Karriere adé: alleinerziehender Vater im Homeoffice

Karriere adé: alleinerziehender Vater im Homeoffice

Verantwortung für Kinder UND Einkommen

Wer verzichtet schon freiwillig auf seine Karriere? Meist sind es Frauen, sobald sie Kinder bekommen. Es gibt aber auch Männer, die ihr Leben nach ihren Kindern ausrichten, die ihre beruflichen Ambitionen zugunsten des Nachwuchses stark zurückfahren und diesen sogar noch alleine großziehen. Über einen dieser Väter, der mir seine Geschichte erzählte, berichte ich hier. Ich nenne ihn Frank.

Vom Workoholic zum Vollzeitpapa im Homeoffice

Frank war selbständig und damit sehr erfolgreich. Als Workoholic kümmerte er sich hauptsächlich um das Familieneinkommen. 2008 lag seine Ehe in Scherben. Fortan war er nicht nur für das Geldverdienen verantwortlich, sondern v. a. für den 3 jährigen Max und die 5 jährige Lara.

Seine Frau konnte aus krankheitsbedingten Gründen die Kinder nicht mehr betreuen, so dass er quasi von 0 auf 100 zum Vollzeit-Papa wurde. Schnell zeigte sich, dass die Selbständigkeit nicht weitergehen konnte:

„Karriere, viel Geld und Kinder als Alleinerziehender funktionieren nicht. Man muss einen Kompromiss finden.“

Er wechselte in eine Führungsposition im Angestelltenverhältnis, um mehr Zeit für seine Kinder zu haben. Die Rechnung ging nicht auf: Frank hatte viel Verantwortung und noch mehr Arbeit. Der Stress nahm zu, die Probleme mit den Kindern ebenfalls. Ein erneuter Wechsel in die Selbständigkeit ging auch nicht gut. Es musste eine Lösung her, die Kinder und Beruf flexibel vereinbarte.

„Es ging nur noch um die Kinder.“

Auch betreute Kinder machen Arbeit

Um arbeiten zu können musste er von Anfang an seine Kinder bis 16 Uhr fremdbetreuen lassen. Erst im Kindergarten, später in Nachmittagsbetreuungen nach der Schule. Nichtsdestotrotz musste die Wäsche gewaschen, das Haus geputzt und eingekauft werden.

Von Anfang an mussten die Kinder darüber hinaus nachmittags zu speziellen Therapien gebracht werden: Max als ADHS-ler, Lara als Autistin, dazu Sporttermine und Verabredungen mit Freunden. Und für den Fall, dass ein Kind krank wurde, musste ein Betreuungsplan B erstellt werden.

Homeoffice ermöglicht die Flexibilität, die man mit Kindern braucht

Der erneute Wechsel 2014 ins Angestelltenverhältnis mit Homeoffice verbesserte für Frank und seine Kinder endlich nachhaltig die Situation. Hier stehen die gebrachten Ergebnisse, nicht die 100% erfüllte Arbeitszeit im Vordergrund.

Eine Büroecke im Wohnzimmer ist seitdem sein Arbeitsplatz. Nötige Fahrten zu Therapeuten o. ä. können tagsüber eingebaut werden und auch das Kochen eines Mittagessens für ihn und Max ist nebenher drin. Der Tag ist entzerrt. Flexibles Reagieren mit den Kindern ist wieder möglich, aber:

„Wenn Du im Homeoffice arbeitest, musst Du nach der Arbeit rausgehen, weil Du lebst, atmest und arbeitest im Büro.“

Homeoffice mit anwesenden Kindern?

Bis 13 Uhr arbeitet er ungestört ohne Kinder, dann kommt der mittlerweile 11 jährige Max aus der Schule und hat Hunger. Und dann? Frank nennt den Nachmittag: variable Arbeitszeit. Er hat mit seinem Sohn klare Absprachen getroffen, an die sich beide halten. Es gibt ein gemeinsames Mittagessen, später eine feste Hausaufgabenzeit. Für Schulfragen hat Max feste Ansprechpartner, z. B. seinen Opa.

„Für meinen Sohn bin ich auf dem Mond, wenn ich arbeite.“

Max hat gelernt, den Papa nur anzusprechen, wenn er kein Telefon (Headset) am Ohr hat. Insgesamt gibt es genaue Zeitfenster, klare Regeln für Frank, wie für die Kinder und bei Nichteinhaltung „logische Konsequenzen“, statt Strafen.

Für die permanente Erreichbarkeit dank Handy hatten die Kinder wenig Verständnis. Vorwürfe wie „du bist nie für uns da, immer telefonierst du“ zwangen Frank auch einen Feierabend festzulegen. Das Abschalten ist letztendlich aber auch für ihn wichtig.

Verantwortung für Kinder: mehr als pure Existenzsicherung

Frank nimmt die Bedürfnisse seiner Kinder ernst. Das ist zeitaufwendig und oft kraftraubend, weil er deshalb z. B. nachmittags mit anwesendem Kind arbeitet. Er akzeptiert nämlich, dass sein Sohn nach fast 10 Jahren Fremdbetreuung am Nachmittag mittlerweile einfach nur zu Hause sein will.

Und er hat erkannt, dass sich die autistische Lara seit Pubertätsbeginn besser von der Mutter verstanden fühlt. Verantwortung zu übernehmen bedeutet hier Lara in dieser Lebensphase wieder zur Mutter ziehen zu lassen, damit die täglichen „Kämpfe“ beendet sind, die letztendlich jedes Familienmitglied belasten, aber trotzdem für sie da zu sein, wenn sie den Vater braucht.

Wenn man selbst auf der Strecke bleibt

Am Anfang ist man froh, wenn man es schafft sein Leben so zu organisieren, dass man arbeiten kann UND Zeit für die Kinder hat. Den Luxus an sich selbst zu denken, gönnt man sich nicht. Die eigenen Bedürfnisse und Wünsche werden stark eingeschränkt, im Extremfall sogar völlig ignoriert, so auch bei Frank.

„Ich habe mein ganzes Leben auf die Kinder ausgerichtet und mich dabei selbst verloren.“

Wenn man in Ermangelung einer Kinderbetreuung nichts mehr kinderlos unternehmen kann, Einladungen absagen muss, etc. wird man irgendwann unzufrieden. Man hat das Gefühl das Leben zieht an einem vorbei und man denkt mit Wehmut an die Vergangenheit, als man sich mit Freunden traf, zeitintensive Hobbies pflegte und das Leben noch so unbeschwert war, weil man lediglich für sich selbst Verantwortung trug.

Alles im Wandel – aber stets zum Positiven

Frank hat schon viele Phasen – beruflich, wie privat – durchlebt. Klar ist: Lebensentwürfe müssen auch immer wieder neu gestaltet werden, weil sich Umstände und Bedürfnisse ändern. Dafür muss man offen sein. Wie man ein Leben mit Kindern organisiert, ist ganz individuell. Es gibt keine allgemeingültige „beste Lösung“.

Das Homeoffice-Modell von Frank ist mittlerweile auch wieder ein wenig verändert. Er wechselt nun 2 Tage im Homeoffice mit 3 Tagen im Außendienst ab. Das Verlassen der eigenen vier Wände tut ihm gut. Er achtet nicht mehr nur auf die Bedürfnisse seiner Kinder, sondern auch auf seine. Seitdem gibt es auch eine neue Frau in seinem Leben.

Ein glücklicher Papa ist wichtig für Kinder. Die Investitionen in das eigene Glück wirken sich letztendlich auf die ganze Familie aus. Frank hat viel für seine Kinder getan, aber es kommt auch viel von ihnen zurück. Und wenn er mit seiner Familie einen Mittelaltermarkt besucht, dann sind all die Anstrengungen vergessen und sie genießen den Flair einer anderen Zeit.

Friederike von Hundelshausen betreut Marcos Recruiting Blog von GermanPersonnel seit Februar 2016 und unterstützt das Social Media Team. Neben dem Schreiben eigener und dem Redigieren fremder Texte plant die Geisteswissenschaftlerin auch die Blog-Themen und organisiert Beiträge von Gastautoren.

2 Kommentare

  1. Woohooo, ich hoffe, die Geschichte stimmt, zumindest in groben Zügen, und das happy end auch. Was sich jetzt so locker flockig dahin liest, war für die Betroffenen sicherlich hart und schmerzvoll. Darum hoffe ich, dass ihnen allen gut geht. (Generell frage ich mich aber schon, ob man in der Geschichte nicht den Frank durch die Franziska ersetzen könnte und es trotzdem die gleiche Geschichte wäre. Oder, ob es nicht einfach eine Geschichte über eine Familie und Home Office ist, genderneutral gesehen…)

    Antworten
    1. Die Geschichte stimmt voll und ganz. Der Familie geht es so gut, wie es in der Situation eben gut gehen kann – ich vermute aber, so gut wie nie zuvor, weil diese Feinjustierungen wie man etwas regelt eben einfach Zeit brauchen und stets auf Praxistauglichkeit erprobt werden müssen. Aber ich denke nicht, dass Mann oder Frau hier komplett austauschbar sind. Frank erzählte mir auch, dass er sich oft erklären und rechtfertigen musste – ein alleinerziehender Vater vor 10 Jahren mit kleinen Kindern, das war „nicht normal“. Er wurde auch speziell von Müttern angefeindet und seine Kompetenzen in Frage gestellt. – In der Tat kein lustiger Weg, den er hinter sich hat, aber er ist eine starke außergewöhnliche Persönlichkeit, so wie ich ihn kennengelernt habe, deshalb hat er das gepackt. Danke für Deine Sicht, Markus.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.