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Missverständnisse durch HR-Deutsch

Personalverantwortliche und Bewerber müssen die gleiche Sprache sprechen

So verstehen Bewerber die Floskeln der Unternehmenswelt

 
Wer sich in der Sprache der Personaler nicht auskennt, wird von Schlagwörtern wie kreativ, belastbar oder überdurchschnittliches Gehalt förmlich erschlagen. Nicht selten entstehen bei den Formulierungen Missverständnisse. Wir zeigen Ihnen, was dahinter steckt.
 

Der Subtext bei Stellenanzeigen

 
Ein Anzeigentext dient der Darstellung der Kriterien, die ein Bewerber erfüllen muss, und soll die Vorteile des Unternehmens in den Vordergrund rücken. Die Aussagen klingen zunächst sehr gut und wirken einladend. Trotzdem bleibt es ein Geheimnis, wonach die Personalabteilung genau sucht. Ebenso schwierig zu erkennen ist der Subtext, der in eine Ausschreibung einfließt. Einige Mysterien wollen wir an dieser Stelle lösen.
 
Hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit: Chaos im Büro oder kurze Einarbeitungsphase.
 
Belastbarkeit: Steht oftmals für Überstunden oder Mehrarbeit.
 
Angenehmes Arbeitsklima: Eigentlich sollte das selbstverständlich sein.
 
Junges bzw. dynamisches Team: Kann ebenfalls mehrere Bedeutungen haben:
 
1. Es handelt sich um ein Start-up und der Großteil der Mitarbeiter ist nicht älter als Mitte 30.
2. Die ausgeschriebene Stelle wird von Bewerbern als Sprungbrett angesehen, um Erfahrungen zu sammeln. Das bedeutet eine hohe Fluktuation.
 
Leistungsbezogenes Gehalt: Die Vergütung erfolgt anhand Boni und Provision.
 

Die Fangfragen im Vorstellungsgespräch

 
In einem Vorstellungsgespräch wollen die Personaler die Person hinter der Bewerbung kennenlernen. Um sich von Ihrem Charakter sowie Eigenschaften zu überzeugen, stellen sie teilweise Fragen, die Ihnen vielleicht banal oder nicht relevant erscheinen. Ihr Gegenüber will herausfinden, wie Sie auf verschiedene Situationen reagieren. Dafür verwendet man oftmals Standardfragen wie „Warum haben Sie sich ausgerechnet in diesem Unternehmen bzw. für diese Stelle beworben?“.
 
Die Firma will wissen, ob sich die Bewerber eingehend mit der Struktur oder dem Tätigkeitsfeld beschäftigt haben. Nicht selten werden mittlerweile auch provokative Fragen gestellt, um Sie aus der Ruhe zu bringen und das Stresslevel auszuloten. Das mag für Sie als Bewerber unangenehm sein, kann für die ausgeschriebene Stelle hingegen relevant sein. Dennoch gibt es Themen, die in einem Vorstellungsgespräch unzulässig sind und auf die Sie gar nicht oder unwahrheitsgemäß antworten können.
 
Fragen zu diesen Themen sind unzulässig im Vorstellungsgespräch:
 
• Schwangerschaft, Familienplanung, Kinderwunsch
• Konfession
• Parteizugehörigkeit
• Sexualität
• Gesundheitszustand
 
Ausnahmen sind sog. Tendenzbetriebe wie kirchliche Einrichtungen, Verlage, Parteien, etc. Sofern der Gesundheitszustand für die Arbeit wichtig ist, darf auch dieser angesprochen werden (u. a. Arbeiten im Labor).
 

Die Frage nach dem Geld

 
Wenn es ums Geld geht, ist es immer ratsam, sich im Vorfeld über das Durchschnittsgehalt der jeweiligen Branche zu informieren. Viele Personalverantwortliche locken mit Aussagen über ein überdurchschnittliches Gehalt. Dann sollten Sie auch wissen, in welcher Höhe sich dieses befindet. Sie dürfen weiterhin nicht vergessen, dass ein Unternehmen Sie selbstverständlich so kostengünstig wie möglich einstellen möchte. Nehmen Sie daher niemals das erste Angebot an. Setzen Sie Ihre Gehaltsvorstellungen ruhig etwas höher an, so können Sie dem Personaler etwas entgegenkommen.
 
Ein Tipp von uns: Ziehen Sie Alternativen zur herkömmlichen Gehaltserhöhung in Erwägung. Solche Zusatzleistungen tun dem Unternehmen nicht weh, denn sie können diese größtenteils von Steuer absetzen. Es bedeutet für eine Firma auch keinen großen Mehraufwand, denn sie verfügen meistens über eine Firmensoftware wie die von Lexware für ihre Gehaltsabrechnungen. Die zugesicherten Sachwerte werden einfach in das Lohnprogramm eingepflegt.
 
Alternativen zur Gehaltserhöhung:
 
• Gutscheine
• Firmenzubehör (Dienstwagen, -handy, Laptop)
• Zuschüsse für externe Kinderbetreuung oder für Essen (wenn es keine eigene Kantine gibt)
• Betriebliche Altersvorsorge
• Weiterbildungen
 

Die Bedeutung hinter den Formulierungen im Arbeitszeugnis

 
Grundsätzlich ist es Arbeitgebern gesetzlich verboten, ihren Angestellten ein schlechtes Zeugnis auszustellen. Denn dies könnte den beruflichen Werdegang nicht nur behindern, sondern massiv gefährden. Daher formulieren Personalverantwortliche das Arbeitszeugnis positiv.
 
Achten Sie beispielsweise auf folgende Aussagen:
 
• stets zur vollsten Zufriedenheit
• zur vollsten/stets zur vollen Zufriedenheit
• zur vollen Zufriedenheit
• zur Zufriedenheit
• im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit
• hat sich bemüht
 
Während der erste Punkt dem Leser suggeriert, dass Sie hervorragende Arbeit geleistet haben, hinterlässt Punkt drei bereits einen faden Beigeschmack. Denn Sie können ihn mit der Schulnote drei vergleichen.
 
Ebenso wichtig sind die Textpassagen, die positiv klingen, aber eigentlich selbstverständlich sein sollten. Geht ein Arbeitgeber auf scheinbar banale Sachverhalte näher ins Detail, erweckt es schnell den Eindruck, als könnten Sie als Angestellter nicht mehr als die aufgeführten Tätigkeiten. Wenn Sie den Geheimcode des Arbeitszeugnisses entschlüsseln möchten, empfehlen wir Ihnen den Artikel Geheimcodes im Arbeitszeugnis.
 
Dieser Gastbeitrag wurde von Werner Metzler geschrieben. Er hat nach seinem BWL-Studium lange Zeit für das Wirtschaftsressort einer großen deutschen Tageszeitung geschrieben. Mittlerweile arbeitet er als freier Berater und verfasst zudem immer wieder Ratgeber-Artikel für Arbeitgeber und -nehmer.
 

Gastbeitrag

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