Zeitarbeitsbranche setzt zunehmend auf Digitalisierung

Zeitarbeitsbranche setzt zunehmend auf Digitalisierung

Interview mit Werner Stolz vom iGZ

Mit dem Amtsantritt von Christian Baumann als Bundesvorsitzendem des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen 2017 hat sich der iGZ neben weiteren Themen auf die Fahne geschrieben die Digitalisierung in der Zeitarbeitsbranche voranzutreiben. Das ist schon ein Weilchen her. Mittlerweile sind auch andere Themen in den Fokus gerückt, wie die Bemühungen das Image der Zeitarbeit in der Öffentlichkeit zu verbessern. Heute möchten wir aber über die Digitalisierung mit Ihnen, Herr Stolz, sprechen und erfahren, wie Sie die Situation einschätzen.

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Herr Stolz, was verstehen Sie unter Digitalisierung oder dem Modewort: Digitale Transformation? Meinen Sie den Einsatz von Technologien, veränderte Prozesse und Strukturen oder hat das Thema für Sie auch eine menschliche Komponente?

Allein die Antwort auf diese Frage könnte ganze Bildschirmseiten füllen. Ich versuche es trotzdem einmal kurz und knapp zu halten. Dennoch: Zunächst einmal ist es wichtig, die umgangssprachliche Bedeutung von den tatsächlichen Inhalten zu trennen. Digitalisierung ist weit mehr als nur der Einsatz digitaler Systeme. Sie ist auch etwas anderes, als fortschreitende Automatisierung. Digitalisierung, wie sie richtigerweise als die große Herausforderung für die Arbeitswelt der Zukunft verstanden wird, muss in Verknüpfung mit der sogenannten „Künstlichen Intelligenz“ verstanden werden.

So entstehen sich selbst regulierende Systeme, statt einfach nur vorherbestimmte Abläufe. Das hat natürlich eine riesige menschliche Komponente – beginnend bei der Frage, welche Qualifikationen in Zukunft mehr, aber auch welche weniger benötigt werden. Aber dann auch weiter hin zur Kollaboration von Mensch und Maschine bis hin zur Entmenschlichung von Dienstleistungen. Allerdings bin ich mir relativ sicher, dass wir nun auch keinen Digitalisierungswahn erleben werden. Am Ende des Tages wird ein Prozess nur dann digitalisiert werden, wenn er dadurch auch besser wird.

Woran mangelt es Zeitarbeitsunternehmen aus Ihrer Sicht am meisten, wenn es um das Thema Digitalisierung geht? Und was ist das Wichtigste, was Zeitarbeitsunternehmen jetzt brauchen oder machen müssen?

Es mangelt ganz klar am Verständnis für die Herausforderungen und Möglichkeiten der Digitalisierung. Das gilt für kleine und mittlere Unternehmen ganz allgemein, nicht nur in der Zeitarbeit. Da gibt es Unternehmen, die halten sich schon für digitalisiert, weil sie Emails schreiben. Schauen Sie sich die Metall- und Elektroindustrie beispielsweise an. Die ist schon Vorreiter im verarbeitenden Gewerbe. Und trotzdem gelten nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft gerade einmal 17,3 % der Unternehmen in dieser Branche als digitalisiert.

Es ist deswegen unerlässlich, dass die Unternehmen sich intensiv mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung auseinandersetzen und dann für sich individuelle Lösungen erarbeiten. Die können im Einzelfall auch darin bestehen, dass keine Notwendigkeiten zu Veränderungen bestehen. In den meisten Fällen wird aber sicher deutlich werden, dass eine spürbare Investition in diesem Bereich noch spürbarere Ergebnisse produzieren wird. Nochmal zum Vergleich der Blick in die M+E-Industrie: Dort werden 3,6 % des Gesamtumsatzes in digitale Projekte investiert.

Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht E-Recruiting in der Digitalisierungs-Strategie? – Um modern und zeitgemäß zu sein, könnte die Zeitarbeitsbranche auch Vorreiter für digitales Recruiting sein, oder nicht?

Zeitarbeitsunternehmen müssen Vorreiter für das Recruiting insgesamt sein. Dazu können und werden sicherlich auch digitale Ansätze gehören, keine Frage. Im Moment sieht alles danach aus, dass das Mobile Recruiting den klassischen Ansätzen den Rang abläuft. Ich warne aber davor, mit wehenden Fahnen jedem Trend hinterher zu laufen. Denn in einem immer enger werdenden Bewerbermarkt können es auch mal andere Antworten sein, die zum Erfolg führen.

Manchmal ist es auch gut, gegen den Trend zu arbeiten. In jedem Fall aber müssen sich Personaldienstleister intensiv mit den Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung auseinander setzen, denn sie werden in Zukunft als Personal-Consulter an Bedeutung gewinnen. Und in dieser Funktion müssen sie den gesamten Werkzeugkasten des Recruitings bedienen können.

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Bietet der iGZ seinen Mitgliedern konkrete Hilfe, Infos oder Tipps zu dem Thema an?

Natürlich sehen wir es als unsere Aufgabe an, unsere Mitgliedsunternehmen bei dieser großen Herausforderung bestmöglich zu unterstützen. Das gilt sowohl für die Beratung, als auch für praktische Maßnahmen und Hilfestellungen. Viele Unternehmen in unserer Branche sind von der Größe her auch einfach nicht in der Lage, individuelle Konzepte zu entwickeln. Da müssen wir als Verband helfen.

Wir müssen aber viele Marktteilnehmer auch zunächst einmal für das Thema sensibilisieren. Denn bei Vielen geht dieses Thema im Arbeitsalltag einfach unter oder wird zur Seite geschoben. Mir ist es aber wichtig, dass sich die Unternehmen bewusst mit der Digitalisierung auseinander setzen und für sich einmal grundsätzlich die Frage stellen und beantworten: „Was bedeutet das für mich?“ Denn das bedeutet, dass sie sich schon mal grundsätzlich mit der Thematik auseinander gesetzt haben.

Vielen Dank Herr Stolz, dass Sie sich die Zeit zur Beantwortung dieser Fragen genommen haben!

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