Betriebsrat gründen – Schnee von gestern?

Betriebsrat gründen – Schnee von gestern?

Ist ein Betriebsrat heute noch zeitgemäß?

In großen Konzernen gehört der Betriebsrat als Interessenvertretung der Arbeitnehmer und Schnittstelle zwischen dem Management und den Mitarbeitern dazu. Doch in Startups und vielen KMUs wird auf diese Funktion verzichtet. Ein Betriebsrat ist heute jedoch noch bedeutsamer als vor 10 oder 15 Jahren. Die Schwierigkeiten haben zugenommen und der Schlichtungsbedarf hat sich erhöht.

Betriebsrat gründen – gegen den Willen des Chefs?

Kein Arbeitgeber darf eine Betriebsratsgründung verbieten, wenn die Gründungs-Voraussetzungen erfüllt sind. Ein Unternehmen muss dafür aus mindestens fünf wahlberechtigten und damit volljährigen Arbeitnehmern bestehen. Dies zeigt, dass der Gesetzgeber einen Betriebsrat als Normalfall betrachtet, selbst in kleinen Betrieben. Wenn nur 3 Beschäftigte das wünschen, ist ein Betriebsrat zu wählen. Die Arbeitnehmervertretung richtet sich in ihrer Personenzahl nach der Größe des Unternehmens. In Betrieben mit bis zu 20 Arbeitnehmern besteht er aus einer Person.

In vielen Fällen hast du es jedoch nicht leicht, wenn du die Gründung eines Betriebsrates in die Wege leiten und Teil dessen werden willst. Was tun, wenn eindeutige Signale von oben kommen, dass eine Gründung unerwünscht ist? – Was ist dein Ziel mit der Betriebsratsgründung? Kannst du es vielleicht auch durch Gespräche mit der Geschäftsleitung erreichen?

Wer seinen Unmut nicht kundtut – und zwar dort, wo man das Problem auch wirklich lösen kann, nicht nur als Dampfablassen im Kollegenkreis – der hat eine Chance, dass sich etwas ändert.

Hilfe bieten im Übrigen auch die Gewerkschaften. In den USA wird der Betriebsrat oftmals sogar als Produktionsbremse betrachtet. Dabei übernimmt er wichtige Aufgaben und verfügt über diverse Mitbestimmungsrechte. Ohne eine neutrale Anlaufstelle bei Kommunikationsproblemen und Krisensituationen schränkt sich die Ergebnisorientierung ein und das Konfliktmanagement könnte in Gefahr geraten. Er ist für alle Mitarbeiter zuständig, sodass auch Minijobber und Zeitarbeiter im Betriebsrat einen Ansprechpartner finden.

Betriebsräte tragen mehr Verantwortung als früher

Die Digitalisierung 4.0 hat unsere Arbeitswelt verändert. Sowohl Arbeitgeber, als auch Arbeitnehmer werden heutzutage mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die vor dem digitalen Zeitalter entweder nicht bestanden oder deutlich weniger Bedeutung hatten. Durch die veränderte Arbeitswelt müssen sich auch die Betriebsräte mit neuen Problemen auseinandersetzen.

Generell ist die Betriebsratsgründung kein Muss, sondern freiwillig und sollte für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer eine vorteilhafte Angelegenheit sein. Bei arbeitnehmerrechtlichen Problemen ist dann nämlich nicht mehr das Management der erste Ansprechpartner. Viele Angelegenheiten können durch einen Betriebsrat schon vor der Herantragung an die Chefetage gelöst werden.

Betriebsräte kämpfen für Arbeitnehmerrechte und gelten in der Führungsetage daher oft als die „unbequemsten“ Mitarbeiter. Dennoch profitiert auch das Management vom Betriebsrat. Er fängt den Unmut und die Fragen der Arbeitnehmer ab und erarbeitet Lösungen. Der Verantwortungsspielraum ist mit den zahlreichen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt gewachsen. Ein Betriebsrat muss heute noch belastbarer, noch rechtlich versierter und noch lösungskompetenter als früher sein.

Bei welchen Problemen hilft der Betriebsrat?

Da er über ein Mitbestimmungsrecht verfügt, ist er in vielen betrieblichen Abläufen involviert. Er ist Ansprechpartner und Berater bei Kündigungen, personellen Einzelmaßnahmen und der Personalplanung, bei Arbeitnehmereinstellungen und geplanten Versetzungen. Das Hauptaufgabengebiet des Betriebsrates basiert auf der Überwachung der Einhaltung der Mitarbeiterrechte und gesetzlichen Vorschriften, beispielsweise zum Urlaub, zur Arbeitszeit und zur Unfallverhütung. Weiter unterstützt er dich als Arbeitnehmer dabei, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern.

Damit ein Betriebsrat von bestehenden Problemen weiß, muss er vom Arbeitnehmer über Missstände informiert werden. Auch mit Problemen im Team kann man sich an den Betriebsrat wenden. Mobbing, gesundheitliche Einschränkungen eines Mitarbeiters, Unstimmigkeiten im Kollegenkreis, gezielte verbale Übergriffe auf einen Mitarbeiter und Denunzierungsvorwürfe sind nur ein paar Beispiele des Einsatzbereichs von Betriebsräten.

Viele Aufgaben, um die sich der Betriebsrat kümmert, müssen, wie bereits erwähnt wurde, nicht mehr vom Management übernommen werden. Wenn die Arbeitsbedingungen, die Bezahlung, das Betriebsklima und der Umgang aller miteinander stimmen – und so sollte es ja auch sein – dann sollte eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Führungsebene und dem Betriebsrat bestehen.

Wie viel Einfluss hat der Betriebsrat?

Stellt er einen Rechtsübertritt fest, kann er zu Gunsten des betroffenen Arbeitnehmers sogar eine gerichtliche Entscheidung herbeiführen lassen. Er beeinflusst die Arbeitszeiten, kann sich für Betriebsferien einsetzen und die Abläufe in einer Firma mit koordinieren. Nicht umsonst wird die Betriebsratsgründung gerade bei modernen und jungen Unternehmen auf der Führungsebene nicht geschätzt.

Während der einzelne Mitarbeiter wenig bewirken kann, stärkt ihm der Betriebsrat den Rücken und schreitet bei Ungerechtigkeit in allen Bereichen ein. Ein weiterer Kernaspekt ist die Prüfung der Einhaltung von Gesetzen, die bei einem Betriebsrat in dessen Aufgabenbereich fällt und bei Übertretungen angegangen wird.

Fazit: Betriebsräte sind nach wie vor zeitgemäß

Sobald es in einem Unternehmen mehr als fünf Mitarbeiter gibt, kann ein Betriebsrat gewählt werden. Die Entscheidung trifft nicht der Arbeitgeber, sondern du und deine Kollegen als Belegschaft. Bei Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben und Voraussetzungen ist die Betriebsratswahl möglich und kann vom Arbeitgeber nicht verhindert werden.

Die Freistellung für die Tätigkeit, der besondere Kündigungsschutz und die Lohnfortzahlung bei minderem Einsatz im eigentlichen Aufgabenbereich sind Vorteile, die einem als Betriebsrat zustehen. Diese stehen einer hohen Verantwortung gegenüber, die der Betriebsrat für die Überwachung des korrekten rechtlichen Ablaufs, z. B. bei Einstellungen oder Entlassungen, die Zufriedenheit, Gerechtigkeit und Gesundheit der Belegschaft trägt.

Die Anzahl an Betriebsräten ist in den letzten Jahren im Vergleich zu vor 10 oder 20 Jahren gesunken. Heute gibt es viele kleine und mittelständische Unternehmen sowie Startups, die auf einen Betriebsrat verzichten und im direkten Kontakt von Belegschaft und Arbeitgeber tarifliche Vereinbarungen oder Sonderregelungen treffen. Allerdings zeigt sich, dass die Problematik der Ungerechtigkeit in Unternehmen ohne Betriebsrat höher ist und Arbeitnehmer häufiger eine gerichtliche Entscheidung beantragen.

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