Eine Versicherung für Arbeitsrechtsschutz

Eine Versicherung für Arbeitsrechtsschutz

Lohnt sich das für Arbeitnehmer?

Mit Versicherungen ist es so eine Sache. Die einen möchten sich gegen alles und jedes absichern, andere sehen in Versicherungen lediglich Geldmacherei. Zwischen diesen schwarz-weiß-Extremen gibt es natürlich noch viele Graustufen. Unabhängig davon, ob du Streit regelrecht anziehst oder nicht, kann jeder auch im Job in Situationen kommen, in denen man mit fachkundiger, anwaltlicher Hilfe eindeutig besser beraten ist. Die Frage ist nur: Lohnt sich dafür eine Rechtsschutzversicherung?

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Arbeitsrechtsschutz – wozu?

Das Arbeitsrecht ist komplex. Brauchst du eine fachkundige Beratung oder sogar eine rechtliche Vertretung, dann übernimmt dies eine Rechtsschutzversicherung, wenn man diese für das Arbeitsrecht abgeschlossen hat. Ein Anwalt berät und informiert dich dann über deine Rechte, die du möglicherweise selber gar nicht kennst und vertritt dich auch vor Gericht, sollte dies notwendig sein.

Dein Arbeitsvertrag ist zwar ein erster Anhaltspunkt für deine Rechte und Pflichten, aber längst nicht alle Vereinbarungen innerhalb dessen sind rechtlich bindend. Im Streitfall, der oft z. B. bei einer Kündigung eintritt, lohnt sich die Beratung durch einen Anwalt. Ohne private Rechtsschutzversicherung muss man die anfallenden Kosten selber tragen.

Bei einer Erstberatung ist das jedoch überschaubar und liegt je nach eigenem Verdienst zwischen 10 und 190 Euro. Bei weiteren Anwaltskontakten richten sich die Kosten nach der für jedermann einsehbaren Gebührenverordnung (GVO). Wer also z. B. ein nicht ausbezahltes Gehalt einklagen will, kann sich im Vorfeld genau darüber informieren, wie viel ihn das Verfahren kosten wird.

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Reicht der gesetzliche Arbeitsschutz nicht?

In Deutschland sind Arbeitnehmer rechtlich stark geschützt. So sind beispielsweise Kündigungen normalerweise nicht – wie etwa in Amerika – von heute auf morgen möglich und bedürfen ganz bestimmter Voraussetzungen und Vorgehensweisen.

Also: Ja, der Schutz der Arbeitnehmer ist groß in Deutschland. Aber: Man muss seine Rechte zum einen kennen und zum anderen selbst dafür eintreten, wenn dies kein Betriebsrat oder keine Gewerkschaft für einen tut.

Und genau da ist der Haken. Die wenigsten werden weder all ihre Rechte kennen, noch sofort merken, wenn Vereinbarungen rechtswidrig sind, Fristen versäumt wurden, etc. All dies kann ein erfahrener Arbeitsrechtler jedoch überprüfen und berät dich. Ist ein Vorgehen deines Arbeitgebers nicht korrekt, weiß der Arbeitsrechtler, wie du am besten vorgehst.

Beratungsbedarf besteht im Übrigen nicht nur im Streitfall. Vertragsabschlüsse oder Vertragsänderungen sind in manchen Fällen auch sinnvoll von einem Fachmann gegenchecken zu lassen. Nicht zuletzt dadurch lässt sich so im Vorfeld bereits möglicher, nachträglicher Streit verhindern.

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Milchmädchenrechnung oder vorausschauende Absicherung?

Bei beruflichen Streitigkeiten müssen die Anwalts- und Gerichtskosten, unabhängig vom Gerichtsurteil in erster Instanz, von den Streitparteien jeweils selbst getragen werden. Allein diese Aussicht hält viele nicht versicherte Arbeitnehmer davon ab, sich Rechtsbeistand zu nehmen.

Die Höhe der Kosten ist jedoch vorhersehbar, denn sie richten sich, wie bereits erwähnt, nach der GVO.

Wenn du überlegst, ob du eine Rechtsschutzversicherung abschließt, solltest du dich auch mit der Höhe des Eigenanteils beschäftigen. Schließt du eine Versicherung ohne Eigenanteil ab, ist die monatliche oder jährliche Versicherungssumme deutlich höher, jedoch werden von der Versicherung sämtliche Kosten übernommen.

Hast du dich dagegen für einen Eigenanteil entschieden, um die permanent auch ohne Inanspruchnahme der Versicherung anfallenden Kosten zu senken, kann es gut sein, dass der Eigenanteil die Anwaltsrechnung überschreitet.

Ob sich eine Arbeitsrechtsschutzversicherung für dich lohnt, hängt somit vom Streitwert ab und dieser ist abhängig von deinem Einkommen.

Der Streitwert von beispielsweise 3 fehlenden Monatsgehältern eines Abteilungsleiters ist logischerweise höher, als der Streitwert von 3 fehlenden Monatsgehältern eines angestellten Bürokaufmanns. Für geringfügig Beschäftigte wird sich die Versicherung nie lohnen, für Manager dagegen schon. Die breite Masse dazwischen sollte sich einfach überlegen:

– ob sie im Streitfall alle verfügbaren Rechtsmittel einsetzen würde (das kann zeitintensiv und evtl. auch psychisch belastend sein, sein „Recht“ zu erkämpfen – lohnt sich das?)

– und dies aber ohne (abhängig vom Eigenanteil) zusätzliche Kosten erreichen möchte

– und deshalb bereit ist monatlich/jährlich die Versicherungsbeiträge zu bezahlen.

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Was gehört zum Leistungsumfang des Arbeitsrechtsschutzes?

  • anwaltliche Hilfe und Gerichtskosten
  • Kündigung
  • Mobbing
  • Ausbleiben der Gehaltszahlungen
  • belastende Arbeitszeugnisse
  • Hilfe bei Abmahnungen
  • Abfindungen
  • Verfahren zu außergerichtlichen Lösungen

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Besonderer Klärungsbedarf

Oft kommt man erst auf die Idee eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen, wenn es bereits Probleme gibt. In diesem Fall ist es ratsam zu klären, ob bereits bestehende Auseinandersetzungen mitversichert sind.

Dies ist jedoch eher unwahrscheinlich, da meist Wartezeiten von mehreren Monaten vereinbart werden. Besondere Versicherungsoptionen gibt es normalerweise auch für Beamte und Selbständige.

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Vertragskündigung seitens der Versicherer

Es gibt Versicherungen, die kündigen ihren Kunden den Vertrag schon nach der ersten Inanspruchnahme ihrer Police. Leider ist dies immer häufiger zu beobachten und führt zu Verunsicherungen seitens der Versicherungsnehmer.

Bevor du dich also für ein Unternehmen entscheidest, solltest du dir auch die Bewertungen der vielen Anbieter genauer betrachten.

Heutzutage bleiben Kritik und gute Erfahrungen nicht anonym, sondern werden bewusst ins Netz gestellt. Schwarze Schafe gibt es in allen Branchen und auch deswegen lohnt es sich, nicht allein die Vertragskriterien, sondern auch die Erfahrungen der Versicherer zu betrachten.

Andererseits gibt es Streithammel, die wegen jeder Kleinigkeit vor Gericht ziehen. Eine Kündigung des Vertrages seitens des Dienstleisters ist in diesem Fall durchaus legitim.

Dieser Arbeitslebenartikel ist Teil von „Marcos Recruiting Blog“. Marco Kainhuber ist einer der Geschäftsführer des Software-Unternehmens GermanPersonnel. Wir bieten intelligente, datenbasierte Recruiting-Lösungen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie Fragen zu unserer E-Recruiting-Software persy, unseren p1-Onlineshop für Personalbeschaffung oder zu unserer Recruiting-Agentur pergenta haben.

Friederike von Hülsen

Friederike von Hülsen betreut Marcos Recruiting Blog von GermanPersonnel und unterstützt als Community Managerin das Social Media Team. Neben dem Schreiben eigener und dem Redigieren fremder Texte plant die Geisteswissenschaftlerin auch die Blog-Themen und organisiert Beiträge von Gastautoren.

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