Zeitarbeit wird mal wieder voll ignoriert!

Zeitarbeit wird mal wieder voll ignoriert!

Gesetzesentwurf der Bundesregierung zum sozialen Arbeitsmarkt blendet Zeitarbeit vollkommen aus

Der Minister ist neu, die politische Agenda hingegen wohlbekannt: Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) setzt bei der Integration von Langzeitarbeitslosen nicht auf Zeitarbeit, sondern auf teure (und wenig erfolgversprechende) Maßnahmen und setzt damit programmatisch den Kurs seiner Amtsvorgängerin Andrea Nahles fort. Konkret sollen in den kommenden Jahren vier Milliarden Euro investiert werden, um Langzeitarbeitslose wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen. Damit sollen im besten Fall rund fünf Prozent aller Langzeitarbeitslosen eine Anstellung finden, wie Spiegel Online berichtet. (1)

Ausrufezeichen-orange

Teure Steuersubventionen mit zweifelhaftem Ergebnis

Ob das neue Gesetz tatsächlich der große Wurf ist, darf jedoch bezweifelt werden. Denn Heils Gesetzentwurf sieht zwar eine Lohnkostenbeteiligung des Staates vor – also eine Subventionierung der so geschaffenen Jobs – die allerdings liegt nur bei maximal 100 Prozent des gesetzlichen Mindestlohns, und das auch nur in den ersten zwei Beschäftigungsjahren.

In den Folgejahren sinkt der Zuschuss auf maximal 70 Prozent des Mindestlohnes. Ein für alle Seiten wenig attraktives Modell.

Zum Vergleich: Mit dem aktuellen Mindestlohn von 8,84 Euro verdient ein Angestellter rund 1.500 Euro brutto im Monat. Das durchschnittliche Bruttoentgelt in der Zeitarbeit lag 2017 jedoch bei 1.868 Euro (2), also über 24 Prozent höher.

Ausrufezeichen-orange

Nur ein Bruchteil aller Langzeitarbeitslosen profitiert von Heils Plänen

Heil rechnete bei der Vorstellung des Gesetzesentwurfs vor, dass pro Langzeitarbeitslosem jährlich rund 24.000 Euro an Subventionen gezahlt werden. Damit könnten rechnerisch etwa 40.000 Arbeitslose davon profitieren, bei 800.000 potentiellen Langzeitarbeitslosen. Das entspricht einer Quote von fünf Prozent.

Das Programm wendet sich also an jeden zwanzigsten Langzeitarbeitslosen.

Auch hier ein Vergleich mit Zahlen einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), nach der zwei von drei Zeitarbeitnehmern aus der Arbeitslosigkeit kommen und rund 16 Prozent (3) vorher langzeitarbeitslos waren.

Damit schafft die Zeitarbeit das, was die Politik mit halbherzigen Geldgeschenken erzwingen will, aber nicht kann: die erfolgreiche Integration von Langzeitarbeitslosen. Dennoch findet sich im gesamten Bericht nicht ein Hinweis auf Zeitarbeit – dabei gibt es hier seit Jahren viele Erfolgsgeschichten zu erzählen.

Ausrufezeichen-orange

Zeitarbeit ist ein Erfolgsmodell

Mehr als jeder dritte Zeitarbeitnehmer wird vom Unternehmen dauerhaft übernommen, und 36 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse in der Zeitarbeit weisen eine Dauer von 18 Monaten und länger auf.

Das sind klare und eindeutige Indizien dafür, dass  Zeitarbeit eine große Chance für Langzeitarbeitslose darstellt und daher auch von Seiten der Politik mehr Rückendeckung erfahren sollte.

Die Gründe für diese deutlich höhere Integrationsquote in der Zeitarbeit (die im Übrigen nicht nur bei (Langzeit-)Arbeitslosen, sondern auch bei Migranten eine Vorreiterrolle einnimmt) liegen auf der Hand:

Arbeitslose können durch Zeitarbeit einen Weg in den Arbeitsmarkt finden, sich gezielt qualifizieren und durch ihre Leistungen überzeugen.

Unternehmen können dank Zeitarbeit flexibel auf Veränderungen reagieren und personelle Engpässe überbrücken.

Ausrufezeichen-orange

Viel Geld für zweifelhafte Erfolgsaussichten

In seiner aktuellen Form geht der Gesetzentwurf an der unternehmerischen Wirklichkeit vor allem von kleinen und mittleren Unternehmen vorbei.

Es ist daher schwer nachzuvollziehen, warum die große Koalition einerseits mit dem neuen Arbeitnehmerüberlassungsgesetz der Zeitarbeit zusätzliche Steine in den Weg legt und dann mit einem teuren und in seiner Wirkung fraglichen Subventionsprogramm aufwartet.

Das wird unter anderem von der Bundesagentur für Arbeit und dem DGB kritisiert, die beide fordern, den Lohnkostenzuschuss auf das ortsübliche oder tarifliche Niveau anzuheben. Im Übrigen ist auch hier die Zeitarbeit führend:

Der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen hat schon vor Jahren mit dem DGB einen Tarifvertrag abgeschlossen, der einen deutlich höheren Stundenlohn als den gesetzlichen Mindestlohn bietet und zudem weitere Zuschläge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für Zeitarbeitnehmer umfasst. (4)

Statt die Zeitarbeitsbranche mit immer neuen Vorschriften zu gängeln, wäre es also eher an der Zeit, ihre Leistungen zu würdigen – gerade auch im Bereich der Integration gesellschaftlicher Randgruppen in den Arbeitsmarkt – und gemeinsame Strategien zu entwickeln. Doch hier scheint der neue Arbeitsminister sich bevorzugt auf den ausgetretenen Pfaden seiner Vorgängerin bewegen zu wollen, statt selber seine Fußspuren zu hinterlassen.

Schade, denn gerade ein klares Bekenntnis zur Zeitarbeit und ihren Leistungen und Verdiensten wäre ein gutes und wichtiges Signal gewesen. Für die Mitarbeiter in der Zeitarbeitsbranche ebenso wie für Langzeitarbeitslose und alle Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik, die mit ihren Steuern dieses Gesetzesvorhaben finanzieren müssen.

Quellen

(1) www.spiegel.de
(2) www.statista.com 
(3) www.ig-zeitarbeit.de – Zeitarbeit als Sprungbrett 
(4) www.ig-zeitarbeit.de – Zeitarbeit, die bessere Wahl  

GermanPersonnel ist Experte für E-Recruiting. Wir bieten intelligente, datenbasierte Recruiting-Lösungen. Wenn Ihre Stellenanzeigen nicht den gewünschten Bewerberrücklauf haben, nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne, auch zum Thema Social Recruiting und wenn Sie sich für unsere E-Recruiting-Software PERSY oder die Dienstleistungen unserer Recruiting-Agentur PERGENTA interessieren! Ganz neu in unserem Portfolio ist PARTS für eine programmatische, zielgruppenspezifische und kostenoptimierte Ausspielung von Stellenanzeigen.

 

Christian Praetorius

Christian Praetorius war nach seiner Ausbildung zum Controller (IHK) lange Jahre im Controlling verschiedener Unternehmen tätig. Studium an der SRH Hochschule für Wirtschaft und Logistik und seit 2012 als freiberuflicher Autor, unter anderem zu HR- und BWL-Themen.

Abonnieren Sie Ihren RSS-Feed:

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.