Personaler und Bewerber müssen die gleiche Sprache sprechen

Personaler und Bewerber müssen die gleiche Sprache sprechen

Ihr Unternehmen braucht dringend einen neuen Mitarbeiter, und Sie sollen ihn (oder sie) mit einer wirkungsvollen Stellenanzeige einfangen und rekrutieren? Keine leichte Aufgabe, denn eine Stellenanzeige soll sowohl sachliche Informationen vermitteln als auch die besten unter den potenziellen Bewerbern ansprechen.

Erfahrene oder besonders empathische Bewerber achten allerdings auf jede Formulierung, denn sie wissen, dass eine Stellenanzeige nur in den seltensten Fällen die nackte, ungeschminkte Wahrheit verrät. Daher sollten Sie als Personaler ebenfalls ihren Blick für scheinbar gefällige Formulierungen schärfen und sie nur dann einsetzen, wenn sie damit die gewünschte Aussage erzielen.

Bevor wir hier aber in die Stellenanzeigen-Details gehen, soll wenigstens einmal daran erinnert werden, dass die richtige Bewerberansprache auch eine genaue Auseinandersetzung mit der Zielgruppe voraussetzt. Wir können hier nur wieder an Sie appellieren: Arbeiten Sie mit Candidate Personas, um Ihre Inhalte genau auf die potentiellen Kandidaten zuzuschneiden und diese auch dort zu veröffentlichen, wo sie von den richtigen Personen gefunden werden. Aber nun zurück zu den Stellenanzeigen.

Schöne Grüße von Captain Obvious

Ihr Unternehmen bietet ein „angenehmes Betriebsklima“ mit einem „attraktiven Gehalt“ bei „kollegialem Miteinander“? Das klingt bei oberflächlicher Betrachtung positiv, hält allerdings schon einem leicht kritischen Blick nicht mehr stand:

Würden Sie sich in einem Betrieb mit einem unangenehmen Betriebsklima oder mobbenden Kollegen bewerben wollen oder dort eine berufliche Perspektive entwickeln? Wohl kaum. Und dass die regelmäßige Gehaltszahlung eine wichtige Motivation ist, dürfte außer Frage stehen: Warum also solche Selbstverständlichkeiten extra herausstellen?

Als Personaler haben Sie nur eingeschränkte Möglichkeiten, um die Aufmerksamkeit von ihren Kandidaten zu gewinnen. Stellenanzeigen sind kompakt und müssen in wenigen Worten möglichst viele Informationen transportieren:

– Wer sucht?
– Wer wird gesucht?
– Was erwartet den Bewerber?
– Was erwartet das Unternehmen vom Bewerber?

Das alles muss so verpackt und vermittelt werden, dass möglichst viele passende Kandidaten unter den Interessenten erkennen: Das ist meine nächste Karriereoption. Dazu brauchen Sie jedoch nicht nur überzeugende Argumente, sondern vor allem eine klare Sprache. Denn die Botschaft muss in den Worten liegen, nicht zwischen den Zeilen.

Es wird Zeit für den Phrasenmäher

Der ideale Bewerber sollte sich mit seinem Profil in Ihrer Anzeige wiederfinden. Daher ist es wichtig, dass Sie klar formulieren, wen genau Sie suchen. Dabei müssen Sie nicht jede Formulierung auf die kreative Goldwaage legen, doch zumindest sollten Sie bei bestimmten Phrasen genau überlegen, ob diese tatsächlich die gewünschte Botschaft vermittelt.

So kann die Anforderung, der Kandidat müsse „belastbar“ sein, durchaus auch als Hinweis auf Arbeitsstress und zahlreiche Überstunden verstanden werden. Ein „hohes Maß an Eigenverantwortung“ kann darauf hindeuten, dass die Stellenziele und Aufgaben nicht klar definiert sind, und die Forderung nach „überdurchschnittlicher Einsatzbereitschaft“ klingt selbst für Berufseinsteiger eher nach Burn-out als nach Karrierechancen.

Neben der negativen Konnotation haben diese Standardformulierungen einen weiteren Pferdefuß: Sie finden sich als Textbausteine in vielen (allzu vielen) Stellenanzeigen. Wenn Sie als Personaler also außergewöhnliche Bewerber erreichen wollen, sollten Sie solche Phrasen vermeiden und besser Klartext schreiben. Formulieren Sie eindeutige Botschaften, welche Anforderungen der Kandidat erfüllen muss und welche er erfüllen sollte, was also Pflicht und was ein willkommener Kompetenzbonus wäre.

Am anderen Ende der Karriereleiter

Während Sie bei einer Stellenanzeige als Personaler in der Verantwortung sind, möglichst viele passende Kandidaten zu erreichen, sieht es bei einem Arbeitszeugnis anders aus. Hier müssen Sie als Personaler vor allem darauf achten, dass Ihre Formulierungen auch vor einem Arbeitsrichter Bestand haben – denn Arbeitszeugnisse müssen wohlwollend formuliert werden und dürfen den Arbeitnehmer nicht negativ darstellen.

„Übertragene Aufgaben wurden mit großem Fleiß und Interesse durchgeführt“ meint dabei nichts anderes als „die Leistungen waren unzureichend“. Und „Wir lernten Herrn X als sehr geselligen Kollegen kennen“ ist nicht als Hinweis auf hohe Sozialkompetenz gemeint, sondern codiert, dass der ehemalige Mitarbeiter auch während der Arbeitszeit gerne Alkohol konsumierte.

Personaler brauchen also ebenfalls Spezialfertigkeiten: Um geeignete Kandidaten zu erkennen, müssen Sie in der Lage sein, sich in unterschiedliche Perspektiven hineinzuversetzen. Bei der Formulierung von Stellenanzeigen und in Bewerbungsgesprächen müssen Sie die richtigen Töne treffen, um die besten Kandidaten zu erreichen und für sich zu gewinnen. Und bei der Erstellung eines Arbeitszeugnisses müssen Personaler dagegen selbst Minderleistungen noch halbwegs positiv verkaufen.

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