Ist Zeitarbeit für Startups interessant?

Ist Zeitarbeit für Startups interessant?

„Wir müssen im Recruiting aufleveln. Wir skalieren nicht mehr, weil die Human Ressources mehr und mehr zum Showstopper werden.“
„Wie wäre es mit Zeitarbeit?“
„Zeit…was?“
„Zeit-ar-beit!“
„Aber wir sind doch ein Startup …“

Startup und Zeitarbeit – sprachlich prallen hier zwei Welten aufeinander. Doch inhaltlich haben beide durchaus Berührungspunkte, denn Startups brauchen genauso qualifiziertes Personal wie jedes andere Unternehmen. Und stehen damit im Wettbewerb um Arbeits- und Fachkräfte, um kreative Querdenker oder fleißige Vorarbeiter.

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Startups – eine Bestandsaufnahme

Der Bundesverband Deutsche Startups e. V., kurz BVDS, Herausgeber des Deutschen Startup Monitors, definiert drei wesentliche Merkmale für Startups:

– Sie sind jünger als 10 Jahre
– Sie sind mit ihrer Technologie und/oder ihrem Geschäftsmodell (hoch) innovativ
– Sie haben ein signifikantes Mitarbeiter- und/oder Umsatzwachstum (oder streben dieses an)

Deutsche Startups sind im Mittel seit 2,5 Jahren am Markt und beschäftigen 11,9 Mitarbeiter. Und trotz hoher Innovationskraft und einer klaren unternehmerischen Vision gehen viele Gründer die Mitarbeitersuche wenig professionell an. So ergab eine Studie von PwC Deutschland aus dem Jahr 2013, dass 74 Prozent der Personalverantwortlichen über private Kontakte und Empfehlungen rekrutieren und nur 9 Prozent auf Zeitarbeitsfirmen setzen, um Personalengpässe zu überbrücken.

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Die meisten vertrauen ihrem Bauchgefühl

Bei Personalentscheidungen setzt der überwiegende Teil der Jungunternehmer nicht auf ZDF (Zahlen, Daten, Fakten), sondern auf das eigene Bauchgefühl. Nicht immer mit Erfolg, denn die Quote der Fehlbesetzungen liegt laut der PwC-Studie deutlich über der von etablierten Unternehmen: Jeder fünfte Personalverantwortliche im Startup gab an, sich wieder von Mitarbeitern trennen zu wollen.

Startups müssen ihre Recruiting-Prozesse professionalisieren

Dabei ist den jungen Gründern die Bedeutung von motiviertem und qualifiziertem Personal sehr wohl bewusst. Allerdings fehlen oft einfach Zeit und Erfahrung, um die Personalauswahl effizienter zu gestalten. Und auch der Aufwand für die Personalverwaltung wird von vielen Startup-CEOs unterschätzt. Dabei können externe Fachkräfte gerade im administrativen Bereich gute Unterstützung leisten, da die Arbeitsprozesse, Programme und Anforderungen sich kaum von denen bei etablierten Unternehmen unterscheiden.

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Zeitarbeit ist zu teuer, oder?

Die Zeiten, in denen Zeitarbeit ausschließlich den Blue Collar-Bereich für Produktions- und Helfertätigkeiten bediente, sind schon lange vorbei. Heute wird nur noch rund jeder zweite Zeitarbeiter im Helferbereich eingesetzt. Immer mehr spezialisierte Zeitarbeits-Vermittler mit qualifiziertem Fachpersonal bieten regional oder bundesweit Personaldienstleistungen an. Und vermitteln Fach- und Führungskräfte, die Zeitarbeit selber als Chance für sich erkennen, sich beruflich weiterzuentwickeln und neue Wege zu gehen.

Unter wirtschaftlichen Aspekten rechnet sich für ein Startup Zeitarbeit scheinbar nur bedingt. Denn die Kosten einer Arbeitsstunde liegen deutlich über denen eigener Mitarbeiter. Doch diese einfache Überschlagsrechnung greift zu kurz, denn ein wesentlicher Vorteil von Zeitarbeit ist, dass die Kosten schneller als bei eigenem Personal komplett abgebaut werden können.

Betrachtet man dann noch die Vollkosten (also auch die Kosten für Recruiting, Personalverwaltung sowie Urlaubs- und Krankheitszeiten), ist Zeitarbeit auch unter Kostenaspekten eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative. Und sie bietet Gründern die Chance, sich stärker auf den Markt und das Produkt zu fokussieren, statt sich mit der Suche nach geeignetem Personal auszubremsen oder aufzureiben.

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Drum prüfe, wer sich bindet

Neben dem Zugewinn an Flexibilität und Handlungsfreiheit bietet Zeitarbeit noch eine weitere Chance für Startups: Der Recruiting- und Auswahlprozess erfolgt extern, hier zählen dann nicht alleine das Bauchgefühl, sondern Kriterien wie Erfahrung, Kompetenzen und Fähigkeiten.

Signalisiert ein Startup dann Bedarf an Personal mit eben diesen Erfahrungen, Kompetenzen und Fähigkeiten, erhält es vom Vermittler eine Auswahl geeigneter Kandidaten. Dadurch können die eigenen Recruiting-Prozesse erheblich beschleunigt und verbessert werden.

Zudem bleibt das Startup in vollem Umfang handlungsfähig: Neue Mitarbeiter können unmittelbar im Tagesgeschäft beweisen, ob sie in das Team passen und hinter der gemeinsamen Idee stehen können. Ist das der Fall, ist eine Übernahme nach einigen Wochen bis Monaten meist problemlos möglich. Und ebenso problemlos kann eine nicht passende Konstellation wieder aufgelöst und neu gestaltet werden.

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Schneller zum Ziel

Nicht zuletzt ist Zeitarbeit schneller als eigene Recruiting-Maßnahmen. Morgen müssen fünf neue Produktionshelfer für eine Woche den neuen Auftrag erledigen? Kein Problem mit einem starken Personaldienstleister im Hintergrund. Denn genau solche Anforderungen gehören hier zum Tagesgeschäft.

Zeitarbeit ist also definitiv für Startups interessant und wird wohl in Zukunft noch stärker in den Fokus von Gründern rücken.

Quellen

Deutscher Startup Monitor vom Bundesverband dt. Startups
pwc-Studie über die Rekrutierung neuer Mitarbeiter

Christian Praetorius war nach seiner Ausbildung zum Controller (IHK) lange Jahre im Controlling verschiedener Unternehmen tätig. Studium an der SRH Hochschule für Wirtschaft und Logistik und seit 2012 als freiberuflicher Autor, unter anderem zu HR- und BWL-Themen.

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