Erst AÜG-Reform und jetzt DAS: JOBBÖRSE der BA benachteiligt Zeitarbeit

Erst AÜG-Reform und jetzt DAS: JOBBÖRSE der BA benachteiligt Zeitarbeit

Mit einem Klick die Zeitarbeit löschen

Leiharbeit wird neben der inneren Sicherheit zum Wahlkampfthema. Brandaktuell kündigt der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz einen Wahlkampf der sozialen Gerechtigkeit an. Entsprechend dieser politischen Stimmung bereitet sich auch die Bundesagentur für Arbeit auf einen politischen Kurswechsel vor.

Selbst in der Großen Koalition wird die Zeitarbeit diesen Kurswechsel spüren. Die Zusammenarbeit wird offensichtlich schwieriger, wie der neue Filter der Jobbörse der BA zeigt. Hier zeigt sich das ambivalente Verhältnis der Zeitarbeit zur Bundesagentur. Fluch und Segen zugleich!!

Filter der JOBBÖRSE benachteiligt Zeitarbeitsbranche

Anfang Januar hat die BA ihren neuen Online-Auftritt vorgestellt. Als Bestandteil der „digitalen Agenda“ integriert sie zahlreiche digitale Services, darunter auch die neue JOBBÖRSE. Diese enthält seit neuestem einen Filter, mit dem der Jobsuchende per Mausklick alle Jobangebote von Personaldienstleistern ausblenden kann.

Die BA kommuniziert damit: Zeitarbeitsunternehmen sind keine guten Arbeitgeber. Man kann sie einfach ausblenden. Es wird völlig ignoriert, dass diese Jobangebote zu einem unbefristeten, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis führen.

Aus meiner Sicht verfehlt die BA hier Ihren Auftrag der Regulierung des Arbeitsmarktes. Stattdessen benachteiligt sie unter dem Deckmantel der Benutzerfreundlichkeit massiv die Zeitarbeitsbranche.

Wie mit dieser konkreten Benachteiligung einer ganzen Branche umgegangen wird, ist nun Aufgabe der Arbeitgeberverbände in der Zeitarbeit. Sie müssen die politische Diskussion aufgreifen, die Interessen der Branche vertreten und diese Diskriminierung regulieren.

BA – größte deutsche Jobbörse und politisches Instrument

Im Januar 2017 wirbt die BA auf ihrer neuen Jobbörse mit mehr als einer Million offenen Jobangeboten. Damit ist die Jobbörse der BA der größte und bedeutendste Jobanbieter in Deutschland.

Eigentlich nichts Bedrohliches, wäre die BA nicht eine bundesunmittelbare Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung und würde sie mit ihrer Zielsetzung nicht politische Interessen verfolgen.

Diese Konstellation gibt es nur in Deutschland und bringt für die Zeitarbeitsbranche entsprechend der politischen Debatte entweder Rückenwind oder Gegenwind, Fluch oder Segen.

Bei einer Arbeitslosenquote von nur sechs Prozent und der teilweise politischen Auffassung, Zeitarbeit sei eine atypische Beschäftigungsform, kommen spürbare Turbulenzen in der Zusammenarbeit mit der BA auf die Branche zu.

Ich bin der Überzeugung, dass der neue Filter „ohne Zeitarbeit“ in der neuen Jobbörse der BA erst der Anfang dieser Entwicklung ist.

Damit wird sich die Rolle der BA für viele Zeitarbeitsunternehmen nachhaltig verändern.

Die künftige Rolle der BA für die Zeitarbeit

Kaum ein Zeitarbeitsunternehmen kann auf die Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit verzichten. Zu wichtig ist dieser Zugang zu neuen Bewerbern und Mitarbeitern. In keinem anderen Land der Welt mischt eine staatliche Behörde oder besser gesagt eine Körperschaft des öffentlichen Rechts so intensiv auf dem Recruitingmarkt mit, wie in Deutschland.

Unter der Schröder-Ära und im Namen der Agenda 2010 verfolgte die BA einen Zeitarbeits-liberalen Kurs und förderte die Zusammenarbeit mit jener als probates Mittel zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit. 13 Jahre später: Im Wahlkampfjahr 2017 spricht man eine andere Sprache. Die politische Debatte um das Thema Zeitarbeit bringt Themen wie die „soziale Gerechtigkeit“ oder „Arbeit muss sich lohnen“ auf den Tisch.

Wir wissen heute nicht wie die Bundestagswahl ausgeht. Aber dass Wahlen und Entscheidungen unerwartet ausgehen können, haben uns jüngst die Brexit-Entscheidung und die Präsidentenwahl in den USA gezeigt.

Für die Zeitarbeitsbranche steht jedoch heute schon fest, dass die Zukunft für die Branche nachhaltige Veränderungen mit sich bringt. Neben der AÜG-Reform, die beispielsweise die direkten Kosten und den internen Administrationsaufwand deutlich erhöht, wird auch die BA eine reservierte Rolle gegenüber der Branche einnehmen. An pro-Zeitarbeit ist eher nicht mehr zu denken.

Meine Tipps für Personaldienstleister

Die BA ist und bleibt ein wichtiger Rekrutierungskanal für Zeitarbeitsunternehmen. Personaldienstleister sollten es jedoch vermeiden Ihre Recruiting-Strategie nur auf der BA und wenige andere Mediakanäle aufzubauen.

• Stellen Sie sich breiter auf.
• Überprüfen Sie Ihren Rekrutierungs-Mix.
• Vermeiden Sie technische Einbahnstraßen, z. B. in der Übertragung Ihrer Stellenanzeigen an die Jobbörse der BA.

Eine positive Zusammenarbeit mit der BA sollte trotz der Neuausrichtung unbedingt aufrechterhalten werden – persönlich mit Ihren Beratern, aber eben auch technisch. Überprüfen Sie Ihre Recruiting-Strategie und Ihre Ziele. Gleichen Sie diese mit der möglichen Neuausrichtung der BA ab und leiten Sie daraus Ihre Handlungsalternativen ab.

Marco Kainhuber beschäftigt sich seit knapp zwei Jahrzehnten mit den Themen E-Recruiting, Personalmarketing und Innovationen im Data Driven Recruiting – speziell für Personaldienstleister. Unter der Rubrik „Marcos Meinung“ veröffentlicht er regelmäßig Aktuelles aus dem Recruiting und der Zeitarbeit.

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