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Krank Arbeiten

Krank arbeiten – oder doch lieber zu Hause auskurieren?

Gründe und Folgen des Präsentismus

 
Viele gehen krank zur Arbeit. Das hat meistens negative, in einigen Fällen aber auch positive Gründe. Was gewinnt man, wenn man krank arbeitet? Die möglichen Nachteile sind meist gravierender für den Arbeitgeber, die Kollegen und letztendlich auch für einen selbst, als die vermeintlichen Vorteile.
 

Krank sein oder sich krank fühlen

 
Wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, gilt man als arbeitsunfähig und wird auch von einem Arzt krankgeschrieben. Dazu gehört z. B. Fieber (ab 38,0 Grad) oder eine Magen-Darm-Grippe. Bei einer Krankschreibung geht es unter anderem darum:
 
– ob (Bett-)Ruhe oder das Gegenteil (Bewegung z. B. bei Rückenschmerzen) notwendig sind, damit der Körper gesund werden kann, bzw. um den Betroffenen kurzfristig zu entlasten,
 
– ob man ansteckend ist für andere (z. B. Magen-Darm-Virus) oder
 
– ob man akut unter Schmerzen oder psychischen Belastungen leidet, die ein Arbeiten unmöglich machen.
 
Die Bandbreite von „sich nicht gut fühlen“ bis zu „arbeitsunfähig sein“ ist extrem groß – ebenso das individuelle Empfinden der Krankheitssymptome. In vielen Fällen bewegen wir uns in der Grauzone, in der jeder für sich selbst entscheiden kann und muss, ob er zu Hause bleibt oder zur Arbeit geht.
 

Was ist Präsentismus?

 
Arbeitspsychologen und Arbeitsmediziner sprechen von Präsentismus, wenn Arbeitnehmer krank zur Arbeit gehen, bzw. wenn die Arbeitsleistung durch gesundheitliche Beschwerden beeinträchtigt wird. Man kann davon ausgehen, dass jeder zweite bis dritte Kranke nicht zu Hause bleibt und sich auskuriert. Insbesondere die 30- bis 40-Jährigen, meist mit mehreren Kindern, schleppen sich krank zur Arbeit.
 

Warum geht man krank zur Arbeit?

 
In Zeiten von hoher Arbeitslosigkeit ist die Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes der Hauptgrund, krank in die Firma zu gehen. Aktuell herrscht jedoch in vielen Bereichen nahezu Vollbeschäftigung. Angst ist trotzdem eine Haupttriebfeder.
 
Viele können die Reaktionen von ihrem Chef oder ihren Kollegen nicht einschätzen und haben Angst davor. Gründe sind aber auch Leistungs-, Termin- und Zeitdruck. Wenn man seine Arbeit nicht erledigt häuft sie sich zudem entweder massiv an oder die Kollegen werden zusätzlich damit belastet.
 
Daneben gibt es auch positive Gründe, krank zu arbeiten. Diese kommen jedoch deutlich seltener vor als die negativen. Es handelt sich dabei um Menschen,
 
– die hoch motiviert sind,
 
– die sehr glücklich mit ihrem Job sind und
 
– die sich sehr für das Unternehmen engagieren.
 
Hinzu kommt, dass man sich oft in der zuvor beschriebenen Grauzone befindet: Man fühlt sich zwar nicht gesund, aber auch noch nicht wirklich bettreif.
 

Warum sollte man zu Hause bleiben?

 
Erstens, um möglichst schnell wieder vollständig gesund zu werden und zweitens, um keine Kollegen anzustecken. Man kann Krankheiten auch verschleppen, die dann im Anschluss viel heftiger ausbrechen und eine deutlich längere Pause erzwingen. Ein verschleppter grippaler Infekt kann sogar Ursache für eine gefährliche Herzmuskelentzündung sein.
 
Wer ein krankheitsbedingtes Ausfallen verhindern möchte und krank zur Arbeit kommt, riskiert, dass nicht nur er selber richtig krank wird und ausfällt, sondern auch Kollegen krank werden und ausfallen können. Für Arbeitgeber sind die wirtschaftlichen Auswirkungen dadurch immens. Die Kosten von Präsentismus sind Studien zufolge mindestens genauso hoch wie die Kosten krankheitsbedingten Fehlens.
 
Neben krankheitsbedingten Ausfällen weiterer Mitarbeiter durch Ansteckung begünstigt Präsentismus chronische Krankheiten durch das unvollständige Auskurieren. Darüber hinaus sinkt die Produktivität bei gleichzeitig erhöhter Unfallgefahr. Kommt der Chef krank zur Arbeit, kann dies auch eine Kettenreaktion auslösen. Seine Mitarbeiter fühlen sich dann oft unter Druck, ebenfalls krank zur Arbeit gehen.
 

Tipps, wenn du angeschlagen arbeitest

 
Wenn du dich im besagten Niemandsland zwischen krank und gesund befindest und dich für das Arbeiten entscheidest, solltest du es etwas ruhiger angehen lassen. Erledige die wichtigsten Aufgaben, aber ohne Stress. So verhinderst du, dass sich haufenweise Arbeit ansammelt. Dies wäre wahrscheinlich der Fall, wenn du gänzlich ausfallen würdest. Gleichzeitig reagierst du auf deinen angeschlagenen Körper, indem du einen Gang runterschaltest.
 
Eine weitere Variante ist, die Arbeit nach Hause zu verlegen, sofern dies möglich ist und vorausgesetzt, dein Arbeitgeber ist flexibel und offen dafür. Wer sich angeschlagen fühlt und bei feuchtkaltem Wetter überfüllte öffentliche Verkehrsmittel mit vielen kranken Menschen meiden möchte, tut gut daran, im Homeoffice zu arbeiten. Allein die Tatsache, nicht aus dem Haus gehen zu müssen, kann schon entlastend wirken. Dies ist jedoch keine Alternative bei echter Krankheit.
 

Wenn alle irgendwie angeschlagen sind

 
Besonders bei wechselhaftem, feuchtkaltem Wetter nehmen grippale Infekte massiv zu. Da sie durch Tröpfcheninfektion übertragen werden, kann jede Türklinke, jeder Aufzugknopf und jeder Telefonhörer die Erreger übertragen. Hygienemaßnahmen wie sorgfältiges und häufiges Händewaschen mit Seife sind deshalb v. a. in Erkältungszeiten dringend zu empfehlen. Manche Arbeitgeber stellen sogar Desinfektionsspender auf. Auch regelmäßiges Lüften verringert die Virenzahl.
 

Fazit: Wer richtig krank ist, sollte sich ausruhen und nicht arbeiten.

 

Friederike v. Hundelshausen

Friederike von Hundelshausen betreut Marcos Recruiting Blog von GermanPersonnel seit Februar 2016 und unterstützt das Social Media Team. Neben dem Schreiben eigener und dem Redigieren fremder Texte plant die Geisteswissenschaftlerin auch die Blog-Themen und organisiert Beiträge von Gastautoren.

2 Kommentare

  • Anne-Katrin

    28.04.2017 at 13:55 Antworten

    Hey,
    danke für einen interessanten Beitrag! Was halten Sie von dem Anwesenheitsbonus: http://blog.betriebsrat.de/gesundheitsschutz/anwesenheitsbonus-bei-daimler-nur-fuer-gesunde-mitarbeiter-anreiz-oder-symbolik/ ? Ist es eine gute Idee oder symbolische „Bestrafung für Kranke“ und eine Ausgrenzung für diejenigen, die sich eine Auszeit nehmen?

    • Friederike v. Hundelshausen

      28.04.2017 at 21:19 Antworten

      Danke für diese Anregung. Das beschriebene Modell ist ja nicht ganz neu. Private Krankenversicherungen zum Beispiel schütten am Ende eines Versicherungsjahres einen Bonus aus, wenn man nicht zum Arzt gegangen ist.
      Das ist leider ein Teil der Leistungsgesellschaft der Gegenwart. Umso wichtiger ist es sich im Privaten zu entschleunigen. Wenn Daimler eine solche leistungsgetriebene Unternehmenskultur fördern möchte ist es ok, wir von GP sehen das aber völlig anders.

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