New Work begreifen – Mit Lego funktioniert das super

New Work begreifen – Mit Lego funktioniert das super

Die Zauberkräfte von Selbstorganisation und Selbstbestimmung entfesseln

Die Digital Media Women haben eingeladen und die Hütte war voll. Die Hütte war Payback, eine coole Location Mitten in München. Die Veranstaltung hieß „Am Beckenrand des Bällebads – Chancen und Herausforderungen von New Work“. Von New Work hört man immer mehr, aber irgendwie nichts Greifbares. Das ist für Digitalisierungs-Buzzwords ja üblich. Zeit, mal konkret zu werden. Was ist das also überhaupt und was kann man tun, wenn New Work beim eigenen Arbeitgeber noch nicht angekommen ist?

Auch ich kam an dem Abend mit nur vager Idee was man unter New Work versteht. 3,5 Stunden später ging ich beschwingt mit einer sehr konkreten Vorstellung nach Hause und ich nehme mal an, die anderen rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch. Dazu beigetragen hat maßgeblich der Beitrag von Nadine, die uns New Work hat erleben lassen.

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Agenda adé – weil New Work einfach anders funktioniert

Es gab auch eine Agenda für den Abend. Barbara Gremmler trug sie kurz mit charmantem Rest-Wienerisch vor. – „Rest“, weil sie hinterher auf meine Nachfrage erstaunt antwortete: Hört man das noch? – Danach bat sie die Panel-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer nach vorne. Alle fünf stellten jeweils ihre Sicht auf New Work vor.

Natürlich befragte Barbara das Panel danach auch noch, aber „abgearbeitet“ wurde die Agenda nicht. Warum? Weil es nicht darum ging eine Agenda abzuarbeiten, sondern dass am Ende des Abends alle eine konkrete Vorstellung davon haben, was New Work bedeutet.

Zu New Work gehört es im Flow, intuitiv, von der Gruppendynamik getragen und gemeinsam auf Augenhöhe mit Spaß an einem Ziel zu arbeiten.

Panel-Teilnehmer Robert Vogel, u. a. Gründer der Unternehmen mit Zukunft GmbH, berichtete schmunzelnd von seinen Agenda-Erfahrungen. Auch er hat immer für den Anfang eine Agenda, die er vorstellt, wenn er mit neuen Teams arbeitet.

So holt er die Menschen ab, wo sie sind. Damit fühlen sie sich wohl. Sie erwarten eine Agenda und deshalb kriegen sie eine. 10 Minuten später kräht kein Hahn mehr danach. Und erst dann kann das Wesen von New Work lebendig werden und seine Eigendynamik entfalten.

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Die Lego-Challenge: New Work be-greifbar machen

Die erste Panel-Teilnehmerin Nadine Nobile, CEO von CO.X und Initiatorin des Netzwerks New Work Women, ist einfach cool. Das muss ich hier mal so schreiben. Mit ihrem Lego-Intro hatte sie sofort die volle Aufmerksamkeit aller Anwesenden.

Nadine ließ uns New Work erleben, als sie uns aufforderte sich in 3er-Gruppen zusammenzutun. Jede Gruppe sollte nun aus den 3 Legosteinen, die jeder Gast zu Beginn der Veranstaltung auf seinem Sitzplatz vorgefunden hat, etwas bauen. Wir hatten 2 Minuten Zeit. Viele kannten ihre Teammitglieder nicht.

Statt über eine Lösung zu diskutieren, legten wir einfach los zu bauen.

Alle machten mit. Die Augen leuchteten. Es wurde gelacht. Man kam sich nahe. Nach 2 Minuten wurden stellvertretend 2 Werke ausgewählt und durften vom Team selber beschrieben werden.

Bei der Besprechung hinterher kam raus: Es gab nirgends einen dominanten Chef in der Gruppe, der die Führung an sich gerissen hat. Jedes Teammitglied hat einen Beitrag geleistet, aber eben nur dann, wenn man einen Impuls, eine Idee hatte. Danach hat man sich wieder zurückgenommen.

Wir waren kreativ, kooperativ und haben etwas geschaffen.

Nadines Statement bevor der nächste Panel-Teilnehmer nach vorne gebeten wurde: „So funktioniert New Work. Ihr habt es gerade erlebt.“

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New Work bedeutet Selbstorganisation & Selbstbestimmung, ohne Führung

Nadine hat uns mit diesem Experiment gezeigt:

  • Menschen sind hoch kooperativ.
  • Sie können sich gut miteinander abstimmen und gemeinsam einen Auftrag ausführen, auch ohne sich zu kennen.
  • Menschen wollen gestalten. Sie haben Spaß daran.
  • Auch mit knappen Ressourcen kann man eine Idee verwirklichen.
  • Alle haben die gesamten Ressourcen, die sie zur Verfügung hatten, eingebracht.

Das Experiment war wirklich eindrucksvoll. Es waren nur 9 kleine Legosteine pro Team. Aber die Dynamik, die sich in 2 Minuten entwickelt hat, war enorm.

Deshalb frage ich: Wer erlebt in seinem Arbeitsalltag schon diesen berauschenden Flow, diese mitreißende Dynamik, dieses wohlwollende Miteinander, diese spontan entfaltete Kreativität, dieses einfach machen, aktiv sein im Wechselspiel mit dem sich zurücknehmen und auch andere sich einbringen lassen???

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Volles Potential entfalten und alle Ressourcen nutzen

Die Message: Menschen sind hoch kooperativ und wollen gestalten. Die Ressourcen waren in dem Experiment knapp, aber jeder hat alle seine verfügbaren Ressourcen eingebracht.

In unserer Arbeitswelt werden wir meist für ein konkretes, klar umrissenes und abgrenzbares Aufgabengebiet eingestellt. Aber wir können alle noch viel mehr als das, wofür wir eingestellt wurden und was unser Aufgabengebiet umfasst. Wir haben alle viele ungenutzte Ressourcen.

Zu New Work gehört es, eine Umgebung zu schaffen, in der jeder seine Ressourcen, seine individuellen Stärken, optimal einbringen kann.

Dafür plädierte auch Panel-Teilnehmerin Nina Eichholz. Sie arbeitet bei Siemens als Consultant for Innovation People Excellence und hat das Siemens-interne Coaching Netzwerk GROW2GLOW ins Leben gerufen, in dem mittlerweile weltweit 140 Coaches von Siemens selbstbestimmt und selbstorganisiert sind. Von natural leadership sprach sie und begeisterte mit ihren anschaulichen Schilderungen ebenfalls uns Zuhörer.

Die 5. Panel-Teilnehmerin Anna Bilek drückte es so aus: „New Work ist das Natürlichste der Welt: einfach gesunder Menschenverstand. Man muss einfach Strukturen schaffen, die passen“. Sie ist u. a. Head of Content Marketing bei der kartenmacherei GmbH, hat dort eine Führungsposition im Tandemmodell inne und ist Gründerin des Growth Mindset Meetups.

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Und von wo kommt der Startschuss für New Work?

Hör sich super an, dachte ich, hakte aber mal mit einer Zwischenfrage nach: Wie und wer fängt denn am besten damit im Unternehmen an? Wie kann man New Work in der Praxis umsetzen?

Man muss auf kein Go von oben warten.

Nina sprach aus Erfahrung, als sie betonte, dass New Work durchaus von den Mitarbeitern eingeführt werden kann. Es geht schließlich um Selbstorganisation. Verantwortung und Entscheidungen werden selber übernommen. Da bedarf es keiner Absegnung mehr von oben.

Nadine konkretisierte das mit dem Vorschlag: Bietet eurem Chef ein Experiment an, zeitlich begrenzt. Legt Erfolgskriterien fest. So kann man hinterher beurteilen, ob die Veränderung erfolgreich war, oder nicht.

Es ist stets eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

Wenn durch eine Veränderung ein Ziel schneller, leichter und besser erreicht werden kann und die Beteiligten zufriedener arbeiten dann lohnt sich die Veränderung auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Alleine Zeit zu sparen, spart schon Kosten.

Und wie wertvoll sind erst zufriedene Mitarbeiter, füge ich nun hinzu … bedenkt man die fehlende emotionale Bindung vieler Arbeitnehmer zu ihrem Arbeitgeber und die hohe Wechselbereitschaft.

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Arbeiten – mit Sinn

Immer wieder bereichern Beispiele aus der Praxis den Abend, im Positiven, wie im Negativen. So berichtete Robert von neu eingeführten freiwilligen Teammeetings. Sie haben dazu geführt, dass einem Meeting eine bewusste und zwar positive Entscheidung dafür vorausgeht. Dadurch sitzt man nicht zwangsweise Zeit ab.

Andersherum berichtete jemand aus dem Publikum, wie man bei ihrem Arbeitgeber bei einem Projekt auf ihre Kompetenz und Mitarbeit verzichtet hat, weil sie nicht offiziell dem Projekt zugeordnet war. – Da meldet er sich, der gesunde Menschenverstand, von dem Anna sprach und schüttelt den Kopf.

Auch der Digital Evangelist von Payback saß im Panel und berichtete von seinem unkonventionellen Arbeitsalltag, wo es ebenfalls um selbstverantwortliches Arbeiten ohne Stechuhr und Kontrolle geht. Sein Job, neue Talente für Payback zu finden, klang so spannend, dass ich mit ihm gesondert ein Interview mache, das ich nach Veröffentlichung aber auch hier verlinken werde.

Als es um Wünsche und Visionen der Panel-Teilnehmer zum Thema New Work ging, sagte Nadine: Fragt euch, was ihr bewegen wollt. Was braucht ihr dazu? Und dann schafft die Wege selber. Aber dazu gehört ebenfalls, so Nadine:

Wer Vielfalt will, muss Andersartigkeit auch ertragen lernen.

Hinterher sagte sie mir sinngemäß: Wir denken immer, wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir Lösungen kennen. Aber eigentlich müssen wir v. a. Fragen stellen.

Auch Selbstreflexion, Selbstführung und Selbstfürsorge waren an diesem Abend Themen der Panel-Teilnehmer. Sie sind ebenfalls essentiell für New Work. Es war eine rundum gelungene Veranstaltung der Digital Media Women. Ich für meinen Teil war und bin begeistert. Aber das merkt ihr ja gerade selber.  🙂

Weitere spannende Artikel aus der Arbeitswelt sind Stress – Was bringt eine Auszeit?, Homeoffice mit 2 anwesenden Kindern oder auch Totgeburt – ohne Baby zurück an den Arbeitsplatz.

Dieser Arbeitslebenartikel ist Teil von „Marcos Recruiting Blog“. Marco Kainhuber Geschäftsführer des Software-Unternehmens GermanPersonnel. Wir bieten intelligente, datenbasierte Recruiting-Lösungen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie Fragen zu unserer E-Recruiting-Software PERSY, unseren POSTER-Shop für Personalbeschaffung oder zu unserer Recruiting-Agentur PERGENTA haben. Ganz neu in unserem Portfolio ist PARTS für eine programmatische, zielgruppenspezifische und kostenoptimierte Ausspielung von Stellenanzeigen.

Friederike von Hülsen

Friederike von Hülsen betreut Marcos Recruiting Blog von GermanPersonnel und unterstützt als Community Manager das Social Media Team. Neben dem Schreiben eigener und dem Redigieren fremder Texte plant die Geisteswissenschaftlerin auch die Blog-Themen und organisiert Beiträge von Gastautoren.

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