Reicht der Bachelor oder doch lieber ein Master?

Reicht der Bachelor oder doch lieber ein Master?

Für diese Jobs zahlt sich der höhere Abschluss aus

In fast allen deutschen Studiengängen müssen Studierende eine Entscheidung treffen: Begnügen sie sich mit dem Bachelor oder streben sie noch einen Master an? Die Zahlen sprechen bislang eine deutliche Sprache, wie die Betroffenen die Situation bewerten: Mehr als 70 Prozent entscheiden sich dafür, weitere zwei Jahre an einer Universität zu verbringen und den höheren Abschluss zu machen. Doch lohnt sich dies überhaupt?

Eigentlich sollte der Bachelor die Regel sein

Bachelor und Master wurden im Zuge der 1999 verabschiedeten Bologna-Reform eingeführt. Die Idee war, dass der Bachelor zum Regel-Abschluss werden würde. Nur die wenigsten Studierenden, die sich für eine akademische Karriere interessierten, sollten an den Universitäten verbleiben und den Master machen. Dem höheren Abschluss hing deshalb lange der Ruf an, er sei zu theoretisch und nicht ausreichend alltagsbezogen.

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Unternehmen sind von Bachelorabsolventen enttäuscht

Eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) aus dem Mai 2015 hat allerdings sämtliche Annahmen widerlegt – und offenbart, dass die große Mehrzahl der Studierenden mit dem Masterabschluss die richtige Entscheidung getroffen hat. Von 2000 in Deutschland ansässigen Unternehmen erklärten nur 16 Prozent, dass Bachelorabsolventen gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet seien.

Mit Masterabsolventen waren dagegen 78 Prozent der Firmen zufrieden.

Rund 50 Prozent der Unternehmen sagte zudem aus, dass ihre Erwartungen an Bachelorabsolventen nicht erfüllt wurden. Dies gelte beispielsweise für mangelnden Praxisbezug in der Ausbildung, die Fähigkeit des selbständigen Arbeitens oder die Belastbarkeit. Die vermeintlichen Pluspunkte des Bachelors erweisen sich laut Studie faktisch als Schwächen.

Die Vorteile des Master-Abschlusses

Weshalb überzeugen Masterabsolventen mehr? Dies liegt insbesondere daran, dass die Masterarbeit teilweise oder sogar ganz im Unternehmen geschrieben werden kann. Viele Firmen schätzen die Möglichkeit, potenzielle Mitarbeiter auf diese Weise kennenzulernen und Einblicke in aktuelle Forschungen zu gewinnen.

Gerade für die Masterarbeiten sind Projekte mit hohem Praxisbezug beliebt. Dies gilt übrigens insbesondere für den HR-Bereich: Der MBA (Master of Business Administration) Human Resource Management kann bei vielen Personaldienstleistern „Inhouse“ in Kooperation mit einer Hochschule erworben werden.

Gehalt: Master klar im Vorteil

Finanziell zahlt sich der Master deshalb ebenfalls aus. Laut „Welt“ verdienen Berufseinsteiger durchschnittlich zehn Prozent mehr als Bachelorabsolventen. Je nach Branche kann die Lücke auf bis zu 18 Prozent anwachsen. Die „Consultant Vermögensberatung“ hat zu den Gehaltsunterschieden zwischen beiden Abschlüssen eine Studie erstellt und ist zu einem deutlichen Ergebnis gekommen:

Der Master zahlt sich auch langfristig aus.

Nach neun Berufsjahren klaffen die Gehälter schon um 30 Prozent im Durchschnitt auseinander. Besonders groß sind die Abstände in technischen Berufen. Die Hoffnungen, dass Bachelorabsolventen aufgrund der größeren Berufserfahrung (da sie zwei Jahre früher in den Job einsteigen) aufholen würden, haben sich bislang als falsch erwiesen. Generell gilt laut der „Consultant“-Studie: Je größer ein Unternehmen ist, desto lukrativer ist der höhere Abschluss.

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Führungspositionen: Exklusives Gut für Masterabsolventen

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) hat ermittelt, dass 85 Prozent der deutschen Unternehmen Karrierewege ohne Master anbieten. Allerdings hat sich im Alltag gezeigt, dass dies mehr eine theoretische Chance ist.

Führungspositionen sind fest in der Hand von Masterabsolventen.

Wer ins Management aufsteigen möchte, benötigt den höheren Abschluss. Dies hat allerdings (auch) einen reichlich unwissenschaftlichen Hintergrund:

Viele derzeitige Manager haben ein Diplom und setzen dies mit dem Master gleich.

Der Bachelor ist für sie nur ein Vordiplom, weshalb sie den Abschluss als geringwertig einstufen. Noch immer hat sich nicht in breiten Teilen der Entscheidungsträger in Unternehmen nicht die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Bachelor ein vollwertiger Berufsabschluss ist.

Ist der Master also immer besser?

Generell gilt, dass alle staatlich regulierten Berufe nach einem Masterabschluss verlangen. Ähnlich sieht es für die Bereiche Forschung und Wissenschaft sowie naturwissenschaftlich-technische Berufe und die Geisteswissenschaften aus.

In der IT sowie in den Kreativberufen, in denen es um Kontaktfähigkeiten und gelungene Arbeitsproben geht, reicht auch schon ein Bachelor. Spezielle technische Berufe wie Verfahrenstechnik oder Bioingenieurswesen bieten ebenfalls gute Jobchancen mit einem Bachelor – hierbei ist allerdings ein Umstand gut zu wissen: Solche Abschlüsse werden von Fachhochschulen lieber gesehen als von Universitäten.

Die Situation im HR-Bereich

Es klang oben bereits an: Im HR-Bereich steht der Master ebenfalls höher im Kurs. Als Beleg: Der Bundesverband der Personalmanager listet 35 Hochschulen in Deutschland auf, in denen Studiengänge mit direktem Zugang zum Personalwesen absolviert werden können.

Nur an zehn Hochschulen wird ein Bachelorabschluss angeboten. An 27 Hochschulen (an 25 nur der Master) kann dagegen ein Master gemacht werden, der oft nur ein Bachelor in BWL voraussetzt. Die Wirtschaft fordert eindeutig Absolventen mit Masterabschluss.

Dieser Arbeitslebenartikel ist Teil von „Marcos Recruiting Blog“. Marco Kainhuber ist Geschäftsführer des Software-Unternehmens GermanPersonnel. Wir bieten intelligente, datenbasierte Recruiting-Lösungen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie Fragen zu unserer E-Recruiting-Software PERSY oder Interesse an der Erstellung von Recruiting-Kampagnen haben. Ganz neu in unserem Portfolio ist PARTS für eine programmatische, zielgruppenspezifische und kostenoptimierte Ausspielung von Stellenanzeigen.

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