch Prozessoptimierungen gelingt es Ihnen konkrete Kosten zu senken, bei gleichbleibender oder sogar höherer Qualität. So fallen für Ihre Kunden keine Mehrkosten an.

Zwei konkrete Handlungsempfehlungen für eine Kostenführerschaft

Wenn es Ihnen gelingt Ihre Geschäftsprozesse zu optimieren und zu automatisieren, sparen Sie viel Zeit ein und reduzieren dadurch Ihre Kosten. Überprüfen Sie Ihre Prozesse, insbesondere in der Verwaltung, der Dokumentation und im Recruiting. Die notwendigen Veränderungen durch die Gesetzesreform führen genau in diesen Bereichen zu der angesprochenen Verteuerung der Arbeitnehmerüberlassung.

Da sich GermanPersonnel auf den Recruiting- und Besetzungsprozess konzentriert, empfehle ich zum einen eine Prozessoptimierung hinsichtlich der Stellenerstellung. Hier können aus meiner Sicht leicht 15 Minuten pro Stellenerstellung eingespart werden. Zum anderen kann der Zeitaufwand bei der Bearbeitung von Bewerberprofilen sowie bei der Erstellung und Versendung der Kandidatenprofile an die Kundenunternehmen um 20 – 45 Minuten verkürzt werden.

Optimieren Sie Ihre Stellenerstellung

Die Stellenerstellung benötigt heutzutage immer noch den größten Input durch den Stellenersteller, in Ihrem Fall den Personaldisponenten oder Recruiter. Dabei wird die Stellenanzeige mit hohem Zeitaufwand angefertigt und ist zudem sehr oft fehlerhaft. Bei jeder Erstellung wird aufs Neue überlegt, welches Template gewählt, welche Inhalte kommuniziert und welcher Jobtitel vergeben wird. Dieser Standardprozess kann jedoch deutlich verbessert werden! Aus unserer Erfahrung liegt hier ein hohes Einsparungspotential. Die Stellenanzeige ist per se nämlich ein einfach und autonom beschreibbares Objekt. Sie besteht stets aus den immer gleichen Informationen.

Das Standardobjekt Stellenanzeige ist deshalb dazu prädestiniert, um automatisch erstellt zu werden.

Dafür werden lediglich drei Informationen benötigt: eine kurze Unternehmensbeschreibung, der Jobtitel und der Einsatzort. Intelligente Systeme suchen dann eigenständig den richtigen (= von der Zielgruppe meistgesuchten) Jobtitel, sie wählen das richtige Template, sie schreiben die richtigen Inhalte für die richtige Zielgruppe und sie wählen die richtigen Medienkanäle aus. GermanPersonnel berät seine Kunden in Schulungen ausführlich über die optimale Stellenerstellung und bietet darüber hinaus auch umfangreiche QM Checks an.

Die autonome Stellenanzeige kommt

In Zukunft werden für die Stellenerstellung nur noch der Jobtitel und der Einsatzort benötigt. Intelligente Software stellt selbständig alle Elemente der Stellenanzeige optimal zusammen, so dass die Anzeige den bestmöglichen Erfolg im Internet erbringt. So kann der Zeitaufwand pro Stellenerstellung von 15 Minuten auf zehn, fünf und schließlich auf eine Minute reduziert werden. Gleichzeitig wird durch die Automatisierung die Fehlerquote von 50 Prozent auf 0 reduziert.

Der Fehler steckt nämlich meistens nicht im Computer, sondern bei dem, der davor sitzt. Wenn ich mir Stellenanzeigen im Netz anschaue, dann sehe ich Anzeigen mit falschem Titel, Rechtschreibfehlern, ganze Romane oder falsche Templates. Wird beispielsweise ein Handwerker mit einem Pfleger-Template angesprochen, kann die Zielgruppe weder erreicht noch begeistert werden. Rund 50 Prozent der Stellenanzeigen haben irgendwo ein Manko.

Unser kurzfristiges Ziel ist die teilautomatisierte Erstellung der Stellenanzeige über unsere Recruiting-Software persy, zum Beispiel mit automatischen Empfehlungen. Mittelfristig streben wir die völlige Automatisierung der Anzeigenerstellung an. Der Disponent oder ein Mitarbeiter ist dann im Prinzip nur noch eine Art Kontrolleur, der die Anzeige freigibt. Was die Kosten im Recruiting betrifft hat man dadurch ein unglaubliches Optimierungspotential. Wir haben für Sie ausführliche Informationen über die autonome Stelle zusammengestellt.

autonome Stellenanzeigen - Kostenersparnis

Ihre Bewerberverwaltung und Profilerstellung ist zu teuer

Großes Optimierungspotential sehe ich auch in der Bewerberverwaltung. Personaldisponenten verwenden sehr viel Zeit darauf Bewerberdaten, die sie über Lebensläufe erhalten, in intelligente Systeme einzupflegen. Dabei werden aus dummen Dokumenten, wie Lebensläufen, „hübsche“ Bewerberprofile angefertigt. Diese werden jedoch größtenteils niemals in einem Verkaufsprozess angeboten. Kommt eine konkrete Kundenanfrage, werden diese „hübschen“ intelligenten Daten meist wieder in ein dummes Dokument, zum Beispiel ein PDF, gepackt und dem Kunden per E-Mail angeboten. Im Anschluss daran ist jedoch keine weitere digitale Interaktion mehr möglich.

Diese Art des dokumentenbasierten Prozesses ist viel zu zeitaufwendig und widerspricht einem kostenoptimierten Prozess, der durch die AÜG-Reform vorgegeben wird. Denn:

Die Technologie macht heute schon eine digitale Interaktion zwischen Ihnen und Ihren Kunden möglich.

Nicht jedes Bewerberprofil muss „hübsch“ sein! Es muss nur da sein und gefunden werden. Wenn eine Verkaufschance besteht, muss es mit wenig Aufwand kundengerecht „hübsch“ gemacht und versendet werden können. So wird viel Zeit eingespart.

Intelligente Technologie kann Sie unterstützen

Wenn die Bewerberdaten in ein System eingepflegt sind, im Idealfall durch das automatische CV-Parsing, dann sollten sie anschließend nicht wieder in ein dummes Dokument gepackt werden. Stattdessen sollten vorhandene Daten intelligent genutzt werden. So kann ein Disponent, der mit persy arbeitet, sofort auf die bestehende Datenbasis zugreifen und Angebotsprofile maximal flexibel hinsichtlich Inhalt und Gestaltung anfertigen. Ihr Kunde hat Zugriff auf diese Daten mittels eines verschlüsselten Links, der per E-Mails an ihn versendet wird.

Der Link führt auf eine Webseite mit dem Angebotsprofil des Bewerbers. So ist eine fortlaufende digitale Interaktion ohne Medienbruch gewährleistet, die nicht nur zwischen Personaldisponent und Kundenunternehmen erfolgt. Alle Teammitglieder des Personaldisponenten haben ebenfalls Zugriff auf die digitalen Profile, was das Arbeiten im Team erleichtert.

Eine effektivere Bewerberverwaltung spart deutlich Personalkosten ein.

Weitere ausführliche Informationen dazu finden Sie in dem Blog-Artikel „Bewerbermanagement-Systeme im Vergleich“.

Mein Blick in die Zukunft

In einigen Jahren wird es wahrscheinlich keine Bewerberverwaltung mehr geben, die auf einem Dokumentenmanagement-System aufgebaut ist. Der Lebenslauf als E-Mail-Anhang im PDF-Format hat schon bald ausgedient, denn der Bewerbungsablauf wird zunehmend digitalisiert. Bewerber laden ihre Lebensläufe schon heute verstärkt in sozialen Netzwerken hoch. Die One-Klick-Bewerbung wird die E-Mail-Bewerbung künftig ablösen.

Es wird in Zukunft darum gehen, Daten intelligent zu verarbeiten, nicht mehr Dokumente. Big Data wird auch im Recruiting unumgänglich.

Wo geht die Reise hin? Die Reise geht ganz klar in Richtung datengetriebene Geschäftsmodelle. Die Kernmärkte der Zeitarbeit (Zeitarbeitsmarkt, Bewerbermarkt, Jobbörsenmarkt) geraten unter Druck! Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, dass die Zeitarbeit sich breiter aufstellt und sich generalistischer als Personaldienstleister positioniert. Mein Tipp: Stellen Sie ihre Prozesse auf den Prüfstand, insbesondere die Stellen- und Profilerstellung. Unterstützen Sie Ihre Prozesse gegebenenfalls mit intelligenten Technologien und überdenken Sie Ihr Produktportfolio.

Fazit

Im Angebots- und Besetzungsprozess steckt aus meiner Sicht unglaublich viel Zeit- und Kostenersparnis für Personaldienstleister. Die AÜG-Reform wird ab dem 1.4.2017 langsam zum Tragen kommen und die Auswirkungen werden dann im Verlauf der nächsten Monate spürbar werden. Zeitarbeitsunternehmen sollten sich deshalb mit den oben beschriebenen Handlungsempfehlungen im Rahmen der Prozessoptimierung und der damit angestrebten Kostenführerschaft auseinandersetzen.

Nach meiner Einschätzung ist jetzt der optimale Zeitpunkt um diese Kostenführerschaft anzustreben. Sie kann in Zukunft nur erreicht werden, wenn die Daten, die sowohl intern, als auch extern vorhanden sind, intelligent ausgewertet werden, um Arbeitsabläufe zu vereinfachen, Fehler zu vermeiden und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Haben Sie Fragen zur Verbesserung Ihrer Recruiting-Abläufe oder möchten Sie Ihre Recruiting- und Personaldienstleistungen online anbieten, dann kontaktieren Sie uns. Unsere Recruiting-Agentur pergenta hat seit wenigen Wochen den ersten Onlineshop für Personaldienstleistungen eröffnet. Kontaktieren Sie Holger Bültermann für Informationen rund um den p1-Onlineshop.

Marco Kainhuber
Marco Kainhuber beschäftigt sich seit knapp zwei Jahrzehnten mit den Themen E-Recruiting, Personalmarketing und Innovationen im Data Driven Recruiting - speziell für Personaldienstleister. Unter der Rubrik „Marcos Meinung“ veröffentlicht er regelmäßig Aktuelles aus dem Recruiting und der Zeitarbeit.

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