Chef sein, aber in Teilzeit

Chef sein, aber in Teilzeit

Im Wandel der Zeit: Führungskräfte arbeiten vermehrt in Teilzeit

Von einem starken Aufwärtstrend ist zum aktuellen Zeitpunkt hinsichtlich von Führungskräften in Teilzeit nicht zu reden. Trotzdem erhält dieses Thema in vielen Unternehmen immer größere Aufmerksamkeit. Spezielle Programme werden entwickelt und Führungskräfte dazu motiviert, durch Teilzeitführung die eigene Work-Life-Balance zu optimieren. Obwohl Deutschland heute noch im Mittelfeld rangiert, ist ein Fortschritt hinsichtlich von Teilzeit-Managern zu verzeichnen. So z. B. in den Niederlanden, wo jeder fünfte Chef erfolgreich in Teilzeit arbeitet.

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Unternehmen mit Vorbildwirkung

Vor allem die großen deutschen Vorzeigeunternehmen fördern das Modell Teilzeitchef gezielt. So lässt der Allianz-Vorstandsvorsitzende spezielle Programme entwickeln, um mehr Managern die Führung in Teilzeit zu ermöglichen. Der Telekom-Manager Roman Zitz bestätigt die Philosophie des Unternehmens, die Führungskräfte dazu motiviert, die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben durch außergewöhnliche Wege zu optimieren. Aus eigener Erfahrung spricht ein Bankmanager. Er arbeitete zwölf Jahre lang mit großem Erfolg als Teilzeit-Führungskraft und wurde in diesem Zeitraum zweimal befördert.

Doch wo liegt die Grenze der Teilzeitarbeit für Führungskräfte? Die Personalmanagerin der Deutschen Bank beziffert diese mit weniger als 50 Prozent der üblichen Arbeitszeit. In diesen Fällen funktioniert das Konzept nur bei ausgewählten Positionen kombiniert mit Job-Sharing. Ebenfalls kompliziert wird es in Positionen mit hohem Vernetzungsgrad oder dann, wenn es oft zu unvorhergesehenen Ereignissen kommt, die eine Anleitung der Mitarbeiter durch die Führungskraft vor Ort zwingend erfordern.

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Teilzeit bedeutet nicht immer 50 Prozent der üblichen Arbeitszeit

Besonders wichtig ist es zu verdeutlichen, dass eine gewünschte Teilzeitanstellung als Führungskraft nicht zwangsläufig mit 50 Prozent der üblichen Arbeitszeit einhergehen muss. In vielen Fällen sind 70 Prozent ein idealer Kompromiss für alle Beteiligten. Wie gut dies funktioniert, beweist die Leiterin des Forschungsbereichs Sofwareintensive Systeme bei Bosch. Als Führungskraft von 50 Mitarbeitern nimmt sie einen ganzen Tag pro Woche frei und gestaltet ansonsten ihre Arbeitszeit verhältnismäßig flexibel. Nur am Montag und Mittwoch ist für sie um 16.00 Uhr Feierabend.

Aber auch in Österreich, wo innerhalb der EU nach den Niederlanden die meisten Teilzeitkräfte beschäftigt sind, zeigt sich ein Trend des Teilzeit-Managements. So setzt IKEA Österreich gezielt auf die Karriere als Teilzeit-Führungskraft für Frauen und fördert das Jobsharing. Die Raiffeisenbank mit ihren zahlreichen Tochterunternehmen unterstützt diese Führungsform ebenfalls.

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Stimmen die Voraussetzungen, ist Führen in Teilzeit kein Problem

Entscheidet sich ein Unternehmen, seinen Führungskräften Teilzeitlösungen anzubieten, sind im Vorfeld verschiedenste Aktivitäten erforderlich. Die Grundlage bildet eine aussagekräftige Aufgaben- und Umfeldanalyse.

  • Eine Teilzeitführung funktioniert nur dann, wenn die Führungsaufgaben klar definiert und abgegrenzt sind.
  • Die Zusammenarbeit unterliegt klaren Spielregeln. Dies gilt vor allem innerhalb der Entscheidungs- und Besprechungs-Kultur. Teilzeitführungskräfte dürfen keinesfalls benachteiligt werden.
  • Je größer die Mitarbeiterautonomie ist, umso erfolgreicher führen sich Mitarbeiter selbst. Über ein strategisches Aufgabenmanagement erhalten die Arbeitnehmer die Kompetenz zur Selbstführung. Dabei handelt es sich um einen mittel- bis langfristigen Prozess.
  • Flexibilität für Teilzeit-Manager bedeutet flexible Arbeitszeiten, die sich den tatsächlichen Anforderungen des Unternehmens anpassen. Mobile Technologien unterstützen das Arbeiten im Homeoffice.
  • Schlussendlich muss die Teilzeitführung selbst Bestandteil der Unternehmenskultur werden. Immerhin ist in vielen Unternehmen, aber auch bei Mitarbeitern, ein Umdenken erforderlich. Denn lange Zeit galt Teilzeitarbeit als wenig karrierefördernd und nur sinnvoll für Positionen mit geringen Qualifikationen.

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Fachliche Kompetenz ist als Führungskraft oft nachrangig

Für viele Unternehmen steht immer noch die fachliche Kompetenz im Vordergrund. Altgediente Experten, die sich durch ihr Fachwissen auszeichnen, werden automatisch als zukünftige Führungskräfte angesehen. Nur selten wird bedacht, dass die zusätzlichen Aufgaben als Führungskraft Kompetenzverluste durch Überlastung nach sich ziehen können.

Oft ist es sinnvoller, ausgewiesene Experten in ihrer wichtigen Position zu belassen und sie nicht zusätzlich mit Führungsaufgaben zu belasten. Vielmehr werden diese Spezialisten zu Beratern jener Führungskräfte, die für diese Aufgabe ideale Voraussetzungen wie Organisationstalent, Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen, Empathie und andere Führungsfähigkeiten mitbringen.

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Chef in Teilzeit bringt Vorteile für alle

Noch viel zu oft sehen Unternehmen den Wunsch einer Führungskraft nach Teilzeitarbeit als Druckmittel und stimmen nur zu, um den Mitarbeiter nicht zu verlieren oder eine Klage zu vermeiden. Dabei profitieren oft Arbeitnehmer und Arbeitgeber von dieser Lösung. Denn ein kompetenter Manager sieht seinen Aufgabenbereich in der Führung der Mitarbeiter, die keinesfalls mit einer Aufsichtspflicht der Mitarbeiter verbunden ist.

Delegieren Chef oder Chefin einen Teil ihrer Aufgaben an kompetente Teammitglieder, fördert dies die Eigenverantwortung, die Motivation und Leistungsbereitschaft.

Die Teilzeitführungskraft konzentriert sich vorwiegend auf Ihre Führungsaufgaben und setzt diese durch das klar umgrenzte Aufgabengebiet wesentlich effizienter um. Denn eines muss jedem Unternehmen bewusst sein. Das operative Geschäft zu 100 Prozent zu managen und gleichzeitig ein mehr oder weniger großes Team zu führen, geht immer mit Qualitätsverlusten auf allen Ebenen einher.

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Vom Vollzeitmanager zur Führungskraft mit reduzierter Arbeitszeit

Ein Thema, das die Arbeitsgerichte immer wieder beschäftigt, ist die Rückkehr einer Vollzeit-Führungskraft aus der Elternzeit, die nun auf Teilzeitarbeit im gleichen Aufgabengebiet besteht. Für Unternehmen ist es zumeist ein Gewinn, umzudenken und dem Teilzeitvorschlag offen gegenüberzustehen. Denn durch die weiter oben genannten Punkte in der Vorbereitungsphase leiten Sie Änderungen im Unternehmen ein, die sich in unterschiedlichsten Bereichen positiv auf die Motivation aller Mitarbeiter auswirken.

Dies gilt ebenfalls für den Karrierestart von Mitarbeitern nach der Elternzeit, die jedes Recht auf Förderung besitzen. Immerhin ist das Human Capital eines Unternehmens einer der wertvollsten immateriellen Vermögenswerte. Einen Einblick, wie sich das eigene Berufsleben mit Kindern verändern kann und wie das Arbeiten mit anwesenden Kindern aussehen kann zeigen die Artikel: Homeoffice zwei anwesenden Kindern und Karriere adé: Alleinerziehender Vater im Homeoffice.

Als Mitarbeiter oder Führungskraft seine Stundenanzahl irgendwann zu verändern, ist das eine. Ob man jedoch Chancen hat, als Externer, der in Teilzeit arbeiten möchte, eine in Vollzeit ausgeschriebene Führungspostion zu bekommen, ist dagegen fraglich. Dies erfordert, dass man als Bewerber sehr gute Argumente und Lösungsvorschläge hat, wie man die Anforderungen an die Stelle gegebenenfalls anders aufteilen kann und auf der anderen Seite ein aufgeschlossenes Unternehmen, das bereit ist neue Wege zu gehen.

Dieser Arbeitslebenartikel ist Teil von „Marcos Recruiting Blog“. Marco Kainhuber ist einer der Geschäftsführer des Software-Unternehmens GermanPersonnel. Wir bieten intelligente, datenbasierte Recruiting-Lösungen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie Fragen zu unserer E-Recruiting-Software PERSY, unseren POSTER-Shop für Personalbeschaffung oder zu unserer Recruiting-Agentur PERGENTA haben. Ganz neu in unserem Portfolio ist PARTS für eine programmatische, zielgruppenspezifische und kostenoptimierte Ausspielung von Stellenanzeigen.

 

Die GermanPersonnel-Team-Beiträge sind immer das Werk mehrerer Autoren. Es handelt sich entweder um extern in Auftrag gegebene Texte, die intern angepasst, bzw. umgeschrieben wurden oder um Texte von einer/einem oder mehreren Kolleginnen/Kollegen, die ebenfalls von Friederike aus dem Content Marketing überarbeitet wurden.

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