Lösen Facebook, XING und Co. den klassischen Lebenslauf ab?

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One-Klick-Bewerbung versus papierbasierte Bewerbungsmappe

Wie bewirbt man sich heutzutage? Was bevorzugen die Unternehmen und was die Bewerber? Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und weitere Dokumente ausdrucken und in einer Bewerbungsmappe per Post an die Personalabteilung schicken – Sie denken, das war gestern? Theoretisch ja, aber praktisch bewarb sich 2015 noch fast jeder achte Bewerber auf diese Art und Weise. Das ist das Ergebnis der Studienreihe „Recruiting Trends“. Doch deutlich mehr, nämlich rund die Hälfte aller Bewerbungen, die bei den befragten Top 1.000 Unternehmen in Deutschland eingingen, kamen per Bewerbungsformular und jeder dritte Bewerber nutzte das Medium E-Mail, um seine Unterlagen einzureichen.

Welche Form der Bewerbung bevorzugen Unternehmen, welche Jobsuchende?

75 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, eine Bewerbung per Webformular zu präferieren, 23 Prozent finden eine Bewerbung per E-Mail besonders attraktiv und nur ein Prozent der Befragten gab an, eine schriftliche Bewerbungen in Papierform elektronischen Bewerbungen vorzuziehen. Es scheint also, dass die Tage der papierbasierten Bewerbungsmappe als Einstieg ins Bewerbungsverfahren endgültig gezählt sind. Das ist wenig erstaunlich, wird doch ein effizientes und wirtschaftliches Bewerbermanagement erst durch die Nutzung von intelligenten Daten möglich.

Auch auf der Bewerberseite hat die Studie klare Präferenzen ermittelt: Eine deutliche Mehrheit von 83,1 Prozent bewirbt sich am liebsten einfach per E-Mail mit angehängten Bewerbungsunterlagen. Bei 7,6 Prozent der mehr als 4.800 befragten Stellensuchenden ist ein Formular die bevorzugte Möglichkeit, sich bei einem Unternehmen zu bewerben, die postalische Bewerbung ist für nur 5,4 Prozent das Ideal.

Bevorzugte Bewerbungsform heute und künftig
Bevorzugte Bewerbungsform heute und künftig

Ebenfalls untersucht wurde die Bedeutung von Kurzprofilen in sozialen Netzwerken wie Xing oder LinkedIn. Diese bieten Jobsuchenden die Möglichkeit, sich mit ihren Kompetenzen und Karriereinteressen zu präsentieren. Mit Erfolg, denn immerhin 15,1 Prozent der Unternehmen gaben an, dass diese Social-Media-Kurzprofile bereits heute ein wichtiger Bestandteil der Bewerbung sind. Und nicht nur das, in Zukunft wird ihre Bedeutung noch zunehmen, davon sind 58 Prozent der befragten Personaler überzeugt.

One-Click-Bewerbungen vereinfachen den Bewerbungsprozess für beide Seiten

Der Grund, warum Kurzprofile in Zukunft eine noch größere Rolle spielen werden, liegt darin, dass sie den Bewerbungsprozess deutlich vereinfachen: Bei Interesse an einem Stellenangebot klickt der Bewerber einfach auf einen Button und vollautomatisch werden die Daten aus seinem aktuellen Profil auf einem Karrierenetzwerk an das Unternehmen übertragen und dort digital weiterverarbeitet. Dieses standardisierte und erheblich beschleunigte Verfahren ist für 17,3 Prozent der befragten Unternehmen besonders wichtig, mehr als die Hälfte geht sogar davon aus, dass solche One-Click-Bewerbungen in Zukunft deutlich wichtiger werden.

Drei von zehn befragten Jobinteressenten sehen hingegen One-Click-Bewerbungen schon heute als eine wichtige Möglichkeit an, ihr Interesse an einer ausgeschrieben Position zu bekunden und noch mehr, nämlich 38,7 Prozent gehen davon aus, dass diese in Zukunft bedeutsamer werden wird. Allerdings gaben nur 26,2 Prozent aller Stellensuchenden an, sich bei der Möglichkeit einer One-Click-Bewerbung vermehrt zu bewerben, also möglicherweise auch auf solche Stellenausschreibungen zu reagieren, deren Anforderungen nicht oder nicht vollständig dem eigenen Profil entsprechen.

Das schürt jedoch auch Unsicherheiten bei Personalverantwortlichen: Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen ohne eigene Erfahrungen mit One-Click-Bewerbungen fürchten, dass durch dieses vereinfachte Bewerbungsverfahren erheblich zu viele, und auch viele nicht geeignete Bewerbungen eingehen werden. Diese Sorge teilt immerhin jedes zweite Unternehmen, das bereits Erfahrungen damit gemacht hat. Noch etwas stärker ist die Befürchtung verbreitet, dass durch die verringerte Individualität bei der Bewerbungsgestaltung die Selektion interessanter Bewerber erschwert wird.

Vom Suchen und Finden in Zeiten der digitalen Transformation

Bei Licht betrachtet sind oben genannte Befürchtungen jedoch unberechtigt, denn ein intelligentes, datenbankbasiertes Bewerbermanagement bietet alle Möglichkeiten, um selbst riesige Datenmengen schnell, effizient und gezielt nach geeigneten Kandidaten zu durchforsten und dabei fündig zu werden.

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Mithilfe von intelligenter Software mit semantischen Suchfunktionen können Datenbestände nicht einfach nur nach bestimmten Schlagwörtern (etwa dem Jobtitel) durchforstet werden. Vielmehr sind die Algorithmen in der Lage, Informationen zu verknüpfen, sie zu analysieren und zu bewerten, um so bessere, exaktere Ergebnisse zu präsentieren. Und das funktioniert umso besser, je mehr Daten von unterschiedlichen Kandidaten in einem Datenpool vorhanden sind. Daher ist es zumindest technisch kein Problem, Bewerber auszufiltern, die nicht in das Suchmuster für die Vakanz fallen. Die Sorge vieler Personalverantwortlichen vor einer nicht zu beherrschenden Bewerberflut, die den Auswahlprozess erschwert oder sogar unmöglich macht, sind daher – zumindest bei einer effizienten Datenanalyse – unbegründet.

Unterschiedliche Transformationsstufen

1. Daten aus Dokumenten werden extrahiert und in digitale Formen umgewandelt, um digital weiterverarbeitet zu werden. Hier ist ein Umwandlungsprozess der Daten nötig.

2. Die Daten liegen digital in Profilen von sozialen Netzwerken vor und werden im Rahmen des Bewerbungsprozesses nur noch digital ausgetauscht.

Digitale Transformation bedeutet, dass im Ergebnis alle Daten digital vorliegen und verarbeitet werden können.

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte und andere Irrtümer bei der Bewerbung

Damit Kurzprofile in sozialen Netzwerken den Prozess der One-Click-Bewerbung bestmöglich unterstützen, müssen sie gepflegt werden. Das bedeutet vor allem, dass die für eine Bewerbung relevanten Informationen nicht nur vorhanden, sondern digital zu verarbeiten sind. Das ist die wichtigste Voraussetzung dafür, das Bewerbermanagement effizienter, schneller und zielgenauer zu gestalten.

Dazu müssen Bewerber bestimmte Regeln beachten, etwa beim digitalen Lebenslauf: Die einzelnen Abschnitte müssen eindeutig gekennzeichnet sein und mit einheitlichen Start- und Enddaten zeitlich klar definiert werden. Sämtliche Informationen müssen in Textform erfasst werden, außer dem Profilbild. Kreative Ideen wie grafische Elemente, zusätzliche Bilder oder farbige Textmarkierungen erschweren das CV-Parsing, ebenso gescannte Dokumente oder solche im digitalen Datenformat PDF.

Fazit: Die Zukunft ist digital und dokumentenfrei

So geduldig Papier auch sein mag, im Bewerbungsprozess spielt es bereits heute nur noch eine untergeordnete Rolle, ob bei Anzeigen oder Bewerbungen. Stattdessen werden soziale Netzwerke immer wichtiger, denn hier können alle relevanten Daten aus dem eigenen Lebenslauf zentral gepflegt und dann per Mausklick übermittelt werden. Für Unternehmen bieten One-Klick-Bewerbungen die Chance auf mehr Bewerber bei gleichzeitig verschlankten Prozessen im Bewerbermanagement – im besten Fall profitieren also alle Beteiligten davon.

Quelle

Studie „Bewerbung der Zukunft

Christian Praetorius war nach seiner Ausbildung zum Controller (IHK) lange Jahre im Controlling verschiedener Unternehmen tätig. Studium an der SRH Hochschule für Wirtschaft und Logistik und seit 2012 als freiberuflicher Autor, unter anderem zu HR- und BWL-Themen.

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