Dicke Luft bei der Arbeit? – Wann ist Zeit für einen Mediator?

Dicke Luft bei der Arbeit? – Wann ist Zeit für einen Mediator?

Dein Kollege hält wichtige Informationen zurück. Ein Vorgesetzter verhält sich Dir gegenüber ungerecht. Ein wichtiges Projekt scheitert an der Kommunikationsunfähigkeit zwischen zwei Abteilungen. Passiert das regelmäßig, ist die Arbeit weniger produktiv und macht allen Beteiligten keine Freude. Bevor die Situation eskaliert oder sogar ein gerichtliches Verfahren droht, lohnt es sich über eine Mediation nachzudenken.

Der beste Zeitpunkt für einen Mediator

Schlichtungsgespräche mit dem Chef oder dem Betriebsrat blieben erfolglos. Sind alle weiteren internen Maßnahmen zur Konfliktbeilegung ebenfalls ausgeschöpft, ist es an der Zeit sich einen Mediator zu suchen. Da der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Angestellten hat, ist die Forderung nach diesem Verfahren gerechtfertigt.

Wenn sich dein Arbeitgeber quer stellt, erinnere ihn daran, dass er sein Unternehmen mittels Mediation vor großen betriebswirtschaftlichen Schäden, wie hohe Krankenstände, sinkende Produktivität und häufig wechselndes Personal, schützt.

Auch der gute Ruf des Unternehmens kann Schaden nehmen, wenn durch Fehler, die durch mangelnde Kommunikation entstanden sind, Projekte scheitern. Folgeaufträge bleiben aus, Kunden wandern ab. Wirtschaftlichen Studien zufolge beziffern sich Verluste, deren Ursache interne Streitigkeiten sind, auf bis zu 500.000 Euro jährlich (Konfliktkostenstudie von KPMG, 2009).

Wenn ein Gerichtsprozess droht, der sich möglicherweise über Jahre hinwegzieht, ist die Mediation für den Arbeitgeber das kleinere Übel. Nicht nur der Kosten wegen, auch weil er auf den Ausgang eines Prozesses kaum Einfluss hat.

TIPP: Warte nicht zu lange mit der Suche nach einem Mediator, wenn der Konflikt schon zu weit fortgeschritten ist, lässt sich Dein Gegenüber vielleicht nicht mehr auf das außergerichtliche Verfahren ein.

Hinter Konflikten im Arbeitsumfeld stecken oft unterschiedliche Bedürfnisse und Sichtweisen, unausgesprochene Erwartungen oder Verhaltensweisen, die ein anderer nicht ohne Weiteres nachvollziehen kann. Eine Mediation bringt diese persönlichen Aspekte des Konfliktes ans Licht und findet eine faire Lösung, ohne dass einer das Gesicht verliert.

Mediation – der größtmögliche beiderseitige Nutzen

Mediation ist ein außergerichtliches Verfahren. Die Parteien wählen einen unabhängigen Mediator. Dieser macht Kommunikation zwischen Streithähnen wieder möglich. Der Mediator ist bereit, sich mit jeder Partei zu identifizieren. Er ist in der Lage, im Gespräch ein Machtgefälle auszugleichen. Der Mediator darf beispielsweise helfen, Dir Gehör bei einem dominanteren Streitpartner zu verschaffen. Allerdings schlägt er sich nur vorübergehend auf eine Seite, und zwar dann, wenn es der Auflösung des Gesamtkonfliktes dient.

TIPP: Halte nichts hinterm Berg! Der Mediator gibt Dir die Zeit und den Raum, den Du für Deine Sorgen und Nöte benötigst. Je besser er informiert ist, desto zufriedener wirst Du aus dem Verfahren gehen.

Eine Mediation ist auch für mehr als zwei Parteien geeignet. Bei wichtigen Projekten oder Umstrukturierungen am Arbeitsplatz kann das Verfahren prophylaktisch zur Verbesserung der Kommunikation eingesetzt werden.

Der Mediator entscheidet nicht

Allein die Medianten entscheiden über Inhalte des Vertrages. Der Mediator ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Er hat den Parteien alle Umstände offenzulegen, die seine Unbefangenheit beeinträchtigen und Auskunft über seine Ausbildung sowie Mediationserfahrungen zu geben. Ein interner Mitarbeiter mit entsprechender Weiterbildung darf nur agieren, wenn alle Parteien zustimmen.

Wie läuft die Mediation ab?

Grundvoraussetzung ist ein allseitiges Konfliktbewusstsein und die Bereitschaft den Konflikt zu lösen. Die Teilnahme an einer Mediation ist freiwillig. Niemand kann Dich zwingen daran teilzunehmen. Daher sollte man sich einen Mediator suchen, bevor die Fronten zu verhärtet sind. Auch steht das Ergebnis anfangs nicht fest. Die Lösung wird während des Verfahrens mit allen Beteiligten gemeinsam erarbeitet.

Die klassische Mediation durchläuft 6 Schritte:

1. Vorbereitung und Mediationsvertrag

Aufstellen von Regeln, wie sich gegenseitig ausreden lassen und Aufgaben des Mediators. Erwartungen an das Verfahren werden geäußert. Der Mediator erklärt den Verlauf und die Kosten des Verfahrens. Der Vertrag wird unterzeichnet.

2. Informationssammlung

Ermittlung der Sichtweisen und Interessen der Parteien. Die Kommunikation läuft komplett über den Mediator, sodass die Parteien zunächst nicht miteinander sprechen müssen.

3. Hintergrund des Konflikts verstehen

Die Mediation ermöglicht in dieser Phase Verständnis für die andere Partei und bringt die tiefer liegenden Bedürfnisse und Motive der Beteiligten ans Licht. Mit Einverständnis aller Parteien werden Einzelgespräche geführt. Direkte Kommunikation wird wieder angestoßen.

4. Erarbeitung von Lösungen

Lösungsvorschläge werden gesammelt und gemeinsam erarbeitet, wobei die Umsetzung nicht relevant ist. Alles, was denkbar ist, wird festgehalten.

5. Konsens und Vertrag

Lösungsansätze werden auf Umsetzbarkeit geprüft, ein Konsens gefunden. Ein Vertrag wird erstellt, vorgelesen und unterzeichnet. Möglicherweise wird ein Rechtsanwalt hinzugezogen, der den Vertrag prüft.

6. Reality Check

Nach der Mediation findet man zusammen und prüft, wie sich die Lösung im Alltag bewährt.

Ein Mediationsvertrag ist rechtlich bindend. Bei Vertragsbruch steht der Rechtsweg offen. Die Mediation ist meist günstiger als ein Gerichtsverfahren. Die Kosten des Verfahrens betragen durchschnittlich 150 bis 300 Euro pro Stunde. Im kleineren Arbeitsumfeld ist mit etwa acht Sitzungen zu rechnen. Bei komplexeren Konflikten kann eine Mediation mehrere Monate dauern.

Fazit

Im Gegensatz zu einem Gerichtsverfahren rettet die Mediation neben der Sache auch die persönlichen Arbeitsbeziehungen. Selbst wenn man vor Gericht gewinnt, ist die Beziehung zum Beklagten zerrüttet, die weitere Zusammenarbeit unmöglich. Die Mediation wird allgemein als fair empfunden, löst nachhaltig den Konflikt und stärkt das Team.

Falls dein Gegenüber übrigens ein Choleriker ist, könnte dich auch unser Artikel: Choleriker als Chef, was kann ich dagegen tun? interessieren. Er enthält wichtige Tipps zum Umgang mit Cholerikern, egal ob Chef, Kollege oder Partner.

 

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