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Tragen die Unternehmen die Verantwortung für personenbezogene Daten bei Big Data-Einsätzen, oder jeder selber für sich?

Ethik und Big Data – (k)ein Widerspruch?! (Teil 3/3)

Schützen Unternehmen unsere Privatsphäre oder müssen wir das selber tun?

 
Big Data betrifft mittlerweile jeden, ob wir wollen oder nicht. Von daher ist ein ethischer Einsatz von Big Data in unser aller Interesse. Der Gesetzgeber hat sich der Thematik längst gestellt. Auf seinen Fahnen steht der Schutz der Bürger geschrieben. Dies gilt auch für Big Data-Einsätze und somit ebenfalls bezüglich Datenschutz und Datensicherheit. Aber was ist mit Ihnen? Schützen Sie Ihre Privatsphäre im Netz? Und kann man das überhaupt? Unternehmen müssen sich an die gesetzlichen Vorgaben halten. Künftig wird die Einhaltung strenger überwacht und bei Zuwiderhandlungen drohen hohe Bußgelder. Sind Unternehmen damit – aus ethischer Sicht – aus dem Schneider?
 

Jeder hinterlässt einen digitalen Fußabdruck im Netz

 
Bei der Suche nach der Verantwortung für Datenschutz und Datensicherheit ist auch der Blick in den Spiegel angebracht. Inwiefern tragen wir alle mit freiwilligen, privaten Angaben dazu bei, dass man überhaupt persönliche Profile über uns erstellen kann? Jeder hinterlässt mittlerweile einen digitalen Fußabdruck im Internet durch Online-Käufe, Suchanfragen (die nicht nur Google speichert), die Nutzung sozialer Netzwerke, etc. Die meisten Spuren hinterlassen wir dabei unbewusst, andere jedoch ganz bewusst. Zu den bewussten gehören zum Beispiel die eigenen Posts in sozialen Netzwerken. Das Selbstoffenbarungsverhalten scheint bei vielen geradezu grenzenlos zu sein.
 

Selbstoffenbarung im Netz – berauben wir uns selbst unserer Privatsphäre?

 
Über 1,7 Milliarden Menschen nutzen Facebook mittlerweile weltweit. Viele teilen dort öffentlich sehr persönliche Informationen. Obwohl die meisten Internetnutzer den Privatsphäreschutz für äußerst wichtig halten, handeln sie nicht dementsprechend. Mit dem Begriff des privacy paradox ist für die Diskrepanz zwischen Sicherheitsbewusstsein und tatsächlichem Nutzerverhalten bereits vor Jahren ein eigenständiger Begriff entstanden.
 
Die Ursachen dafür reichen von Ignoranz oder Unwissenheit möglicher Schutzmaßnahmen bis hin zu mangelndem Problembewusstsein über tatsächliche Folgen. Da stellt sich gerade im Hinblick auf die Selbstoffenbarung in sozialen Netzwerken durchaus die Frage, ob „aus dem Recht alleine gelassen zu werden, eine Angst, alleine gelassen zu werden, geworden ist“. (Grimm/Krah, S. 20) In diesem Fall überwiegt die Angst vor sozialer Ausgrenzung und dem Gefühl, nicht dabei zu sein, mögliche Sicherheitsbedenken.
 

Eine Medienkompetenz muss ausgebildet werden

 
Aufklärung rund um das Thema Privatsphäre und Datenschutz ist heutzutage unerlässlich und zwar bereits im Kindesalter. Schulen müssen diesen Bereich dringend ausbauen, denn die Kinder surfen immer früher selbständig durchs World Wide Web. Jeder Internetbenutzer sollte eine Medienkompetenz und ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass sich Datenfreigaben und -veröffentlichungen auf andere Lebensbereiche auswirken. Hier sind zum Beispiel Partybilder auf Facebook zu nennen, die ein Arbeitgeber besser nicht sehen sollte.
 
Vielen sind die Privatsphäreeinstellungen der sozialen Netzwerke jedoch nicht bekannt, wie oben bereits beschrieben wurde. Und selbst dann, wenn man verantwortungsvoll mit persönlichen Daten im Netz umgeht – was, wenn andere Menschen Informationen über uns veröffentlichen? – Man darf die Löschung dieser Daten einfordern. Der Gesetzgeber schützt durch das „Recht auf Vergessen“ unsere Privatsphäre. Aber auch dieses Recht muss allen bekannt sein, sonst kann man von ihm keinen Gebrauch machen.
 

Grenzüberschreitungen im Netz – wo bleibt die Ethik?

 
Die vermeintliche Anonymität durch Fake-Namen verleitet viele Menschen dazu, sich im Netz anders – und zwar rücksichtsloser – zu verhalten, als offline. Hier gilt es gesamtgesellschaftlich einen ethischen Konsens darüber herzustellen, was im Netz erlaubt ist und was zu weit geht. Das bezieht sich sowohl auf Hetzreden, Cyber-Mobbing, etc., als auch auf das Thema Datenerfassung.
 
Was darf in diesem oder jenem Zusammenhang abgefragt werden, und was nicht? Wie schütze ich mich, wenn …? Eine jedem bekannte, rote Linie, eine Art Ethik-Kodex, würde allen helfen Missbrauch schneller zu erkennen und eine Orientierungshilfe bieten. Zu der oben genannten Medienkompetenz gehört somit auch eine Aufklärung über die Persönlichkeitsrechte, sowie konkrete Handlungsempfehlungen.
 

Überall werden Daten von uns erhoben

 
Das Beispiel der Partybilder auf Facebook und die mögliche Auswirkungen davon ist sicherlich für jeden nachvollziehbar. Bezüglich Datenfreigabe geht es mittlerweile aber auch um ganz andere Daten. Bei jedem Webseitenbesuch wird die IP-Adresse erfasst. Bei jedem Onlinekauf und bei jeder Suchanfrage werden Nutzerdaten gespeichert. Jeder sollte sich darüber im Klaren sein und vor einer Datenfreigabe überlegen, ob man dem Unternehmen diese Informationen wirklich preisgeben möchte. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Unternehmen sammeln Daten und selbst scheinbar unpersönliche Daten können durchaus persönlich werden.
 

Wie aus technischen Daten personenbezogene werden könnten

 
Durch das Internet of things – IoT – gibt es mittlerweile auch Datenübertragungen zwischen beispielsweise einem Kühlschrank oder einem Aufzug und seinem Hersteller. Beim Aufzug können dadurch frühzeitig Verschleißteile ausgetauscht werden. Dies verhindert kostspielige Geräteausfälle. Beim Kühlschrank ist eine automatische Bestellung von ausgehenden Lebensmitteln denkbar und könnte von einem Kühlschrankbesitzer auch gewünscht sein.
 
Ethisch problematisch wird es aber dann, wenn andere Unternehmen ihre Angebote aufgrund unseres Verhaltens für uns ändern. So könnte man aus dem Kühlschrankinhalt durchaus Rückschlüsse auf die Ernährungsgewohnheiten des Besitzers ziehen. Diese sensiblen Daten wären zum Beispiel für Krankenversicherungen interessant. Entsprechend den Essgewohnheiten könnten individuelle Leistungsangebote erstellt werden.
 
Sofern dann jemand aufgrund ungesunder Essgewohnheiten benachteiligt würde, wäre wieder der Gleichheitsgrundsatz gefährdet. An diesem Beispiel wird auch deutlich, warum der Gesetzgeber bei der Datenverarbeitung die Zweckbindung vorgeschrieben hat. Ausführliche Informationen dazu sind im zweiten Artikel dieser Big Data-Serie zu finden.
 

Hat der Verbraucher wirklich eine Wahl?

 
Was passiert, wenn man von seiner Entscheidungsfreiheit Gebrauch macht und den Zugriff auf Daten verwehrt, bzw. geforderte Informationen nicht preisgibt? Man kann natürlich auf den Kauf von Geräten verzichten, die über eine Verknüpfung mit dem Internet verfügen. Aber spätestens beim Smartphone wird man diese wohl oder übel akzeptieren. Und um eine App herunterzuladen muss man z. B. den Nutzungsbedingungen zustimmen. Damit geht in der Regel die Erlaubnis einher, dass der App-Anbieter Zugriff auf diverse Daten des Smartphones bekommt – oft von sämtlichen Kontaktdaten über Standortinformationen bis hin zur Kamera.
 
Aber genau da setzt die Eigenverantwortung ein. Man sollte geforderte Daten nicht unüberlegt preisgeben, sondern sich erstmal fragen: Inwiefern sind die erbetenen Daten notwendig für den gewünschten Service? Es gibt durchaus Apps, bei denen man den Zugriff auf bestimmte Daten unterbinden kann. Wer seine Standortdaten jedoch nicht freigibt, den kann eine Navigations-App auch nicht in Echtzeit zum Ziel lotsen. Und wer die Zahlungsbedingungen eines Onlineshops verweigert, der kann dort nicht einkaufen. Glücklicherweise hat der Verbraucher heutzutage jedoch in der Regel die Wahl zwischen vielen Anbietern.
 

Aufklärung ist das A und O

 
Die Gefahr liegt in einem schwarz-weiß-Denken, wie im ersten Artikel dieser Big Data-Serie bereits dargestellt wurde. Ein ethischer Umgang mit Big Data bedarf einer Aufklärung über die Abläufe hinter Big Data-Einsätzen, die Bedeutung von Datenfreigabe und Datenverarbeitung. Indem Unternehmen offener ihre Big Data-Einsätze und (ethischen) Grundsätze ihrer Datenverarbeitung kommunizieren, zum Beispiel in Form von Ethik-Kodizes wird ein Bewusstsein für die Thematik geschaffen. Hier liegt eine ethische Verantwortung auf Unternehmensseite – jenseits der Gesetzeslage.
 
Aufklärung und Transparenz sind zudem wichtig, will man das Vertrauen der Nutzer gewinnen. Fachleute, die sich mit Big Data auseinandersetzen, betonen zudem immer wieder, dass Daten an sich noch keinen Wettbewerbsvorteil für Unternehmen darstellen. Nicht die reine Datenmenge ist entscheidend, sondern erst die Fähigkeit der Datenanalyse. Somit kommt es auf die Verarbeitungstechnologie und Auswertung an. Grundsätzlich ist dabei technologisch mehr möglich, als gesetzlich bei uns erlaubt ist. Nicht zuletzt auch hier wieder aus ethischen Gründen.
 

Unternehmen müssen in die Verantwortung gezogen werden

 
Gesetzestexte sind oft sehr allgemein formuliert und erst die Rechtsprechung gibt Unternehmen dann in der Praxis eine Orientierung. Dies trifft auch auf die neue Datenschutzgrundverordnung, die nächstes Jahr in Kraft tritt, zu. Noch herrscht große Unsicherheit wie im Einzelfall die Bestimmungen anzuwenden sind.
 
Die Leitungsebene der Unternehmen ist hier gefragt. Sie muss sich auch mit dem ethischen Einsatz von Big Data beschäftigen. Der jeweilige Datenschutzbeauftragte des Unternehmens hat nur eine beratende Funktion, die Verantwortung tragen die Geschäftsführer. Der Austausch in den Unternehmen von der Leitungsebene bis zum Programmierer ist notwendig, um bei allen Beteiligten ein Bewusstsein für die Rechtslage, die Einsatzmöglichkeiten, aber eben auch die Herausforderungen, konkreten Folgen und die ethische Verantwortung zu schaffen.
 
Unternehmen müssen individuell austarieren, dass der Mehrwert sowohl für das Unternehmen, als auch für den Nutzer in einem angemessenen Verhältnis zum Datenschutz und zur Datensicherheit steht. Das Sicherheitslevel und die Anforderungen, was mit Daten geschieht, muss allen klar sein und entsprechend kommuniziert werden. Nur so können die Vorgaben dann im jeweiligen Bereich umgesetzt werden. Das Problembewusstsein wächst diesbezüglich erfreulicherweise, nicht zuletzt durch die bevorstehende Gesetzesänderung.
 

Fazit

 
Der Einsatz von Big Data macht Sinn, nicht nur für Unternehmen, sondern auch für jeden Endnutzer, da er für alle Vorteile bringt. Aber nicht alles, was technologisch möglich ist, ist auch erlaubt, bzw. ethisch vertretbar. Der Gesetzgeber schiebt hier einen Riegel vor und ethische Maßstäbe werden dabei durchaus berücksichtigt, wie das Recht auf Vergessen und der Schutz der Privatsphäre. Bei Datenverarbeitung geht es letztendlich immer um einen Interessenausgleich und dieser impliziert auch ethische Maßstäbe.
 
Ein transparenter Umgang mit dem Thema von Seiten der datenerhebenden Unternehmen ist wünschenswert. Verständliche wirtschaftliche Interessen machen eine komplette Offenlegung der Algorithmen schwierig, auch wenn dies Einzelkämpfer anstreben. Es gilt die Rechtsprechung der nächsten Jahre zu beobachten. Die gerichtlichen Entscheidungen zu strittigen Einzelfällen geben wichtige Hinweise, die der weiteren Orientierung und der Umsetzung der Rechtsvorschriften in der Praxis dienen.
 
Big Data wird in Zukunft immer stärker unser Leben bestimmen. Somit stehen wir alle auch in der Verantwortung uns über einen ethischen Einsatz von Big Data Gedanken zu machen. Ein gesamtgesellschaftlicher Diskurs über Privatsphäre, Datenschutz und Datensicherheit sollte angestrebt werden, ebenso wie die Ausbildung einer Medienkompetenz bereits in den Schulen beginnen muss. Schon Kinder sollten eine Handlungskompetenz im Internet erlangen und ein Bewusstsein für Risiken und Folgen entwickeln.
 
Die Verantwortung für einen ethischen Einsatz von Big Data trägt jeder an Big Data-Einsätzen Beteiligte, bis hin zum Verbraucher oder Nutzer. Denn jeder hat auch eine Eigenverantwortung für sein Handeln im Netz. Big Data wird von Menschen „gemacht“: sie geben die Grenzen vor, in denen sich der Algorithmus bewegen soll. Und deshalb können sie auch ethische Entscheidungsgrundlagen in ihre Algorithmen miteinbeziehen.
Wenn diese Verantwortung gesehen, angenommen und in entsprechendes Handeln umgesetzt wird, dann ist Ethik und Big Data auch kein Widerspruch!
 
 
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Quellen:

 
Löw: Nachlese zum interdisziplinären Workshop „Big Data, Datenschutz und Regulierung“ in Hamburg; veröffentlicht auf dem „M-Blog“ am 11.11.2016.
 
Grimm/Krah: Ende der Privatheit? Eine Sicht der Medien- und Kommunikationswissenschaft; veröffentlicht auf der „zbw-mediatalk“-Seite im August 2016.
 
Bildungsportal für Internetsicherheit „Sewecom“: Ethik und Datenschutz/Datensicherheit.
 
Seemann: Informationelle Selbstzertrümmerung; veröffentlicht auf dem Blog „ctrl-verlust.net“ am 13.4.2016.
 

Friederike v. Hundelshausen

Friederike von Hundelshausen betreut Marcos Recruiting Blog von GermanPersonnel seit Februar 2016 und unterstützt das Social Media Team. Neben dem Schreiben eigener und dem Redigieren fremder Texte plant die Geisteswissenschaftlerin auch die Blog-Themen und organisiert Beiträge von Gastautoren.

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