Zeitarbeit könnte Burnout vorbeugen

Zeitarbeit könnte Burnout vorbeugen

Von wegen „nicht sozial verträglich“!

Überarbeitung, Überstunden, Überforderung: Schlechte Arbeitsbedingungen gehören zu den Ursachen von Burnout. Immer mehr Arbeitnehmer leiden hierzulande an diesem massiven Erschöpfungszustand, der bis zur Berufsunfähigkeit führen kann. Zeitarbeit tritt dieser gefährlichen Entwicklung entgegen. Sie leistet in vielerlei Hinsicht einen wertvollen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Gesundheit und ist somit durchaus sozial verträglich. Warum dies für Zeitarbeitnehmer ebenso gilt, wie für „normale“ Angestellte zeigt der folgende Beitrag.

Burnout verursacht Milliardenschäden

Der Schaden durch Burnout und weitere psychische Erkrankungen wird auf jährlich rund 17 Milliarden Euro für die Volkswirtschaft geschätzt, wie das RTL-Nachtjournal am 1.3.2017 berichtet. Das Thema ist so brisant, dass es nun auch zunehmend in den Medien und in der Politik Beachtung findet. Die IG-Metall und das Arbeitsministerium fordern verbindliche Arbeitsplatzregeln, damit MitarbeiterInnen besser vor Überlastung geschützt werden.

Arbeitsbedingungen in Deutschland

Es ist nicht sozial verträglich, wenn Arbeitnehmer rund um die Uhr arbeiten müssen, somit immer verfügbar sind für ihre Arbeitgeber und ihre Überstunden nicht einmal bezahlt werden, weil sie letztendlich verfallen. Dies ist jedoch die bittere Realität für viele Arbeitnehmer in Deutschland.

Diese Arbeitnehmer brennen regelrecht aus, bis sie keine Ressourcen mehr haben, um selber wieder aus ihrem Erschöpfungszustand herauszukommen. Die Zunahme von Burnout-Betroffenen steigt weiter rapide an. Diese Tatsache muss ernst genommen werden. Jeder Arbeitgeber sollte ein Interesse daran haben, dass seine Mitarbeiter gesund, motiviert und somit leistungsfähig bleiben.

Das leistet die Zeitarbeit

Es gibt keine Überstunden in der Zeitarbeit, denn jede geleistete Arbeitsstunde wird bezahlt. Die oben beschriebene Situation der unbezahlten Mehrarbeit existiert in der Zeitarbeit nicht.

Zeitarbeit ist sozial, weil die Stammbelegschaft durch den zusätzlichen Einsatz von Zeitarbeitnehmern entlastet wird. So werden Freiräume für das soziale Umfeld geschaffen. Es gibt noch ein Privatleben neben der Arbeit.

Zeitarbeit ist präventiv, weil sie dem erhöhten Risiko an Burnout zu erkranken vorbeugt. Sie entlastet die Stammbelegschaft und gleicht humanmedizinische Auftragsspitzen aus.

Wenn Zeitarbeit nicht nur eingesetzt wird, um betriebliche Auftragsspitzen im Unternehmen abzufangen, sondern auch humanmedizinische, dann ist Zeitarbeit präventiv. Richtig eingesetzt beugt sie einem Anstieg der Burnout-Rate von Angestellten in einem Unternehmen vor.

Zeitarbeit beugt Burnout vor, weil sie sozial und präventiv ist!

Gäbe es keine Zeitarbeit…

… würden zusätzliche Aufgaben von der Stammbelegschaft gestemmt werden müssen. Was bedeutet das für die Stammbelegschaft? Überstunden, Mehrarbeit, Arbeitsverdichtung, mehr Druck und Stress, Frust, insbesondere, wenn die Mehrarbeit nicht zusätzlich bezahlt oder anderweitig ausgeglichen wird. Und das sind entscheidende Faktoren auf dem Weg zu einem Burnout, wie weiter unten noch dargestellt wird.

Die Alternative wären neue Festanstellungen, um das gestiegene Arbeitspensum ohne zusätzliche Belastung der Stammbelegschaft zu stemmen. Diese machen für die Unternehmen jedoch nur dann Sinn, wenn es um eine dauerhafte Arbeitszunahme geht, nicht bei vorübergehenden. Genau dafür ist das Flexibilisierungsinstrument Arbeitnehmerüberlassung jedoch gedacht.

Wie kommt es zu Burnout?

Unter dem Burnout-Syndrom versteht man einen starken geistigen, seelischen und körperlichen Erschöpfungszustand. Betroffene haben sämtliche verfügbaren Kraftreserven aufgebraucht. Im Extremfall sind sie arbeitsunfähig und nicht mehr in der Lage ohne fremde Hilfe aus dem Erschöpfungszustand herauszukommen.

Die Ursachen sind vielschichtig und eine Mischung aus den aktuellen Lebensumständen im Berufs- wie im Privatleben. Die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsumfeld sind für burnout-gefährdete oder bereits an Burnout erkrankte Arbeitnehmer entscheidende Faktoren für die Erkrankung.

 

burnout-bedrohter Arbeitnehmer

Folgende Arbeitsbedingungen gelten als besonders schädlich:

• zu lange Arbeitszeiten (Überstunden)
• überflexibilisierte Arbeitszeiten: permanente Verfügbarkeit
• Demotivation und Frust durch unbezahlte Überstunden
• zu großes Arbeitsvolumen
• fehlende Pausen
• zu hoher Druck
• Jobunsicherheit: Angst den eigenen Job zu verlieren
• fehlende berufliche Perspektiven

Sind Zeitarbeitnehmer vor Burnout geschützt?

Wir sagen: grundsätzlich ja. Die Bedingungen für Zeitarbeitnehmer in Deutschland haben sich in den letzten Jahren sehr positiv gewandelt, auch wenn ihr noch immer das schlechte Image von früher anhaftet. Die hier genannten Arbeitsbedingungen, die Burnout begünstigen, kommen in der Zeitarbeit nicht oder zumindest nicht in dem Maße vor wie in „normalen“ Angestelltenverhältnissen.

Insbesondere durch den Fachkräftemangel gehen sogar immer mehr Zeitarbeitsunternehmen dazu über, ihre Zeitarbeitnehmer weiterzubilden. So ermöglicht Zeitarbeit sogar berufliche Aufstiegschancen und damit persönliche Berufsperspektiven. Auch dies beugt Burnout vor.

Eine Diplomarbeit zum Thema Zeitarbeit von 2012, in der unter anderem das Thema Burnout behandelt wird, kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass gerade die wichtigsten Einflussgrößen für Burnout unter Arbeitnehmern, das hohe Arbeitsvolumen und zeitlicher Druck, bei Zeitarbeitnehmern im Vergleich zu „normal“ Angestellten nicht auffallend hoch ist. (Preussler S. 83)

Und diese Untersuchung wurde vor 6 Jahren durchgeführt. Seitdem haben sich die Bedingungen für Zeitarbeitnehmer vielerorts deutlich gebessert und werden sich im Zuge der AÜG-Reform weiterhin verbessern. In der genannten Diplomarbeit, die auch auf viele belastende Faktoren innerhalb der Zeitarbeit eingeht, betont der Autor zudem mehrfach folgenden überaus wichtigen Aspekt:

Die Arbeitszufriedenheit von Zeitarbeitnehmern hängt maßgeblich davon ab, ob sie freiwillig oder unfreiwillig (aufgrund von Druck und Mangel an Alternativen) in der Zeitarbeit arbeiten.

Ohne Zweifel wird ein Zeitarbeitnehmer, der sich – gefühlt – unfreiwillig in diesem Arbeitsverhältnis befindet die Besonderheiten der Zeitarbeit tendenziell eher kritisch bis negativ wahrnehmen. Das ist menschlich verständlich. Unzufriedenheit erhöht zudem die Gefahr, dass zeitarbeitsspezifische Bedingungen als Belastungen wahrgenommen werden und im schlimmsten Fall auch zu einem Burnout führen.

Die Bedürfnisse der Menschen sind sehr unterschiedlich

Klafft die Erwartung mit der Realität stark auseinander ist Frust vorprogrammiert. Das ist unabhängig vom Angestelltenverhältnis. Und man muss auch bedenken, dass Arbeitszufriedenheit subjektiv ist. Der eine sieht die freie, ungebundene Arbeitsform der Zeitarbeit mit wechselnden Einsatzbetrieben, -orten und -tätigkeiten positiv als Bereicherung und Chance.

Die fehlende Sicherheit einen festen Arbeitsplatz mit festen Aufgaben und einen festen Kollegenkreis zu haben macht ihm keine Angst, sondern entspricht möglicherweise seinem Drang ungebunden zu sein, wechselnde Aufgaben zu haben, etc.

Für den anderen macht sich ein Gefühl der Unsicherheit, der fehlenden Zugehörigkeit und Zuständigkeit, fehlender sozialer Anerkennung und Autonomieverlust breit. Hier wird die Arbeitnehmerüberlassung als bedrohlich wahrgenommen: der Zeitarbeitnehmer als austauschbar und nicht gleichberechtigt.

Fazit

Zeitarbeit ist mittlerweile wesentlich sozialer, als ihr Ruf. In Anbetracht der milliardenhohen jährlichen Schäden, die Burnout-Erkrankungen und weitere psychische Erkrankungen verursachen, sollte der soziale und präventive Aspekt von Zeitarbeit endlich ins allgemeine Bewusstsein und in das Image der Zeitarbeit einfließen.

Natürlich gibt es auch innerhalb der Zeitarbeitsbranche Burnout-Fälle (und zwar unter den dort gefühlt unfreiwillig Beschäftigten), aber aus oben dargestellten Gründen trägt Zeitarbeit insgesamt aus unserer Sicht dennoch zu humaneren Arbeitsbedingungen bei und schützt somit mehr vor Burnout, als dass sie das Erschöpfungssyndrom begünstigt.

Schließlich fängt Arbeitnehmerüberlassung Auftragsspitzen ab, gleicht vorübergehende personelle Engpässe aus, ermöglicht Arbeitgebern ihr Personal flexibler einzusetzen und so auch ihre Stammbelegschaft zu schützen. In Deutschland ist sie ein staatlich kontrolliertes, sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis, das tariflich geregelt ist.

Dazu gehören diverse Sozialleistungen wie zum Beispiel ein Urlaubsanspruch. All das ist sozial, auch wenn es – wie überall – leider schwarze Schafe in der Branche der Personaldienstleister gibt, die für den schlechten Ruf der Zeitarbeit verantwortlich sind.

Vielleicht kann dieser Text dazu beitragen, Zeitarbeit mal unter einem anderen Blickwinkel zu betrachten und neu zu bewerten. Im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen, die Burnout begünstigen, oftmals sogar verursachen, heben sich Zeitarbeitseinsätze sowohl für Zeitarbeitnehmer, als auch für die Stammbelegschaft, die von den Zeitarbeitseinsätzen profitiert, im Vergleich zu den Arbeitsbedingungen ohne Zeitarbeitnehmer deutlich ab – und zwar positiv.

Quellen und ergänzende Links

– Zeitungsartikel:Stess im Berufsalltag
– Burnout-Informationsseite: Hilfe bei Burnout
– Studie: Stress am Arbeitsplatz – Erholungsangebote
– Preussler, Henning, Arbeitszufriedenheit im Kontext zunehmender Leiharbeit in Deutschland. Diplomarbeit an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg. Department Maschinenbau und Produktion. Institut Produkt- und Produktionsmanagement, eingereicht am 13.2.2012, S. 61ff.

Friederike von Hülsen
Friederike von Hülsen betreut Marcos Recruiting Blog von GermanPersonnel und unterstützt das Social Media Team. Neben dem Schreiben eigener und dem Redigieren fremder Texte plant die Geisteswissenschaftlerin auch die Blog-Themen und organisiert Beiträge von Gastautoren.

3 Kommentare

  1. Hallo Frau von Hundelshausen,

    vielen Dank für Ihren tollen, informativen Artikel über „Zeitarbeit könnte Burnout vorbeugen“. Ich gebe Ihnen Recht, dass Zeitarbeit bei der Burnout Prävention helfen könnte, da es im Normalfall nicht zu Mehrarbeit, Überstunden und Stress kommen sollte. Als Problem an der Zeitarbeit sehe ich, dass man als Zeitarbeiter weniger als regulär verdient, Zeitarbeitsverträge oft nur befristet sind und Zeitarbeit er oft nur von Job zu Job B, weiter zu Job C geschickt werden als vermeintlich billigere Arbeitskräfte.

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  2. Ein interessanter Ansatz. Allerdings bin ich nicht sicher, ob man Burnout so verhindern kann. Ein Zeitvertrag hat nunmal das Problem, das er weniger Sicherheit bietet. Von daher könnte ich mir vorstellen, das der Druck und die Versagensangst nicht gerade weniger werden

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    1. Friederike v. Hundelshausen Friederike v. Hundelshausen Autor

      Vielen Dank für Ihr Feedback. Es gibt aber eben Menschen, die kein so großes Sicherheitsbedürfnis haben. Das sind v. a. jüngere Arbeitnehmer, für die die wechselnden Einsätze interessant sind. Da ist sicherlich der individuelle Grund entscheidend, warum Menschen in der Zeitarbeit beschäftigt sind – freiwillig oder gezwungenermaßen, wie im Artikel dargestellt ist.

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