Mensch versus Maschine – Future of Recruitment

Mensch versus Maschine

Future of Recruitment

Hört man Menschen zu, die über die neuesten technologischen Entwicklungen sprechen, weil sie diese Technologien entweder selber entwickeln, mit diesen Menschen zusammenarbeiten oder durch den Austausch mit ihrem globalen Netzwerk stets am Puls der Zeit sind, dann ist das einfach faszinierend. So empfand ich es – und wahrscheinlich der Großteil der Zuhörer bei GermanPersonnel, – als Curt Simon Harlinghausen bei unserem Event „Online Marketing meets Recruiting“ sprach.

Er ist wie wenige nicht nur technologisch up to date, viel mehr hat er auch das Hintergrundwissen durch seine praktische Erfahrung aus einer Vielzahl an globalen technischen und strategischen Projekten sowie seinen Lehrtätigkeiten, um die Bedeutung und die Auswirkungen der neuen Entwicklungen richtig einzuschätzen. Mit diesem Artikel möchte ich an ein tolles Event erinnern und den Input seines spannenden Vortrags über die anwesende Zuhörerschaft hinaus weitergeben.

aufsteigende Rakete

Vom Zeitalter der Sensoren und der digitalen Empathie

Simon beginnt seinen Vortrag mit der Stimulation unserer 5 Sinne und schlägt dann die Brücke zur Sensorik. Die meisten Menschen unterschätzen die Bedeutung der kleinen, allgegenwertigen Helferlein. Allein ein Smartphone hat mittlerweile schon zwischen 25 und 65 Sensoren verbaut. Facebook hat momentan Zugriff auf 3,2 Milliarden Smartphones und damit auf deren Sensoren. Was Facebook davon hat?

Es geht ums Verstehen, nicht nur der eigenen Nutzer, insbesondere um den Kontext, in dem sich die Nutzer befinden. Die Vernetzung von Information ist von größtem Interesse.

Die durch Sensoren gewonnenen Daten ermöglichen dieses Verstehen erst. Mit dem EQ-Radio gibt es bereits eine Technologie, die durch Wifi-Wellen die Emotionen von Menschen erkennt. Ausschlaggebend sind dabei Körpersignale wie Herzfrequenz und Atmung. Die Genauigkeit der Ergebnisse beträgt bis zu 96%.

Zunächst entschied man sich dafür die Technologie in Kombination mit Heatmaps im Security-Bereich auf Flughäfen einzusetzen. Ziel ist es, Menschen zu erkennen, deren äußeres (ruhiges) Verhalten nicht im Einklang steht mit ihrem (massiv beschleunigten) Herzschlag und der Atmung. Die Diskrepanz ist quasi ein Alarmsignal, dass etwas nicht stimmt. Eine so identifizierte Person „darf“ ein zweites Gespräch mit einem Sicherheitsbeamten führen.

Die Technologie wird in den USA aber auch in Bewerbungsgesprächen und Assessment Centern eingesetzt. Nur durch den Abgleich von Bewegungen einer Person, seiner Atmung und seinem Herzschlag beurteilt die Technologie somit, ob jemand lügt, sich unsicher fühlt, wie er auf Fragen reagiert u. v. m.

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Das Marketing ist weit vorne, beim Einsatz neuester Technologien

Die Technologie von sentiance – ein Sensor Software Developing Kit (SDK) – ersetzt beispielsweise Sinusmilieus durch realitätsnahe Einteilungen. In Echtzeit wird erkannt, in welcher Situation sich ein Mensch befindet. Dadurch ist es möglich Menschen die Informationen auszusteuern, die sie in dem Moment auch benötigen und verarbeiten können.

Die Rezeption des Roboterhotels in Japan 3 Empfangsroboter im automatisierten Hotel in Japan

Rasanter Wandel der Arbeitswelt

Der Mensch wird zunehmend durch Roboter ersetzt. Bei dem Gedanken eine Cola statt am Kiosk am Automaten zu kaufen denkt niemand an einen verlorenen Arbeitsplatz. Hierbei jedoch schon: Simon stellt uns ein digital und maschinell geführtes Hotel in Japan vor. 17 Menschen arbeiten noch in diesem Hotel (mit 412 Betten), mehr ist nicht nötig.

Und die Entwicklung schreitet rasant voran. Die Rechenleistung eines heutigen Smartphones hatte vor fünf Jahren nicht mal ein Computer. Der globale Wettbewerb führt dazu, dass immer mehr Mehrwerte geschaffen werden müssen, Arbeiten von überall möglich ist, die Automatisierung Arbeitsplätze ersetzt und insgesamt alles schneller, weiter und besser werden muss.

In den nächsten 10 Jahren können in China 51% aller Arbeitsplätze durch Roboter ersetzt werden, in Italien sind es 50%, in Japan sogar 56%.

Durch die Automatisierung wird die Arbeitslosigkeit steigen, so seine These. Da stellt sich die Frage: Wie kann man Menschen auf diese rasanten Entwicklungen vorbereiten? Wie kann man sie fortbilden?

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Der Schlüssel der Zukunft ist Lernen

Wir müssen neu lernen, so Simon, denn: So wie wir früher gelernt haben, lernen heute die Maschinen.

Durch Künstliche Intelligenz (KI) können sich Maschinen selbständig hinterfragen und kontinuierlich verbessern oder verändern.

Experiment von Facebook: Im Sommer 2017 ließ man zwei Maschinen auf Englisch miteinander reden. Die Maschinen haben dann angefangen eine eigene Sprache zu entwickeln und sich weiter unterhalten. Da man nicht mehr wusste was sie reden, wurden sie abgeschaltet. Man konnte die Gespräche nicht mehr kontrollieren.

Die Gefahr künstlicher Intelligenz ist an diesem Beispiel sehr deutlich: Wenn eine Selbständigkeit entsteht, verliert der Mensch die Kontrolle.

Wir haben noch keine ganzheitliche, ethische Grundlage was passiert, wenn wir eine Intelligenz haben, die wir nicht zuordnen können.

Die gute Nachricht, so Simon, ist, dass Maschinen keine Träume und Visionen haben und noch keine Bedürfnisse …. außer Daten. Dabei steht jedoch eindeutig Qualität vor Quantität.

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3-C-Prinzip für Daten: correct – consistent – complete

Da überall Daten gesammelt werden, ist das Datenvolumen in den Unternehmen riesig. Viele Datenbestände sind jedoch unbrauchbar.

Wenn man Daten sammelt, sollten sie dem 3-C-Prinzip folgen: correct, consistent, complete.

Alles andere braucht man nicht sammeln, denn „Shit in. Shit out“, so Simon ganz salopp. „Korrekt“ (=100%) ist jedoch fast unmöglich. 90 oder 95% bedeutet schon exakt/genau und das reicht oftmals. Notwendig ist konsistent und komplett.

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Motivation im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit

Was macht man mit den Daten? – Man will, wie eingangs erwähnt, Zusammenhänge verstehen und so herausfinden, wann jemand warum was macht, um hierauf gezielt reagieren zu können.

Im Marketing steht deshalb heute nicht mehr das Bedürfnis im Mittelpunkt, sondern die Motivation für eine Handlung.

Auch die Steuerung der Kommunikation richtet sich danach. Das gilt nicht nur bei Kaufentscheidungen, sondern beispielsweise auch bei der Entscheidung für einen Jobwechsel.

Der emotionale Status ist dabei wichtig. Wenn Max von einem Kollegen richtig genervt ist und mal wieder eine ärgerliche Situation mit ihm erlebt, dann ist genau in dem Moment die Motivation von Max sehr hoch, seinen Job zu wechseln. Ein Jobangebot würde jetzt auf Sympathie und Wechselwillen stoßen.

Die Auswirkungen neuester Technologien gehen aber viel weiter, als passgenaue Werbebotschaften – hier in Form der Stellenanzeige als Werbung, die im richtigen Moment ausgespielt wird.

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Personalplanung in Echtzeit?

Wo die bereits beschriebenen Heatmaps in Flughäfen im Einsatz sind, wird nicht nur die gezielte Aussteuerung von Informationen eingesetzt, so dass Businessreisende z. B. andere Werbung als Reisende mit Kindern bekommen, sondern:

Die ganze Flughafen-Personalplanung konnte bereits optimiert werden. Konkret heißt das: Personalabbau von 30%, „nur“ weil man Menschenströme analysiert, mit Abflug- und Landezeiten abgleicht, man durch Sensoren weiß wie es den Menschen geht und aus diesen und vielen weiteren Daten sehr genaue Vorhersagen treffen kann, was sie gleich tun werden.

In umfangreichen Datenmodellen werden die Touchpoints – die wichtigsten Einflüsse im Marketing in Zukunft – dargestellt und analysiert. Daraus werden dann digitale Strategien entwickelt.

Ziel ist das kontextuelle Matching in Echtzeit.

„The better is the enemy of the good“

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Wir, bzw. die Maschinen, werden immer besser und schneller. Dass AlphaGo den zweitbesten Go-Spieler der Welt 2016 im komplexesten Spiel der Welt – Go – besiegt hat, hielt man davor für vorerst nicht so schnell für möglich. Die Entwicklung ist rasend schnell. Das gilt für die Marketing-Automatisierung, aber auch für andere Bereiche, wie z. B. die Vernetzung von Gegenständen (Internet of things: IoT).

RPA – robotic process automation ist auf dem Vormarsch.

Die Vorteile von RPA liegen auf der Hand:

  • viel schnelleres Tempo (24/7)
  • fast 100% fehlerfrei
  • große Kostenersparnis
  • selbstlernende Prozesse dank AI Integration

Accounting-, Finance-, Service- und Administrations-Arbeiten können durch RPA übernommen werden. Die Rechenleistung ist unvorstellbar. Statt Menschen ersetzend, ist das auch Menschen unterstützend möglich. Wenn z. B. ein Supportmitarbeiter in Echtzeit alle benötigten Infos vom System zur Verfügung gestellt bekommt.

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Wie sieht die Zukunft aus?

Auch wenn man es kaum glauben kann, aber all das Beschriebene ist bereits Realität. Und die Entwicklung kennt keinen Stillstand. Was gilt dann noch, was ändert sich?

Content ist still king.
Realtime content is kingkong.
Realtime Content with context is Donkey Kong.

Künftig sollen Informationen in Echtzeit mit „meinen“ Informationen aus „meiner“ Umgebung gematched werden. Und so müssen Informationen beschaffen sein:

snackable – shareable – surprising – strategic – speed – simple

Zum Teil hat Simon uns düstere, hier nicht einzeln aufgeführte Beispiele bereits realisierter Technologieeinsätze vorgestellt. Da gerät der ein oder andere Zeitgenosse schnell in eine Abwehrhaltung zur Digitalisierung.

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Simon belässt es aber nicht bei den Schockmomenten, was uns Zuhörer mit negativen Zukunftserwartungen in die Nacht entlassen hätte. Als Visionär, Treiber und Vordenker macht er auch Mut, hat Erklärungen und Antworten parat. Die Medizin wird wesentlich leistungsfähiger und in unterentwickelten Ländern führt die Technologisierung zu neuen Arbeitsplätzen und Verbesserungen von Lebensbedingungen. Aber auch für ältere Menschen sind Roboter eine Hilfe, und durch neue Währungskonzepte sind Betrug und Diebstahl von Vermögen sowie kriminelle Machenschaften schwieriger.

Kreativität ist ein wichtiges Merkmal mit dem wir Menschen uns von Maschinen unterscheiden, so Simon. Sein Schlusswort ist, dass es künftig darum geht Dinge zu vernetzen, nicht mehr nur darum, Neues zu erfinden. Wir müssen neugieriger und offen für Neues sein.

Danke Curt Simon Harlinghausen für diese Einblicke und besonders für Deine Einschätzung und Bewertung dieser unglaublichen Entwicklung!

GermanPersonnel ist Experte für E-Recruiting. Wir bieten intelligente, datenbasierte Recruiting-Lösungen. Wenn Ihre Stellenanzeigen nicht den gewünschten Bewerberrücklauf haben, nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne, auch zum Thema Social Recruiting und wenn Sie sich für unsere E-Recruiting-Software PERSY oder die Dienstleistungen unserer Recruiting-Agentur PERGENTA interessieren!

Friederike von Hülsen

Friederike von Hülsen betreut Marcos Recruiting Blog von GermanPersonnel und unterstützt als Community Managerin das Social Media Team. Neben dem Schreiben eigener und dem Redigieren fremder Texte plant die Geisteswissenschaftlerin auch die Blog-Themen und organisiert Beiträge von Gastautoren.

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