Wenn die Arbeit deiner Seele hilft

Wenn die Arbeit deiner Seele hilft

Arbeiten als Chance in privaten Krisen

Arbeit ist für viele anstrengend und wenig erfüllend. Aus diesem Grund wird oft darüber geschrieben, wie man die eigene Berufung herausfindet und ihr folgt. Abgespeckte Varianten davon geben Tipps, wie man mit den gegebenen Umständen bestmöglich klarkommt. Work-Life-Balance, Burnout-Prophylaxe und Stressreduzierung sind hier u. a. die bekannten Schlagwörter.

Ich möchte heute mal einen Gedankenanstoß zu einer anderen Sichtweise auf das Arbeiten geben. Deine für Dich vielleicht recht unspektakuläre Arbeit kann in persönlichen Krisen nämlich durchaus sehr positive Begleiterscheinungen haben. Darum geht es im Folgenden.

Wenn im Privaten hohe Belastungen bestehen, kann Dir Dein Job sehr helfen. Krankheiten, Todesfälle aber auch andere Sorgen von Dir oder Dir nahestehenden Menschen können regelrechte Krisen bei einem selbst auslösen. Dies trifft bei vielen sogar zu, wenn sie selber nicht direkt betroffen sind. In sein eigenes seelisches Gleichgewicht zurück zu kommen ist dann mitunter ziemlich schwer.

Orientierungslosigkeit in Krisen

Von jetzt auf gleich steht unsere Welt Kopf, wenn einschneidende Ereignisse über uns hereinbrechen. In der Regel beeinflussen sie uns ganzheitlich und nehmen uns komplett in Beschlag. Genau dann braucht man Stabilität.

Alltägliche Gewohnheiten in diesen Phasen fortzuführen, helfen, weil sie Sicherheit geben und ein Stück „normales“ Leben ermöglichen.

Das kann alles sein: vom regelmäßigen Sporttermin, der täglichen Fernsehsendung zu einer bestimmten Zeit, die tägliche Gassirunde mit dem Hund, oder sonstiges. Dazu gehört auch die Arbeit, sofern diese nicht zusätzlichen Stress auslöst.

Geregeltes Arbeitsleben als Retter in der Not

Wer sich an seinem Arbeitsplatz wohl fühlt und seine Arbeit gerne macht, dem kann das Arbeiten in schwierigen persönlichen Phasen eine wichtige Stütze sein und zwar aus folgenden Gründen:

– Man kann von privaten Sorgen abschalten.

– Man kann sich mal wieder ohne schlechtes Gewissen mit anderem beschäftigen.

– Arbeiten ist ein Weg zurück in die Normalität und den Alltag.

– Geregelte Zeiten tun gut, um nicht depressiv im Bett zu bleiben oder sich mit „Kümmerung“ für andere physisch und psychisch völlig aufzureiben.

– Man hat andere Gesprächspartner, die nichts von den eigenen Sorgen wissen.

– Der Kopf beschäftigt sich endlich auch mal mit anderen Themen, als den privaten Sorgen.

Verdrängen statt Verarbeiten ist nicht gemeint

Natürlich ist damit nicht gemeint die eigenen Sorgen zu ignorieren und zu verdrängen. Es geht vielmehr darum, dass Arbeit einen Menschen auch entlasten kann, weil die Sorgen mal für einen gewissen Zeitraum in den Hintergrund treten. Dies ist sehr wichtig. Durch die Entlastung und den Abstand, den man durch das Arbeiten an etwas ganz anderem gewinnt, kommt man ein wenig aus seinem allzu oft als Loch empfundenen Zustand heraus. Das löst zwar nicht das eigentliche Problem, aber es hilft ein Stück weit.

Chancen erkennen und nutzen

Betroffene könnten jetzt vielleicht einwenden, dass sie durch ihre privaten Sorgen geradezu arbeitsunfähig sind, sich nicht auf die Arbeit konzentrieren können oder sich nicht dazu aufraffen können. Genau hier möchte ich motivieren, dass Arbeiten helfen kann. Es kann dir helfen, wenn deine Sorgen Überhand nehmen in deinem Leben und du dich gerade überhaupt nicht auf deine Arbeit einstellen kannst.

Diese Sichtweise, die Arbeit auch mal als Chance zur Entlastung von privaten Sorgen zu betrachten, kann auch belasteten Mitarbeitern, Kollegen, Familienangehörigen oder Freunden von dir helfen. All diesen ist dieser Perspektivwechsel gewidmet:

Arbeit nicht als zusätzliche Belastung zu sehen, sondern als Zeit, Normalität zu leben, ohne schlechtes Gewissen zu haben, mal nicht an private Sorgen und Problemen zu denken.

Ein geregelter, strukturierter Arbeitsalltag, der einem vertraut ist, gibt Sicherheit. Vielleicht kann dieser Artikel dazu beitragen, dass diese andere Sichtweise von Arbeit dem ein oder anderen helfen kann oder ihn motivieren kann ein Stück Normalität in Zeiten großer Sorgen ganz bewusst zurück in sein Leben zu holen.

Wie sind deine Erfahrungen mit dem Arbeiten in privaten Krisen? Hast du auch schon positive Erfahrungen damit gemacht? Wir freuen uns über Kommentare.

Friederike von Hundelshausen betreut Marcos Recruiting Blog von GermanPersonnel seit Februar 2016 und unterstützt das Social Media Team. Neben dem Schreiben eigener und dem Redigieren fremder Texte plant die Geisteswissenschaftlerin auch die Blog-Themen und organisiert Beiträge von Gastautoren.

2 Kommentare

  1. Petra

    Liebe Sabine,

    das ist ein sehr schöner Artikel von Dir.
    Anbei ein ganz beeindruckender Text,
    finde ich.

    Gruß Petra

    Meine Erklärung der Selbstachtung
    – Virginia Satir –

    Ich bin ich. Nirgendwo gibt es jemanden, der genauso ist wie ich.
    Einige Menschen sind mir in Einzelheiten gleich, aber niemand ist ganz so wie ich.
    Darum gehört alles, was ich tue, authentisch zu mir, weil ich allein es so wollte.
    Alles an mir gehört zu mir, mein Körper und alles was er tut – mein Geist mit all seinen Gedanken und Ideen – meine Augen mit allen Bildern, die sie sehen – alle meine Gefühle, Ärger, Freude, Frustration, Liebe, Enttäuschung, Erregung – mein Mund und alle Worte, die er spricht, höfliche, harte oder grobe, wahre oder falsche – meine Stimme, laut oder leise – und alles, was ich tue in bezug auf andere oder auf mich selbst.
    Meine Phantasien gehören zu mir, meine Träume, meine Hoffnungen, meine Ängste – alle meine Triumphe und Erfolge gehören zu mir – alle meine Niederlagen und Fehler.
    Weil das alles zu mir gehört, kann ich mich selbst genau kennenlernen. Wenn ich das tue, kann ich mich lieben und freundlich sein zu allen Teilen meiner Person. So kann ich es ermöglichen, dass alles in mir zu meinem Besten wirkt. Ich weiß von Seiten an mir, die mich verwirren, und ich weiß, dass ich Seiten habe, die ich noch gar nicht kenne. Solange ich jedoch freundlich und liebevoll bin zu mir selbst, kann ich mutig und voller Hoffnung darauf warten, dass sich die Verwirrung löst und dass ich die Möglichkeiten finde, mehr über mich zu erfahren.
    Wie immer ich aussehe und mich äußere, was immer ich sage oder tue, was immer ich denke oder fühle in jedem beliebigen Augenblick: Das bin ich.
    Das bin ich und drückt aus, wo ich in diesem Augenblick stehe.
    Wenn ich später erneut betrachte, wie ich ausgesehen und wie ich mich ausgedrückt habe, dann mögen sich Einzelheiten als unpassend erweisen. Ich kann das Unpassende fallenlassen und das Passende beibehalten und etwas Neues finden für das, was ich aufgebe.

    Ich kann sehen, hören, fühlen, denken, sprechen und handeln. Ich habe alles was ich brauche, um zu überleben, um anderen nahe zu sein, um schöpferisch zu sein und die Welt der Dinge und Menschen um mich herum sinnvoll zu gestalten.

    Ich gehöre mir selbst, darum kann ich mich gestalten.

    Ich bin ich, einzigartig und wertvoll!

    *******************************************************************************

    Die fünf Freiheiten nach Virginia Satir

    Sehen und Hören, was wir im Augenblick wahrnehmen,
    anstatt was sein sollte, was war oder was werden könnte.

    Sagen was wir fühlen und denken,
    anstatt was wir fühlen und denken sollten.

    Fühlen was wir fühlen,
    anstatt was wir fühlen sollten.

    Nach dem fragen, was wir wollen,
    anstatt auf Erlaubnis zu warten.

    Risiken übernehmen, anstatt ausschliesslich Sicherheit
    zu wählen und das Steuer des eigenen Schiffes
    Jemand anders in die Hand zu geben.

    Antworten

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