Personaldienstleister pleite wegen DSGVO?

Personaldienstleister pleite wegen DSGVO?

Rückblick auf 3 Monate DSGVO in Deutschland

Man kam nicht um das Thema Datenschutz herum in diesem ersten Halbjahr. Die Stimmung schwankte zwischen genervt und überfordert, wen man auch fragte. Nun ist wieder Ruhe auf Facebook und Co. eingekehrt. Aber sind einfach nur alle datenschutzmüde und wollen nichts mehr von DSGVO wissen oder trügt der Schein und alle arbeiten stillschweigend weiterhin an der Datenschutzkonformität ihrer Webpräsenzen und sonstigen Aktivitäten? Wie stark blutet die Zeitarbeitsbranche?

Wir haben wieder Stephan Frank als Experten befragt. Er betreut diverse Unternehmen als externer Datenschutzbeauftragter und hat somit einen guten Einblick in die Praxis unterschiedlicher Unternehmen, v. a. in der Personaldienstleistungs-Branche. Gleichzeitig verfolgt er die aktuelle Rechtsprechung und steht im Austausch mit anderen Datenschutzexperten.

Sprechblasen-Dialog

1. Musste ein Zeitarbeitsunternehmen schließen, wegen der DSGVO? Wie stark traf das Datenschutzthema die Personaldienstleister?

Toi, toi, toi – bisher habe ich noch nicht gehört, dass es jemanden wegen des Datenschutzes „zerbröselt“ hätte. Wahr ist, das reformierte AÜG, Equal-Pay und die DSGVO stellen eine wahre Belastung für Personaldienstleister dar. Im Moment richtet sich der Augenmerk von Aufsichtsbehörden mehrheitlich noch nach innen, „Wie werden wir prüfen?“, „Welche Anforderungen stellen wir an die Rechenschaftspflicht?“ und auch die Frage, wie mit den vielen Anfragen umgegangen werden soll.

Treffen wird der Datenschutz besonders diejenigen Verantwortlichen, die mit der Verarbeitung von personenbezogenen Daten ihr Geld verdienen, sprich deren Kerntätigkeit die umfangreiche Verarbeitung von personenbezogenen Daten ist. Hier müssen sich alle Personaldienstleister tatsächlich angesprochen fühlen, unabhängig von der eigenen Größe und Zahl der internen Mitarbeiter.

Sprechblasen-Dialog

2. Der 25. Mai war ja quasi ein Stichtag, der allen mit Webpräsenz den letzten Nerv gekostet hat. War die sich davor wöchentlich steigernde Panik, die auch in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde, aus Ihrer Sicht berechtigt?

Stichtage sind Stichtage – Arbeit dehnt sich solange aus, wie für ihre Erledigung Zeit ist und dann muss auf den letzten Drücker gehetzt werden. Eine gesunde Vorsicht und vor allem den Weg zum DSGVO-konformen Datenschutz jetzt angetreten zu haben, wird zum Erfolg führen. Die Rechenschaftspflicht verlangt nachweisen zu können, dass die Grundverordnung eingehalten wird.

Über die Perfektion der Umsetzung wird man diskutieren und sich Verantwortliche in den nächsten Jahren auch mit Aufsichtsbehörden streiten, wenn aber gar keine Systematiken eines Datenschutzmanagements vorhanden sind – dann habe ich nichts über das man streiten könnte und auch gar keine Chance die Einhaltung der Grundverordnung nachweisen zu können. Dann wird es einfach eng.

Sprechblasen-Dialog

3. Gab und gibt es denn überhaupt die gefürchteten Abmahnungen und Bußgelder?

In der Tat, gleich um den 25. Mai herum haben auch einige meiner Kunden bereits Abmahnungen für einen wettbewerbsrechtlichen „Fehler“ erhalten – Hintergrund war der Klassiker „Web-Tracking“. Kurz gesagt, wettbewerbsrechtliche Abmahnungen in der Weise, dass sich eine Firma durch eine andere Firma schlecht oder unfair behandelt fühlt, dies gibt der Datenschutz nicht her – hier können nur Betroffene und das sind natürliche Personen, also Menschen, ihre Rechte fordern und einklagen.

Neben den Abmahnungen hat sich gezeigt, dass es offenbar einige Betroffene gibt, die bei vielen Verantwortlichen über die dort gespeicherten Daten Auskunft verlangen – hiervon sind auch einige „verdächtig“. Mein Rat an dieser Stelle, jeder Verantwortliche hat Strukturen zu schaffen, wie mit den Auskunftsersuchen korrekt umgegangen wird – ein Ignorieren eines solchen Auskunftsersuchens kann bereits zu einem Bußgeld führen.

Sprechblasen-Dialog

4. Wie ist Ihre Einschätzung zum Datenschutz in Deutschland: Hat die Mehrheit die DSGVO ernst genommen und die Vorschriften fristgerecht umgesetzt oder erfolgt das nun im Nachgang peu à peu? Und wie sieht es speziell in der Zeitarbeit aus?

Die Mehrheit hat den Weg angetreten und das Thema jetzt tatsächlich auf dem Tableau. Aufsichtsbehörden fangen aktuell an mit verschiedenen Instrumenten den Stand der Dinge in ihren Zuständigkeitsbereichen zu ermitteln und fragen ab, wie Verantwortliche auch mit verschiedenen sehr konkreten Fragestellungen umgehen.

Man schaue sich die Befragungen von Arztpraxen oder Industrieunternehmen an. Die Zeitarbeit ist bisher noch nicht in eine Branchenspezifische Sachverhaltsklärung geraten. Und wieder gilt, wer Etwas tut und sich erkennbar und nachweislich Mühe gibt, dem kann nicht vorgehalten werden die DSGVO gar nicht einzuhalten.

Sprechblasen-Dialog

5. Wie steht Deutschland im europäischen Vergleich da, bzgl. der Umsetzung der DSGVO?

Deutschland steht gut da – die EU-Datenschutzrichtlinien der Vergangenheit wurden bei uns stets ordentlich in nationalen Gesetzen umgesetzt. Wir sind es gewohnt, dass Gesetze dann auch kontrolliert und ihre Einhaltung sichergestellt wird. Als Weiterentwicklung der früheren EU-Datenschutzrichtlinien fordert die Datenschutzgrundverordnung nun auf die heutige Zeit angepasste Strukturen und Maßnahmen.

Wer hätte schon zu Ende der 1990er Jahre absehen können, wie das mit dem Internet weitergeht oder was daraus wird? Die heute relevanten und globalen Player gab es seinerzeit noch gar nicht und in der Mitte der 2000er Jahre hatten wir vielleicht eine erste Ahnung.

Sprechblasen-Dialog

Danke, Stephan Frank, für diesen Rückblick auf 3 Monate DSGVO.

GermanPersonnel nimmt das Thema Datenschutz sehr ernst und bleibt hier selber laufend am Ball. Wir werden Sie weiterhin mit Updates zum Datenschutz versorgen. In den letzten Monaten haben wir 4 Artikel zum Thema „DSGVO – Was Recruiter wissen sollten“ veröffentlicht:  Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4.

GermanPersonnel ist Experte für E-Recruiting. Wir bieten intelligente, datenbasierte Recruiting-Lösungen. Wenn Ihre Stellenanzeigen nicht den gewünschten Bewerberrücklauf haben, nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne, auch zum Thema Social Recruiting und wenn Sie sich für unsere E-Recruiting-Software PERSY oder die Dienstleistungen unserer Recruiting-Agentur PERGENTA interessieren! Ganz neu in unserem Portfolio ist PARTS für eine programmatische, zielgruppenspezifische und kostenoptimierte Ausspielung von Stellenanzeigen.

Friederike von Hülsen betreut Marcos Recruiting Blog von GermanPersonnel und unterstützt als Community Managerin das Social Media Team. Neben dem Schreiben eigener und dem Redigieren fremder Texte plant die Geisteswissenschaftlerin auch die Blog-Themen und organisiert Beiträge von Gastautoren.

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