Männerberufe – immer noch fast keine Frauen?!

Männerberufe – immer noch fast keine Frauen?!

Typische Männerberufe oder Wo bleiben die Frauen?

Forderungen nach einer Frauenquote in der Politik oder in den Vorständen und Aufsichtsräten großer Unternehmen sind nahezu täglich in den Medien zu lesen. Sie haben sich bisher aber kaum durchgesetzt. Auch in den „normalen“ Berufen gibt es immer noch klassische Männer- und Frauendomänen, obwohl sich hier die Zahlen in der Vergangenheit etwas angeglichen haben.

Bergleute, Maurer und andere Handwerker, Kraftfahrer oder Industriearbeiter – diese Posten sind bis heute überwiegend von Männern besetzt. Frauen üben in der Mehrheit eher soziale, gesundheitliche, erzieherische und andere Dienstleistungsberufe aus.

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Das sagt die Statistik

Eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit (Stand Juni 2017, Alter 15 bis 65 Jahre, S. 11) bestätigt bei der prozentualen Verteilung zwischen Männern und Frauen in manchen Berufen immer noch das alte Rollenbild:

  • Baugewerbe – Männer 87 % | Frauen 13 %
  • Bergbau, Energie, Entsorgung, Wasser – Männer 79 % | Frauen 21 %
  • Verkehr, Lagerwesen – Männer 75 % | Frauen 25 %
  • Erziehung und Unterricht – Männer 29 % | Frauen 71 %
  • Gesundheits- und Sozialwesen – Männer 23 % | Frauen 77 %
Symbol für Männer und Frauen

Wollen Frauen überhaupt in die Männerberufe – und umgekehrt?

Trotz Girls Days und Boys Days, wo Mädchen sich in typischen Männer- und Jungen in typischen Frauenberufen üben können, hat sich die Segregation im deutschen Arbeitsmarkt bisher nicht deutlich verändert.

Auch die teilweise Geschlechtertrennung in der Schule in den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) lässt Frauen kaum in Männerdomänen eindringen.

Symbol für Männer und Frauen

Zwei wichtige Gründe dafür sind:

  1. Zum Teil herrschen immer noch die typischen Rollenbilder und Geschlechtsstereotypen aus früheren Zeiten. Sie werden bis heute durch Gesellschaft und Erziehung weitergegeben und beeinflussen die Berufswahl.
  2. Institutionelle Hindernisse wie zum Beispiel die Arbeitszeitmuster in den typischen Männerberufen erschweren es Frauen oder zumindest Müttern, familiäre Verpflichtungen und Berufsleben in Einklang zu bringen.
Symbol für Männer und Frauen

In manchen Männerjobs brechen die Strukturen auf

Einer der typischen Männerberufe war und ist der des Kraft- und Busfahrers. In letzterer Sparte hat sich in den vergangenen Jahren einiges geändert und man sieht zahlreiche Frauen, die diesen Job ausüben. Die BVG in Berlin beispielsweise will den Frauenanteil bis 2020 auf 25 Prozent steigern. Nicht zuletzt auf Grund der demografischen Entwicklung.

Hinzu kommt, so die Ausbilder bei der BVG, dass Frauen grundsätzlich die besseren Fahrerinnen sind. Sie sind dies nicht nur fahrtechnisch, sondern auf Grund ihrer besseren Kommunikationsfähigkeiten. Dies wird insbesondere bei der Deeskalation von Streitigkeiten unter Fahrgästen deutlich, die immer wieder auftreten.

Besondere Kraft oder technisches Wissen braucht frau nicht, dafür ist die Service-Abteilung zuständig. Einzige Bedingung ist eine Körpergröße von mindestens 160 cm. Dies liegt an den Einstellmöglichkeiten von Lenkrad und Sitz.

Frauen hinters Steuer

In der Speditionsbranche wird ganz aktuell ebenfalls darüber nachgedacht, gezielt Frauen anzusprechen und für den Beruf der Kraftfahrerin zu begeistern. Grund dafür ist allerdings nicht das Vorantreiben der Gleichberechtigung. Durch den immer weiter wachsenden Güterverkehr bleiben momentan Zehntausende Arbeitsplätze unbesetzt.

Starke Umbrüche passieren vor allem in akademischen und – überproportional – in Dienstleistungsberufen. Hier nimmt der Frauenanteil auf Grund gestiegener Bildungsabschlüsse über die Zeit zu und löst die berufliche Segregation mehr und mehr auf.

Symbol für Männer und Frauen

Frauen wären eine Bereicherung für typische Männerberufe

Vor allem die kommunikativen Fähigkeiten von Frauen, ihre Empathie für andere Menschen und ihre ausgleichenden Fähigkeiten in Teams aller Art wären für viele Männerberufe sicher eine Bereicherung. So können eingefahrene Wege verlassen und gewisse Formen von Betriebsblindheit abgeschafft werden.

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Das Denkschema Männerberufe/ Frauenberufe ist überholt

Im Grunde ist es in der heutigen Zeit Unsinn, strikt zwischen Männer- und Frauenberufen zu unterscheiden. Zumindest in der industrialisierten Welt gibt es kaum noch Jobs mit so starker körperlicher Belastung, denen Frauen nicht gewachsen wären. Handwerkliches Geschick, technisches Verständnis und Führungsqualitäten bringen sie genauso mit wie Männer.

Es wird daher Zeit, sich von althergebrachten Vorurteilen zu verabschieden. Das gilt allerdings für beide Seiten, für Männer wie für Frauen. So wie Frauen eine Bereicherung für Männerberufe wären, dürfte es auch umgekehrt sein, etwa in Kindergärten und Kitas, wo Frauen zu rund 96 % das Heft in der Hand halten.

Offen ist derzeit noch, ob der vielbeschworene Fachkräftemangel dazu beiträgt, mehr Dynamik in die verkrusteten Strukturen „hier Männerberufe, da Frauenberufe“ zu bringen. Staatliche Maßnahmen und Bemühungen der Wirtschaft gehen dahin, einerseits mehr Männer für Erziehungs- und Pflegeberufe, andererseits mehr Frauen für die MINT-Berufe zu rekrutieren. Inwieweit das gelingt, bleibt abzuwarten.

Symbol für Männer und Frauen

Dieser Arbeitslebenartikel ist Teil von „Marcos Recruiting Blog“. Marco Kainhuber ist Geschäftsführer des Software-Unternehmens GermanPersonnel. Wir bieten intelligente, datenbasierte Recruiting-Lösungen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie Fragen zu unserer E-Recruiting-Software PERSY oder Interesse an der Erstellung von Recruiting-Kampagnen haben. Ganz neu in unserem Portfolio ist PARTS für eine programmatische, zielgruppenspezifische und kostenoptimierte Ausspielung von Stellenanzeigen.

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