Praktikanten im Einsatz – oh je oder juhuuu?

Praktikanten im Einsatz – oh je oder juhuuu?

So kannst du von ihnen profitieren und sie von dir

Praktikantenverhältnisse haben nicht immer einen guten Ruf. Das liegt allerdings oft daran, dass die Möglichkeiten einer solchen Beschäftigung für beide Seiten entweder unterschätzt oder überschätzt werden. Wird die richtige Praktikumsform ausgewählt und werden entsprechende wichtige Rahmenbedingungen eingehalten, werden sowohl das Unternehmen als auch der Praktikant selbst vom Praktikum profitieren.

grünes Puzzlestück

Praktikum ist nicht gleich Praktikum

Viele Ausbildungs- und Studiengänge sehen Pflichtpraktika vor. Diese müssen nicht vergütet werden und stehen deshalb sowohl bei Praktikanten als Unternehmen weniger hoch im Kurs. Vielfach gelten sie tatsächlich als reine Pflichtveranstaltung, bei denen der Praktikant seinen Schein erhält und das Unternehmen kurze Einblicke in die Unternehmenstätigkeit gewährt, die entsprechend in der betreffenden Ausbildungsordnung umrissen sind. Noch weniger intensiv ausgestalten sind in der Regel Praktika zur Berufsorientierung/für Schüler.

Viel interessanter ist für viele Praktikanten und Unternehmen das sogenannte qualifizierte Praktikum. Hier geht es im Idealfall tatsächlich darum, sich gegenseitig kennen zu lernen, um eine mögliche zukünftige engere Zusammenarbeit zu testen. Als freiwilliges Praktikum ist es grundsätzlich zu entlohnen. Es wird je nach Ausgestaltung den Praktikanten relativ intensiv in eine Arbeitstätigkeit bei dem Unternehmen miteinbeziehen.

Unternehmen, die den Sinn eines Praktikums verstanden haben und es möglicherweise auch als eine Probe für eine spätere Festanstellung sehen, werden dem Praktikanten niemals als Ersatz für einen Vollzeitmitarbeiter im Unternehmen missbrauchen. Sie ziehen den größten Nutzen aus dem Praktikum, indem sie eine mehrmonatige Testphase mit einem entsprechenden Kandidaten durchlaufen können.

grünes Puzzlestück

Qualifiziertes Praktikum – Win-win-Situation für beide Seiten

Vieles bei der Praktikumsgestaltung bleibt den Beteiligten überlassen. Es gibt aber gewisse Grundüberlegungen, die ein qualifiziertes Praktikum tatsächlich zu einer Win-win-Situation für Unternehmen und Praktikanten machen werden. Darauf sollte bei einem Praktikum geachtet werden:

1. Das Praktikantenverhältnis wird ähnlich wie ein Arbeitsverhältnis durch ein ausführliches Vorstellungsgespräch angebahnt, in dem sich die beiden Seiten gegenseitig kennenlernen können. Das Praktikantenverhältnis wird dann auf Basis eines Vertrages schriftlich fixiert. In dem Praktikantenvertrag werden mindestens die Dauer des Praktikums, der Betreuer, die Lernziele, die Vergütung sowie Regelungen für den Urlaubs- und im Krankheitsfall festgeschrieben.

2. Der Praktikant erhält eine ausführliche Einweisung in seine Tätigkeit und das bereits am 1. Tag seiner Anwesenheit. Ihm wird ein Mentor zur Seite gestellt, es werden ihm alle Kollegen vorgestellt und er erhältst einen umfassenden Überblick über die betrieblichen Strukturen und seinen Aufgabenbereich.

3. Seine Aufgaben sind so gestaltet, dass nicht nur das Unternehmen profitiert, sondern auch er daraus Nutzen ziehen kann. Dabei gibt es zum einen die Möglichkeit, dass er abwechselnd verschiedene Stationen und Aufgabenbereiche im Unternehmen kennenlernt. Der Lerneffekt entsteht hier vor allen Dingen dadurch, dass er einen sehr großen Überblick über das gesamte Unternehmen und mögliche Tätigkeiten in diesem Bereich bekommt. Auf der anderen Seite kann es sich auch sehr positiv auswirken, wenn er einen intensiven Einblick in einen Themenbereich erhält.

Da ein Praktikum 3-6 Monate andauern sollte, ist möglicherweise auch eine Aufteilung möglich. Während er beispielsweise die ersten Monate abwechselnde Positionen im Unternehmen kennenlernt, ist er in den letzten 3 Monaten intensiv in einen Aufgabenbereich eingebunden. Dabei kann man ihm dann in den letzten 3 Monaten auch ein Projekt eigenverantwortlich übertragen, das er selbständig bearbeitet.

4. Im Idealfall erhält er mindestens zur Hälfte seiner Praktikumszeit ein erstes Feedback von seiner Betreuungsperson. Dabei kann dann von beiden Seiten auch über mögliche Übernahme-Chancen gesprochen werden. Er erhält am Ende seines qualifizierten Praktikums von dem Unternehmen ein schriftliches Zeugnis. Diese sollte mindestens Angaben über die Stellenbezeichnung, die Dauer seines Praktikums, die Praktikumsinhalte und das Lernziel seiner Praktikumstätigkeit aufführen. Schließlich sollten auch die von ihm neu erworbenen Fertigkeiten und Fähigkeiten sowohl fachbezogen als auch persönlich entsprechend gewürdigt werden.

grünes Puzzlestück

Rechtliche Rahmenbedingungen für ein Praktikum

Bei einem freiwilligen Praktikum gilt grundsätzlich das gesetzliche Mindestlohngebot. Außerdem hat der Praktikant Anspruch auf bezahlten Urlaub sowie Lohnfortzahlung während einer Erkrankung im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften. Da Datenschutz in Unternehmen eine immer größere Rolle spielt, hat dieses Thema auch seinen festen Platz in einem Praktikantenverhältnis.

Auch Praktikanten können mit sensiblen Unternehmensdaten oder den personenbezogenen Daten Dritter in Kontakt kommen. Deshalb müssen Unternehmen ihre Praktikanten auf Verschwiegenheit verpflichten und sie über entsprechende datenschutzrechtliche Regelungen aufklären. Die entsprechenden Maßnahmen gehören zur laufenden Datenschutzdokumentation in einem Unternehmen und damit an den Anfang einer jeden Praktikumstätigkeit.

grünes Puzzlestück

Erfolgreiches Praktikum für beide Seiten – auf die Einstellung kommt es an

Unternehmen und Praktikanten profitieren gleichermaßen von einem Praktikum, wenn beide Seiten das Lernziel einer Praktikantentätigkeit ernst nehmen und zur Grundlage des gesamten Praktikantenverhältnisses machen. Die viel gescholtene Ausnutzung von Praktikanten als vollwertige Arbeitnehmer ist immer ein Anzeichen dafür, dass die Einstellung des Unternehmens zum Praktikanten nicht stimmt.

Selbstverständlich ist die Betreuung eines Praktikanten für das Unternehmen mit einem gewissen Aufwand verbunden. Allerdings wird mit diesem möglicherweise der spätere, oftmals größere Aufwand erspart, wenn ein neuer, vollkommen betriebsfremder Mitarbeiter in ein späteres Arbeitsverhältnis eingearbeitet werden muss.

Unternehmen sollten deshalb immer etwas in die Zukunft schauen, wenn sie von einem Praktikantenverhältnis profitieren möchten. Ein Praktikant sollte darauf achten, dass der Lerneffekt in seinem Praktikum tatsächlich ernst genommen wird und er umfassend betreut wird. Dafür wird jedoch auch erwartet, dass der Praktikant entsprechend engagiert und motiviert ist.

Dieser Arbeitslebenartikel ist Teil von „Marcos Recruiting Blog“. Marco Kainhuber ist einer der Geschäftsführer des Software-Unternehmens GermanPersonnel. Wir bieten intelligente, datenbasierte Recruiting-Lösungen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie Fragen zu unserer E-Recruiting-Software persy, unseren p1-Onlineshop für Personalbeschaffung oder zu unserer Recruiting-Agentur pergenta haben.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.