Neue Rechtslage für Arbeiten in Teilzeit

Neue Rechtslage für Arbeiten in Teilzeit

Verschwinden jetzt endlich die Vorurteile gegen Teilzeitarbeit?

Arbeitgeber haben häufig Vorurteile gegen Beschäftigte in Teilzeit – beispielsweise, dass jene ihren Job nicht ernst nehmen würden oder dass ihre Priorität auf der Familie liege. Der Bundestag hat jetzt eine Reform des Teilzeitarbeitsrechts verabschiedet, die zum 1. Januar 2019 in Kraft tritt und sich gegen diese Stereotypen wendet. Beschäftigte in Teilzeit haben beispielsweise fortan ein generelles Rückkehrrecht in Vollzeit, zumindest, wenn ihr Betrieb mehr als 45 Mitarbeiter hat.

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Die bisherige „Teilzeitfalle“: Ein Resultat von Vorurteilen

Prinzipiell konnten Vollzeitbeschäftigte schon immer um den Wechsel von Voll- in Teilzeit bitten. Rechtlich und praktisch war dies jedoch häufig eine Einbahnstraße, die als „Teilzeitfalle“ bekannt ist.

Es gab bislang keine automatische Rückkehrmöglichkeit in Vollzeit.

Viele Arbeitgeber hatten kein Interesse daran, eine solche Option von ihrer Seite aus anzubieten. Wer den Wechsel von Voll- in Teilzeit vollzogen hatte, musste schließlich mit dem Stigma kämpfen, mit Kopf und Herz nicht mehr für das Unternehmen da zu sein. Solche Personen galten (und gelten) deshalb beispielsweise oft für Führungsaufgaben als ungeeignet.

Viele Arbeitgeber wollten sich davon auch nicht durch das Argument abbringen lassen, dass sich Führungsaufgaben durch effektives Zeitmanagement problemlos in Teilzeit wahrnehmen lassen. Besonders betroffen waren Frauen, die wegen der Geburt eines Kindes in Teilzeit gewechselt sind. Diesen wird oft unterstellt, sich nur noch der Familie widmen zu wollen.

Besonders Vertreter der Generation Y sind ebenfalls Opfer solcher Vorurteile geworden. Für viele von ihnen besteht das Leben nicht nur aus Arbeit. Sie haben deshalb ganz bewusst und ohne äußeren Zwang ihre Arbeitszeit reduziert. Auch ihnen wird deshalb oft unterstellt, dass die Arbeit für sie nur Mittel zum Zweck sei und fehlendes Engagement bemängelt.

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Studie: Vorurteile sind falsch

Dass solche Vorurteile falsch sind, bewies beispielsweise im Jahr 2017 eine Studie, die an der FH Wien durchgeführt wurde und sich mit der Frage beschäftigte: Teilzeitjob/Teilzeitbeschäftigte: Sind Teilzeitkräfte effizienter und leistungsfähiger? Tatsächlich sind Teilzeitkräfte demnach ähnlich effektiv oder sogar besser als Vollzeitarbeitnehmer.

62,1 Prozent der Führungskräfte in deutschsprachigen Unternehmen bewerten die Effektivität von Personen in Voll- und Teilzeit demnach gleich gut.

37,9 Prozent sehen die Teilzeitbeschäftigten sogar vorne.

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So wendet sich das Gesetz gegen die Vorurteile

Trotz der Tatsache, dass Teilzeitarbeit also sogar wissenschaftlich gewürdigt wird, haben sich die Vorurteile gehalten. Der Bundestag hebelt diese zumindest teilweise durch die Neufassung der §§ 9-12 TzBfG aus. Dadurch, dass dir die Rückkehr in Vollzeit ab einer Unternehmensgröße von 200 Beschäftigten nicht mehr untersagt werden kann, spielen diese hier faktisch keine Rolle mehr.

Aber auch für Teilzeitbeschäftigte in kleineren Unternehmen hilft das Gesetz. Von 46 bis 200 Mitarbeitern kann zumindest 1 von 15 Mitarbeitern in „Brücken-Teilzeit“ sein. Als Beispiel: Mit dir arbeiten noch 49 andere in einer Firma. Du bist in Teilzeit gegangen. Zwei andere haben diesen Schritt ebenfalls vollzogen. Du darfst problemlos die Rückkehr in Vollzeit verlangen, da die Quote erfüllt ist (3 x 15 = 45, es gibt aber 50 Mitarbeiter).

Für Unternehmen < 45 Beschäftigte gibt es bedauerlicherweise kein automatisches Rückkehrrecht.

Allerdings hilft dir jetzt die sogenannte Beweislastumkehr, die der Gesetzgeber für alle Unternehmensgrößen eingeführt hat. Früher musstest du beweisen, dass deine Rückkehr in Vollzeit wirtschaftlich möglich (und sinnvoll) ist. Aufgrund der Vorurteile war dies faktisch unmöglich.

Fortan steht der Arbeitgeber in der Pflicht zu beweisen, dass er einen entsprechenden Antrag aus wirtschaftlichen Gründen nicht annehmen kann.

Verlängert wurden auch die Möglichkeiten der Arbeit auf Abruf. Waren hier bislang nur zehn Stunden möglich, sind es fortan bis zu 20. Allerdings greift hier eine Einschränkung: Von der vereinbarten wöchentlichen Arbeitszeit können maximal weitere 25 Prozent als Plus abgerufen werden.

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Ändert sich die Situation für Teilzeitbeschäftigte grundlegend?

Wahrnehmen kannst du die neuen gesetzlichen Rechte, wenn du mindestens sechs Monate im Betrieb bist. Verbessert sich die Situation für Beschäftigte in Teilzeit durch die Neuregelung jedoch grundsätzlich? Die Antwort lautet: „Es kommt darauf an.“ Arbeitnehmer in größeren Unternehmen profitieren definitiv.

Vor allem Mütter, die in Vollzeit zurückkehren möchten, haben Vorteile.

Die Beweislastumkehr zeigt zudem, dass es der Gesetzgeber vorurteilsbeladenen Arbeitgebern künftig nicht mehr so einfach macht.

Auf der anderen Seite bedeuten die Einschränkungen bei kleineren Unternehmen für viele Teilzeitbeschäftigte weiterhin ein Problem. Die Vorurteile werden durch das Gesetz zudem nicht über Nacht schwinden. Die Reform ist deshalb ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht mehr.

Dieser Arbeitslebenartikel ist Teil von „Marcos Recruiting Blog“. Marco Kainhuber Geschäftsführer des Software-Unternehmens GermanPersonnel. Wir bieten intelligente, datenbasierte Recruiting-Lösungen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie Fragen zu unserer E-Recruiting-Software PERSY oder Interesse an der Erstellung von Recruiting-Kampagnen haben. Ganz neu in unserem Portfolio ist PARTS für eine programmatische, zielgruppenspezifische und kostenoptimierte Ausspielung von Stellenanzeigen.

GermanPersonnel-Team

Die GermanPersonnel-Team-Beiträge sind immer das Werk mehrerer Autoren. Es handelt sich entweder um extern in Auftrag gegebene Texte, die intern angepasst, bzw. umgeschrieben wurden oder um Texte von einer/einem oder mehreren Kolleginnen/Kollegen, die ebenfalls von Friederike aus dem Content Marketing überarbeitet wurden.

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